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Lukas Podolski (r.) wurde in der 85. Minute ausgewechselt © getty

Die Löw-Elf qualifiziert sich nach einer Zitterpartie gegen Russland für die WM. Die letzten Minuten übersteht das Team in Unterzahl.

Vom DFB-Team berichtet Martin Volkmar

Moskau - Mit Glück, Geschick und einem herausragenden Rene Adler hat Deutschland die WM-Teilnahme vorzeitig perfekt gemacht.

Die Mannschaft von Bundestrainer Joachim Löw schlug nach einem Nervenspiel bis zur letzten Sekunde Russland in Moskau mit 1:0 (1:0) und steht schon vor dem abschließenden Spiel am Mittwoch gegen Finnland als Gruppensieger fest.

Den Siegtreffer vor der beeindruckenden Kulisse von 75.000 Zuschauern im ausverkauften Luschniki-Park erzielte ausgerechnet der zuletzt formschwache Miroslav Klose (35.).

Matchwinner für die DFB-Elf war allerdings der überragende Torhüter Adler, der mit zahlreichen Glanzparaden gegen die vor allem nach der Pause vehement auf den Ausgleich drängenden Russen den umjubelten Sieg festhielt.

Zittern nach Platzverweis gegen Boateng

Dabei musste der Vize-Europameister allerdings vor allem nach der Gelb-Roten Karte gegen Jerome Boateng (68.) bis zuletzt um die Teilnahme an der Endrunde in Südafrika zittern.

Die von Guus Hiddink trainierten Gastgeber müssen nach ihrer ersten Heimniederlage überhaupt in der WM-Qualifikation den bitteren Weg in die Playoffs im November antreten.

Dagegen konnte das zuletzt oft kritisierte deutsche Team nach einem couragierten und taktisch überzeugenden Auftritt einen glücklichen, aber nicht unverdienten Triumph feiern.

Rolfes und Podolski in der Startelf

Löw setzte wie erwartet auf eine 4-2-3-1-Taktik und gab auf den bis zuletzt offenen Positionen Neuling Jerome Boateng rechts hinten, Simon Rolfes im defensiven sowie Lukas Podolski im linken Mittelfeld den Vorzug.

Nach abwartendem Beginn beider Teams hatten die Gastgeber fast aus dem Nichts die erste Chance, als sich Andrej Arschawin blitzschnell um Heiko Westermann drehte. Rene Adler hielt aber sicher.

Zwei Minuten später gelang Alexander Kerschakow, der den Vorzug vor dem Stuttgarter Pavel Pogrebnajk erhalten hatte, nach hohem Pass eine ähnliche Aktion, sein Schuss ging jedoch links vorbei.

Die deutsche Elf war allerdings ebenfalls bemüht, zu Chancen zu kommen, der letzte Pass kam aber zunächst nicht an. Bei der besten Gelegenheit wurde Lukas Podolski im letzten Moment abgeblockt (23.).

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Immer Gefahr bei schnellen russischen Angriffen

Insgesamt waren die Gastgeber feldüberlegen, konnten die gut stehende DFB-Defensive aber auf dem ungewohnten Kunstrasen nur mit schnellen Pässen in die Spitze in Verlegenheit bringen.

So sorgte erst eine Standardsituation für die nächste russische Gelegenheit: Nach unnötigem Westermann-Foul schoss Juri Schirkow den Ball vom rechten Strafraumeck knapp übers Tor (28.).

Unmittelbar darauf dann die Riesenchance für Wladimir Bystrow, der nach einem Konter völlig frei vor Adler stand. Doch der Leverkusener verhinderte mit einer Glanztat das 0:1.

Die Russen war nun klar dominant, doch das Tor fiel überraschend auf der Gegenseite nach dem ersten zu Ende gespielten Angriff.

Klose trifft nach schöner Poldi-Vorarbeit

Von Michael Ballack eingeleitet flankte Mesut Özil nach schönem Doppelpass mit Podolski herrlich auf Miroslav Klose, der den Ball über die Linie drückte (35.).

Für den Bayern-Stürmer, im Verein noch ohne Saisontor, war es der 48. Treffer im 92. Länderspiel. Damit stehen in der ewigen DFB-Bestenliste nur noch Gerd Müller (68) und Joachim Streich (55 Tore für die DDR) vor dem WM-Torschützenkönig.

Das Hiddink-Team verstärkte bis zur Pause noch mal den Druck und Boateng hatte Glück, als er Bystrow unmittelbar vor der Strafraumgrenze foulte und deshalb nur Gelb sah (42.). Mehr passierte dann nicht mehr bis zur Pause.(DATENCENTER: Die deutsche Gruppe)

Immer wieder Adler

Nach der Pause hatte Deutschland die erste gute Chance, als Philipp Lahm knapp links vorbei schoss (53.). Im Gegenzug reagierte dann nach einem schnellen Zuspiel in die Spitze erneut Adler glänzend gegen den aus 16 Metern frei zum Schuss kommenden Arschawin.

Zwei Minuten darauf zog Arschawin wieder ab, wieder war der bärenstarke Adler auf dem Posten. Die Russen, bei denen Hiddink den angeschlagenen Torjäger Roman Pawljutschenko brachte, drängten nun mit ihrenm schnellen Kombinationsspiel vehement auf den Ausgleich.

Auf der Gegenseite traf Özil bei einem Entlastungsangriff mit einem Distanzschuss aus 25 Metern nur die Lattenoberkante (57.).

Die "Sbornaja" drückte weiter und hatte Pech, als eine Hereingabe von Bystrow schon am herauseilenden Adler vorbei war, aber Lahm den Ball in höchster Not aus der Gefahrenzone schlagen konnte (63.).

Boateng erneut zu spät

Dann wurde es noch schwerer für das deutsche Team, weil Boateng nach Foul am enteilten Bystrow zu Recht die Gelb-Rote Karte sah (68.). Immerhin ging der folgende Freistoß von der Strafraumgrenze in die Mauer.

In Unterzahl ging es nun nur noch darum, das 1:0 über die Zeit zu bringen. Daher übernahm der eingewechselte Arne Friedrich Boateng Position, Özil ging vom Platz.

Kurz darauf war es wieder Adler, der mit einem sensationellen Reflex einen Schrägschuss von Semschow entschärfte (72.).Zwei Minuten später hatte Ballack Pech, als sein Kopfball nach Schweinsteiger-Freistoß nur haarscharf vorbei ging.

Glück in den letzten Minuten

Hiddink setzte nun alles auf eine Karte und brachte mit Pogrebnjak einen dritten Stürmer. Die Begegnung lief nun fast nur noch in eine Richtung. In den letzten Minuten ereigneten sich dann noch zwei brenzlige Situationen im deutschen Strafaum.

Zunächst kam Arschawin nach einem Zweikampf mit Michael Ballack zu Fall, dann stürzte Bystrow über das Bein von Arne Friedrich. Zum Glück für die DFB-Elf ließ Schiedsrichter Massimo Busacca beide Male weiterlaufen.

"In der Szene von Ballack gegen Arschawin hatte Deutschland Glück. Das war ein klarer Elfmeter. Dann wäre das noch eine heiße Schlussphase geworden", beschwerte sich Guus Hiddink hinterher.

So aber rettete sich die deutsche Elf über die Zeit und fliegt im Sommer 2010 nach Südafrika.

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