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Bei einer Niederlage müssen die deutschen Fans um die WM bangen © imago

Ein Sieg gegen Russland und Deutschland wäre für die WM 2010 qualifiziert. Doch bei Niederlage stünde alles auf der Kippe.

Vom DFB-Team berichtet Martin Volkmar

Moskau - Schon Samstagabend könnte Gewissheit herrschen.

Ein Sieg beim Gruppenfinale in Moskau (ab 16.30 Uhr LIVE) gegen Russland und die deutsche Nationalmannschaft wäre für die WM 2010 in Südafrika qualifiziert.

Auch mit einem Unentschieden könnte das Team von Bundestrainer Joachim Löw dann weiterhin einem Punkt Vorsprung vor den Russen wohl leben.

Doch bei einer Niederlage stünde die WM-Qualifikation auf der Kippe. Dann müsste die DFB-Auswahl zum zweiten Mal nach 2001 in die Relegation.

"Wir beschäftigen uns nicht konkret mit dem Thema und werden auch nicht die Angst vor einem Scheitern ansprechen", sagte Teammanager Oliver Bierhoff Sport1.de.

Gleichwohl gibt er zu: "Es ist enorm wichtig für den DFB und den deutschen Fußball, dass wir uns für die WM qualifizieren."

Welche Konsequenzen hätte ein Einzug in die Playoffs? Sport1.de beantwortet die wichtigsten Fragen.

Wann geht's in die Relegation?

Mit einem Sieg in Russland ist alles klar. Bei einem Remis und einem Sieg am Mittwoch im letzten Gruppenspiel in Hamburg gegen Finnland ist der WM-Start angesichts von einem Punkt Vorsprung ebenfalls gesichert.

Bei einer Niederlage allerdings ziehen die Russen vorbei und dürften sich Platz eins im letzten Spiel in Aserbaidschan nicht mehr nehmen lassen.

Das glaubt sogar deren Nationalcoach Berti Vogts: "Wer sich auf uns verlässt, der ist verlassen."

Das würde auch bei einem Unentschieden gegen Finnland gelten, denn dann würde Russland mit einem Dreier am Ende mit einem Zähler vorne stehen.

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Deshalb will Joachim Löw unbedingt vermeiden, auf Schützenhilfe angewiesen zu sein. "Diese Konstellation wollen wir mit aller Macht verhindern", erklärte er.

Welcher Gegner droht in den Playoffs?

Von den neun Europa-Gruppen spielen die besten acht Zweiten im K.o.-System vier WM-Teilnehmer aus.

Dabei steht schon jetzt fest, dass Deutschland nicht mehr schlechtester Gruppenzweiter werden könnte (derzeit Schweden in der Gruppe 1).

Von den acht Teams werden die vier Besten nach der kommenden Weltrangliste vom 16. Oktober gesetzt und bekommen einen der restlichen vier Rivalen zugelost. Danach wird das Heimrecht ausgelost.

Nach jetzigem Stand wäre die DFB-Elf als Weltranglistenvierter ebenso gesetzt wie Kroatien (9.), Frankreich (10.) und Griechenland (12.).

Mögliche Gegner wären aktuell Irland, Norwegen, Bosnien-Herzegowina oder Slowenien.

Das kann sich aber an den letzten zwei Spieltagen noch ändern. Würde etwa Portugal Platz zwei in der Gruppe schaffen, würde es vor Griechenland rücken und ein deutsches Duell gegen die Mannschaft von Otto Rehhagel wäre möglich.

Auch Italien kann theoretisch noch in die Playoffs rutschen, würde aber nicht gegen Löws Elf spielen - im Gegensatz zu den weiteren möglichen Rivalen Dänemark, Schweiz, Serbien und Türkei.

Wo würde Deutschland sein Heimspiel austragen?

Fest steht bereits, dass die Begegnung in Dortmund stattfinden würde.

"Wir haben uns aus dreierlei Gründen für Dortmund entschieden", sagte DFB-Generalsekretär Wolfgang Niersbach:

"Zum einen wegen der Kapazität, da mehr als 70.000 Fans die Mannschaft unterstützen können. Zweitens war Dortmund in der Vergangenheit immer ein gutes Pflaster. Außerdem haben wir 2001 schon einmal gute Erfahrungen gemacht."

Damals gewann die Mannschaft das entscheidende Rückspiel bei der bislang einzigen Teilnahme an einer Relegation mit 4:1 gegen die Ukraine, nachdem das Hinspiel in Kiew 1:1 ausgegangen war.

Wie hoch wäre der Verlust?

Der DFB hat bereits zwei Testspiele für die Zeit der Relegation eingeplant: Am 14. November in Köln gegen Chile und am 18. November in Gelsenkirchen gegen Ägypten.

Sollte beide ausfallen, würden rund sechs Millionen Euro weniger eingenommen.

"Der wirtschaftliche Aspekt wird nicht diskutiert, an die Finanzen denkt im Moment überhaupt niemand", meinte Niersbach aber.

Was wäre mit den Nerven?

Der Druck wird enorm sein, weil ein Ausscheiden gravierende Folgen hätte - auch für das Image der Spieler.

"Für mich waren die zwei Spiele gegen die Ukraine die schwierigsten meiner Karriere", gab der damalige Torwart Oliver Kahn daher offen zu.

So sieht es auch Rudi Völler. "Die nervliche Belastung war vor den Playoffspielen viel höher als vor dem WM-Finale gegen Brasilien", sagte der Ex-Teamchef.

Gleichzeitig verweist er jedoch auf den positiven Aspekt: "Wir sind noch enger zusammengerückt. Davon hat das Team bei der WM dann profitiert."

Welche Folgen hätte der K.o. in der Relegation?

Das erstmalige Verpassen einer WM-Endrunde hätte gravierende Folgen für den gesamten deutschen Fußball.

"Ein Scheitern wäre ein riesiger Imageverlust und ein enormer wirtschaftlicher Schaden", weiß Bierhoff. "Den Einnahmeausfall würde der DFB deutlich spüren."

Als Beispiel dient Englands Verpassen der EM-Endrunde 2008. Laut einer BBC-Studie entstand dadurch ein volkswirtschaftlicher Schaden von bis 2,77 Milliarden Euro.

Ziemlich sicher müsste sich der DFB dann zudem einen neuen Bundestrainer suchen. Zwar gab Präsident Theo Zwanziger Joachim Löw kürzlich auch für den Fall des Scheiterns eine Job-Garantie.

Doch alle Beteiligten wissen, dass Löw seine Arbeit bei so einem Debakel nicht mehr fortführen könnte und ein Neuanfang zwingend nötig wäre.

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