Der Sport1.de-Blog: Martin Volkmar ist in Moskau Zeuge der wohl längsten Pressekonferenz der Geschichte und muss schmunzeln.

"Wir sind angespannt, aber zuversichtlich und hoffen darauf, dass es bald los geht", sagt Joachim Löw vor dem "Finale" gegen Russland.

Und wie zum Beweis seiner Worte tritt der Bundestrainer im Licht durchfluteten Atrium des Moskauer Nobel-Hotels "Baltschug Kempinski" auf.

Freundlich - er begrüßt den Sport1.de-Reporter mit Handschlag -, bestimmt in seinen Aussagen und voller Tatendrang.

Dementsprechend beginnt die letzte Pressekonferenz fünf Minuten zu früh. Doch wenn Löw glaubt, dadurch seine Medienarbeit etwas früher beenden zu können, irrt er.

Das liegt am heimlichen Hauptdarsteller: Valerij Danilov.

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Der erinnert ein wenig an Michael Caine in einer Rolle als Bankangestellter und ist vom DFB als Übersetzer engagiert worden.

Und so beginnt das viel Geduld erfordernde Hin-und-Her-Spiel: Frage auf deutsch - Übersetzung auf russisch - Antwort Löw (ausführlich) - Antwort auf russisch (noch ausführlicher).

Der fleißige Herr Danilov übersetzt so gründlich, dass seine Aussagen meist doppelt so lange wie die des Bundestrainers dauern.

Schließlich sorgt er allerdings für Verwirrung, als er die Frage eines russischen Journalisten wörtlich übersetzt: "Frage an Gospodin Karl-Heinz - ich weiß nicht, wer das ist."

Des Rätsels Lösung sitzt in der ersten Reihe: Karl-Heinz Heimann, bis vor wenigen Wochen Herausgeber des "kicker" und als langjähriger Experte des osteuropäischen Fußballs auch in Moskau vor Ort.

Die Antwort gibt dann aber DFB-Pressesprecher Harald Stenger. Es geht um das Vorspiel am Samstag zwischen einer deutschen und einer russischen Traditionself.

Stenger wirft Herrn Danilov unter anderem die Namen der teilnehmenden Ex-Profis Ordenewitz, Rehmer und Bobic zu und achtet minutiös auf deren Weitergabe an die russischen Medien.

Derweil hat Philipp Lahm schon mehrere Minuten ermüdet auf sein Handy geschaut, ehe er den erschlafften Bundestrainer endlich ablösen darf. Lahm antwortet prägnant und kurz.

Das mag an der Anspannung liegen, könnte aber auch damit zusammenhängen, dass das Mittagessen auf die DFB-Akteure wartet.

Wie zum Beweis meldet sich Bastian Schweinsteiger, der einige Etagen höher mehrfach von außen an die Fenster des Atriums klopft, um zur Eile zu gemahnen.

Am Ende verliert auch Herr Danilov ein wenig den Faden und fragt Lahm, ob er sich an Begegnungen mit Ivica Olic und Anatoliy Tymoshchuk erinnern könne.

Der Münchner steigt mit ein und antwortet: "Die ersten zwei Namen kenne ich nicht."

Schließlich endet nach mehr als einer Stunde eine der wohl längsten Pressekonferenzen der deutschen Länderspielgeschichte.

"Zum Abschluss noch ein interner Hinweis, der aber nicht mehr übersetzt werden muss", sagt Harald Stenger. Doch auch hier will Herr Danilov nicht kneifen - und übersetzt das ebenfalls.

Ganze Arbeit.

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