Der Sport1.de-Blog: Martin Volkmar ist in Moskau "Lost in Translation", was vor allem die Fahrt mit Moskaus Metro nicht einfacher macht.

Vor meiner Abreise nach Moskau erzählte mir ein Kollege von seinem Bekannten, der einen Trip in die russische Hauptstadt nach wenigen Tagen frustriert abbrach.

Der Grund: Er verstand nur Bahnhof - oder noch weniger.

Nach knapp drei Tagen vor Ort kann ich die Leiden des jungen Herrn nachvollziehen.

Denn nicht nur, dass nach wie vor die wenigsten Russen englisch sprechen. Vor allem halten es die Stadtväter in den allerseltensten Fällen für nötig, dem unwissenden Reisenden neben der kyrillischen auch eine lateinische Schrift anzubieten.

Entsprechend mühsam gestaltet sich das Auffinden von Orten, die im Reiseführer gerne als "Points of Interest" beschrieben werden.

Zumal man ja erstmal dorthin kommen muss. Einfachste Variante: Zu Fuß. Grobe Richtung Kreml laut Stadtplan immer geradeaus.

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Problem: Das Wetter. "In den Zwischenmonaten kann es in Moskau unangenehm feucht werden", schreibt der Reiseführer.

Bedeutet im Oktober: Eine Art Schnürlregen verstärkt sich gefühlt mit jedem Schritt, bis er die Stärke einer Brause hat und man klitschnass durch Moskau wandelt.

Also zurück mit der berühmten Metro. Nur muss man auch die erst einmal finden. Am Roten Platz etwa verliefen wir uns in einem riesigen unterirdischen Mega-Einkaufszentrum mit allem, was das Herz begehrt.

Nur den Einstieg zur Metro fanden wir erst, als wir schon klaustrophobische Anwandlungen hatten, die den Literaturkenner schwer an Franz Kafka erinnerten.

Endlich drin, aber doch nicht am Ziel: Wir wollten die Linie 1 nehmen, doch die fuhr nur in eine Richtung. Wir setzten sozusagen den "50:50-Joker" - und hatten Glück.

Glücklich angekommen verließen wir den Untergrund, um ihn im nächsten Moment wieder vergeblich zu suchen. Denn wir waren auf der falschen Seite der Straße ausgestiegen.

Und dort fühlten wir uns angesichts von acht Fahrspuren voller Autos mit Tempo 100 an einen Spruch des Ruhrpott-Coemdian Herbert Knebel erinnert: "Entweder du bist auf der Straßenseite geboren, wo die Geschäfte sind, oder du musst Essen auf Rädern kommen lassen."

Kurz bevor es so weit war, fanden wir doch noch die kleine Unterführung und wollten glücklich unseres Weges gehen.

Allerdings hatten wir eine weitere im Reiseführer beschriebene Besonderheit übersehen: "Bei Regen bilden sich oft schnell große Pfützen, die die Autos nicht umfahren können. Halten Sie Abstand!"

Nun also nicht nur von oben, sondern auch von unten und von der Seite durchnässt, wateten wir durch große Pfützen zurück in unser Hotel und freuten uns nach einem letzten Blick in den Reiseführer, dass es noch kein Winter ist.

"Gehen Sie nicht dicht an Hauswänden entlang! Jedes Jahr werden bei Tauwetter einige Unvorsichtige von herabstürzenden Eiszapfen erschlagen."

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