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Mesut Özil (l.) mit Sport1.de-Redakteur Martin Volkmar © SPORT1

Im Sport1.de-Interview spricht Mesut Özil über seine Anfänge, seine rasante Entwicklung und die Aussichten der DFB-Elf bei der WM.

Vom DFB-Team berichtet Martin Volkmar

Hamburg - Deutschlands neuer Hoffnungsträger ist kein Mann der großen Worte.

Aber Mesut Özil macht auch in der Öffentlichkeitsarbeit Fortschritte, wie er im großen Interview mit Sport1.de zeigt.

Nur über ein Thema will der fünfmalige Nationalspieler, der am Donnerstag 21 Jahre alt wird, nicht reden: Über seine offene Vertragssituation bei Werder Bremen.

Dort läuft Özils Kontrakt 2011 aus, seine Zukunft an der Weser ist angesichts angeblicher Offerten von Top-Teams aus England, Spanien und Italien fraglich.

Stattdessen spricht der Spielmacher über seine Anfänge im "Affenkäfig", seine rasante Entwicklung, deutsch-türkischen Jubel, Vergleiche mit Sebastian Deisler und die Aussichten der DFB-Auswahl bei der WM.

Sport1.de: Wissen Sie noch, wo Sie das EM-Halbfinale zwischen Deutschland und der Türkei gesehen haben?

Mesut Özil: Das war in Gelsenkirchen zusammen mit Freunden. Ich habe beiden Teams im Turnier die Daumen gedrückt und dann im direkten Duell mit Deutschland mitgefiebert, denn am Ende kann im Fußball nur einer gewinnen. Meine Freunde waren etwas traurig über die türkische Niederlage. Aber danach haben wir dann auf der Straße gemeinsam gefeiert.

Sport1.de: Jetzt ist die Türkei bei der WM nicht dabei. Daher wird vermutet, dass sie wegen Ihnen zu Deutschland halten werden. Freut Sie das?

Özil: Auf jeden Fall. Ich bin natürlich auch ein bisschen traurig, dass die Türkei nicht dabei ist. Aber wenn die Türken mir dann die Daumen drücken sollten, würde mich das schon glücklich und stolz machen.

Sport1.de: Was ist an Ihrem Spiel türkisch und was deutsch?

Özil: Ich denke, türkisch ist die Technik. Und deutsch die Disziplin.

Sport1.de: Was geht Ihnen durch den Kopf, wenn Sie vor dem Spiel die deutsche Nationalhymne hören?

Özil: Dass es eine Ehre ist, für die deutsche Nationalmannschaft aufzulaufen. Wenn man die Unterstützung der Fans hört, dann kribbelt es schon bei mir.

Sport1.de: Dann haben Sie mit Ihrer Entscheidung alles richtig gemacht?

Özil: Das kann man so sagen. Ich habe mich ja bewusst dafür entschieden, eine andere Nation kam für mich nicht in Frage. Ich bin dankbar und stolz, für Deutschland zu spielen. Und in der Mannschaft fühle mich pudelwohl, da passt alles.

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Sport1.de: Träumen Sie schon manchmal von der WM?

Özil: Natürlich. Wir wollten auf jeden Fall dabei sein und das haben wir geschafft. Jetzt hoffe ich, dass ich gesund bleibe und in dieser Saison konstant meine Leistungen bringe, damit ich in Südafrika dabei sein kann.

Sport1.de: Wie lautet Ihr persönliches Ziel für die Endrunde?

Özil: Wir wollen natürlich den Titel holen, denn das Potenzial haben wir. Wenn wir das abrufen, haben wir sicher gute Chancen. Außerdem sind die Deutschen immer eine Turniermannschaft.

Sport1.de: Sie sind in kurzer Zeit zu einem der Hoffnungsträger der Nationalelf geworden und wurden zuletzt mit Lob überschüttet. Besteht die Gefahr, dass Sie abheben?

Özil: Nein, ich hebe nicht ab. So wurde ich erzogen und werde auch immer so sein. Ich bin immer noch der alte Mesut. Wenn ich auf dem Platz bin, bin ich einfach glücklich und will Gas geben und Erfolg haben. Ich freue mich immer noch wie ein kleines Kind, wenn ich den Ball habe.

Sport1.de: Wie wichtig ist die Rückendeckung für Ihr Spiel?

Özil: Vor meinem Debüt gegen Südafrika sind der Trainer und einige Spieler zu mir gekommen und haben gesagt: Du hast alle Freiheiten. Wenn ein Spieler wie Michael Ballack so etwas zu mir sagt, macht das vieles leichter für mich. Für diese Unterstützung kann ich mich nur bedanken.

Sport1.de: Und wie ist die Rolle des Bundestrainers?

Özil: Er spielt eine sehr wichtige Rolle für mich, weil er mir volles Vertrauen entgegen bringt. Das brauche ich von einem Trainer und dafür bin ich Joachim Löw sehr dankbar und versuche, es mit Leistung auf dem Platz zurückzugeben.

Sport1.de: Wären Sie froh, wenn auch Torsten Frings Ihnen in der Nationalmannschaft wie bei Werder Rückendeckung geben würde?

Özil: Ich denke, er bringt seine Leistung in der Bundesliga. Aber ob er in der Nationalmannschaft spielt oder nicht, ist allein die Entscheidung des Bundestrainers. Als ich nach Bremen kam, kannte ich ihn nur aus dem Fernsehen. Er hat mich sehr unterstützt. Er ist ein cooler Typ. 161916(DIASHOW: Wer ist in Südafrika dabei?)

Sport1.de: Wie gehen Sie mit dem jetzt stetig wachsenden Erfolgsdruck um?

Özil: Wenn ich auf dem Platz bin, fühle ich gar nichts, auch keinen Druck. Dann will ich nur Spaß haben und gewinnen. Beim UEFA-Cup-Finale in Istanbul hat das leider nicht geklappt, aber danach im DFB-Pokalfinale und bei der U-21-EM lief es besser und wir haben beide Titel geholt.

Sport1.de: War der Weggang von Schalke 04 und aus der Heimat ein entscheidender Schritt für Ihre Entwicklung?

Özil: Ich denke ja. Ich bin reifer, selbstbewusster und selbständiger geworden. In Gelsenkirchen hatte ich eine Familie zu Hause, die alles für mich gemacht hat. Aber ich bin natürlich weiterhin ständig mit ihnen in Kontakt.

Sport1.de: Es gibt Parallelen zwischen Ihrer Entwicklung und der von Sebastian Deisler, der sehr jung schon ein Superstar war. Haben Sie keine Angst, dass es bei Ihnen irgendwann auch nicht mehr weitergehen könnte?

Özil: Ich kenne die Hintergründe bei ihm nicht. Als ich klein war, habe ich seine Spiele für Bayern im Fernsehen verfolgt. Er war ein Klassespieler, deshalb finde ich schade, dass er aufgehört hat. Aber bei mir ist es so, dass es nicht ohne Fußball geht. Ich habe immer gekickt seit ich denken kann und mein Hobby zum Beruf gemacht.

Sport1.de: Und wo haben Sie das alles gelernt?

Özil: Auf der Straße in Gelsenkirchen, im "Affenkäfig". Ich habe oft Stunden lang mit meinen Freunden gegen die Freunde meines Bruders gespielt, die vier, fünf Jahre älter waren. Das hat mir vor allem Durchsetzungsvermögen gebracht. Auch, weil der Verlierer das Essen bezahlen musste. Waren tolle Zeiten. Ich gehe heute noch manchmal hin und spiele mit den Kindern.

Sport1.de: Nach dem Länderspiel geht es mit Werder gegen Hoffenheim. Im letzten Jahr haben Sie beim spektakulären 5:4 das Siegtor geschossen. Denken Sie schon daran?

Özil: Erstmal konzentriere ich mich auf das Spiel gegen Finnland und will das erfolgreich bestreiten. Danach wollen wir gegen Hoffenheim gewinnen, um oben dranzubleiben.

Sport1.de: Wieder mit einem 5:4?

Özil: Lieber mit einem 1:0. Im Moment gelingt es uns ja ganz gut, hinten sicher zu stehen. Aber das Spiel im letzten Jahr hat schon richtig Spaß gemacht, weil beide Teams sehr offensiv waren.

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