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Guus Hiddink erreichte mit Russland bei der EM 2008 das Halbfinale © getty

Bei Russland dreht sich vor dem Duell mit dem DFB-Team fast alles um Guus Hiddink. Der hat mit Deutschland keine guten Erfahrungen.

Vom DFB-Team berichtet Martin Volkmar

Moskau - Spricht man die Moskauer auf Guus Hiddink an, fangen die meisten an zu schwärmen.

Der russische Nationalcoach ist in seiner Wahlheimat beinahe ein Volksheld und hat mit seiner erfolgreichen Arbeit für eine Rieseneuphorie gesorgt.

Das mit 75.000 Zuschauern seit Wochen ausverkaufte Luschniki-Stadion hätte zehnmal gefüllt werden können, die Moskauer Sportsbars sind am Samstagabend fast komplett ausgebucht.

Vor dem Gruppenfinale gegen Deutschland (ab 16.30 Uhr LIVE) ist die Zuversicht bei den Fans der "Sbornaja" groß.

"Dürfen das Volk nicht enttäuschen"

"Russland ist zurzeit verrückt. Wir dürfen das Volk nicht enttäuschen", forderte Hiddink.

Der Niederländer ist der Baumeister der neuen Mannschaft, die bei der EM-Endrunde mit dem Einzug ins Halbfinale den größten Erfolg seit 1988 feierte.

"No Hiddink, no team", fasste Superstar Andrej Arschawin kurz und bündig die Arbeit des 62-Jährigen zusammen.

Nun erwarten alle auf den nächsten Geniestreich des Trainerfuchses - auch er selbst.

"Der Sieg über die Deutschen wäre für uns umso süßer, weil sie seit Zeiten ihres eisernen Kanzlers Otto von Bismarck bei großen Turnieren dabei sind", schrieb Hiddink in seiner Zeitungskolumne bei "Sowjetski-Sport".

Endlich schwarze Serie beenden

Zumal er gegen deutsche Mannschaften noch mindestens eine Rechnung offen hat. Nur zweimal gewann Hiddink im Europacup gegen Teams aus der Bundesliga, kassierte aber in den Rückspielen höhere Niederlagen.

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Am heftigsten 1993 mit dem FC Valencia beim historischen 0:7-Debakel gegen den Karlsruher SC. Und auch als Nationaltrainer ist seine Bilanz rundum negativ gegen die DFB-Auswahl.

1996 verlor er mit den Niederlanden 0:1, 2002 mit Südkorea im WM-Halbfinale 0:1 und vor fast genau einem Jahr im Hinspiel mit Russland 1:2 - immer war auf deutscher Seite übrigens Oliver Bierhoff dabei.

"Er hat viel Erfahrung, viele Erfolge vorzuweisen und kennt auch uns Deutsche recht gut", sagte Thomas Hitzlsperger Sport1.de.

"Trotzdem steht er nur am Rand und das Entscheidende passiert auf dem Platz. Und außerdem haben wir ihn und seine Mannschaft schon im Hinspiel geschlagen."

Letzte deutsche Niederlage 1985

Zumal die russischen Fußballer historisch gesehen der deutschen Elf liegen. Die letzte Niederlage gegen Russland bzw. die Sowjetunion liegt schon 24 Jahre zurück. Bei den Olympischen Spielen 1912 gab es gar ein 16:0, den höchsten Sieg einer DFB-Auswahl überhaupt.

"Die russischen Spieler haben zu viel Respekt vor dem deutschen Fußball", meint daher Ex-Bundestrainer Berti Vogts angesichts von nur drei russischen Siegen in 18 Partien.

"Ich kann das nur bestätigen", erklärte Stuttgarts Stürmer Pavel Pogrebnjak sogar. Und wie zum Beweis beklagte Kapitän Sergej Semak: "Die Deutschen sind im Schnitt zehn Zentimeter größer."

Doch Hiddink will davon nichts hören und fordert von seinen Spielern vielmehr, an die eigenen Stärken zu glauben. Und die liegen unbestritten in der Offensive, und da vor allem bei Superstar Andrej Arschawin.

Schlüsselspieler Arschawin und Ballack

Für Bundestrainer Joachim Löw ist der Arsenal-Stürmer der russische Schlüsselspieler. Umgekehrt ist für Hiddink Michael Ballack der absolute Kopf der deutschen Mannschaft.

"Er ist eine große Persönlichkeit", erklärte der letztjährige Coach des FC Chelsea, der mit dem deutschen Kapitän den FA-Cup holte.

"Hiddink ist ein absoluter Trainerfuchs mit enormer Erfahrung und kann eine Mannschaft richtig stark reden", sagte Ballack über den Niederländer, der ihn kürzlich beim Londoner Klub besuchte.

"Michael war felsenfest davon überzeugt, dass Deutschland in Moskau das Unentschieden schaffen wird, das die Mannschaft braucht", berichtete Hiddink.

Statistik spricht für Unentschieden

Es war statistisch gesehen das passende Ergebnis: In der WM-Qualifikation hat Russland noch nie zu Hause verloren, Deutschland noch nie auswärts.

Sollte es so kommen, hätte Hiddink zwar sein erstes Ziel nicht erreicht. Doch an der Teilnahme in Südafrika hat er überhaupt keine Zweifel:

"Egal, wie es ausgeht: Ich denke, dass sich beide für die WM qualifizieren. Einer eben durch die Hintertür."

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