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Joachim Löw beerbte Jürgen Klinsmann nach der WM 2006 als Bundestrainer © getty

Nach der erfolgreichen WM-Quali will Joachim Löw den Titel in Südafrika holen. Mithelfen soll dabei auch ein Bayern-Youngster.

Vom DFB-Team berichtet Martin Volkmar

Hamburg - Nach der erfolgreichen WM-Qualifikation hat Joachim Löw nur noch die Endrunde in Südafrika im Blick.

"Es ist natürlich mein Ziel als Trainer der deutschen Nationalelf, den WM-Titel zu gewinnen. Aber um das zu schaffen, muss alles optimal laufen", sagte der Bundestrainer vor dem Spiel gegen Finnland (Mi. ab 17.30 Uhr LIVE) der "Bild".

Eine sofortige Vertragsverlängerung über die WM 2010 hinaus ist dagegen für den 49-Jährigen erstmal kein Thema.

"In den nächsten Wochen Gedanken machen"

"In den nächsten Wochen werde ich mir in Ruhe ein paar Gedanken machen. Dann werde ich mich für einen konzeptionellen Austausch mit den Trainern zusammensetzen - und sicher zeitnah mit DFB-Präsident Theo Zwanziger reden", erklärte Löw der "Welt" und dem "Hamburger Abendblatt".

Wesentlich konkreter sind seine Personalpläne für die nächsten Monate. So hat Bayerns Shootingstar Thomas Müller offenbar beste Karten auf eine Berufung in die Nationalmannschaft.

"Thomas Müller war lange eine Überlegung, ihn mit nach Moskau zu nehmen. Ich denke, dass er im November bei den Spielen gegen Chile und Ägypten im Aufgebot stehen wird", sagte Löw. 161916(DIASHOW: Wer ist in Südafrika dabei?)

Auch Kießling und Frings weiter im Kandidatenkreis

Insgesamt habe man den Kreis der WM-Kandidaten im September von 40 auf 30 reduziert. Die gegen Russland erneut fehlenden Stefan Kießling und Torsten Frings gehörten aber nicht zu den Aussortierten.

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"Für Frings werde ich die Tür offen halten, weil ich weiß, was für ein erfahrener Fußballspieler er ist. Aber bei ihm lege ich die Messlatte besonders hoch: Er ist in seinem Alter nur richtig gut für die Mannschaft, wenn er körperlich absolut fit ist. Wenn ich das Gefühl habe, dass Torsten so ein Turnier wie die WM optimal durchziehen kann, ist er eine Option."

In der Torhüterfrage will Löw das weitere Vorgehen mit seinem Trainerstab nach den letzten beiden Länderspielen des Jahres gegen Chile (14. November) und Ägypten festlegen. Es ist aber gut möglich, dass es auch dann keine Festlegung auf Rene Adler geben wird:

"Bislang hatte ich nicht den Eindruck, dass die Torhüter durch die offene Situation nervlich irritiert waren. Im Gegenteil: Der Konkurrenzkampf, so war mein Eindruck, hat sie angetrieben und sogar ein Stück weit besser gemacht."

Lob für Özil und Ballack

Besser gemacht hat die Mannschaft laut dem Bundestrainer der Einbau von Mesut Özil. "Durch ihn sind wir viel kreativer geworden", erklärte Löw und lobte auch die neue Rolle von Michael Ballack auf und außerhalb des Platzes.

"Michael hat sich in den vergangenen Monaten noch einmal enorm gesteigert. Er ist ein wahrer Leader und Kapitän, weil er viel kommunikativer geworden ist und ständig versucht voranzugehen."

Das Verhältnis zwischen beiden sei nach dem heftigen Zerwürfnis vor fast genau einem Jahr wieder absolut intakt: "Deshalb war der Streit sogar positiv, es war ein reinigendes Gewitter und hat neue Prozesse eingeleitet."

Arbeit nach der EM 2008 in Frage gestellt

Auch er selber räumte ein, seine Arbeitsweise nach seinem ersten großen Turnier als Chefcoach im vergangenen Sommer in Frage gestellt zu haben. "Der Masterplan hat ja schon direkt nach der EM 2008 begonnen", erklärte Löw.

"Da haben wir uns gefragt: Welche Fehler haben wir gemacht? Was muss anders werden für die WM 2010? Wir wollten die Mannschaft verjüngen, das war uns wichtig - und das hat geklappt."

Deshalb gehe er zuversichtlich in die Titelkämpfe in Südafrika: "Die Basis für den WM-Titelgewinn ist gut. Ob es aber wirklich für den Titel in Südafrika reicht, kann ich heute noch nicht sagen. Da werden auch viele kurzfristige oder aktuelle Faktoren den Ausschlag geben."

Klar ist für Löw allerdings auch, dass seine Arbeit im Falle eines Misserfolgs in Frage steht. "Ich habe nicht das Gefühl, dass ich völlig überlastet bin oder der Druck zu groß wird. Diese Frage hängt auch immer von Turnieren und Erfolgen ab", sagte er.

"Aber man weiß ja: Hätten wir die Qualifikation nicht geschafft, wäre eine weitere Zusammenarbeit nicht einfach gewesen."

Keine Rücktrittsgedanken vor Russland-Spiel

Dennoch habe er vor dem 1:0-Sieg in Russland nicht über einen Rücktritt nachgedacht, ebenso wenig wie er jetzt über die angebotene Vertragsverlängerung bis zu EM 2012 nachdenke.

Wahrscheinlich will Löw auch erstmal die vergangenen Wochen und das lange Zeit wenig überzeugende Länderspieljahr 2009 sacken lassen.

Denn die Popularität des Bundestrainers hatte bereits einige Kratzer bekommen und bei einem Gang in die Relegation hätten ihn jene, die ihn jetzt hochjubeln, wohl heftig unter Druck gesetzt.

Durch den Erfolg aber kann Löw bis zur WM wohl in Ruhe arbeiten. Zumal er im Gegensatz zu vielen anderen Kollegen keine Kritik vom Vorgänger fürchten muss: Jürgen Klinsmann gratulierte noch in der Nacht von Moskau per SMS.

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