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Lukas Podolski (r.) spielt seit 2004 für die deutsche Nationalmannschaft © getty

Kurz vor Schluss gelingt dem Kölner der schmeichelhafte Ausgleich gegen Finnland. Das DFB-Team enttäuscht, am Ende gibt's Pfiffe.

Vom DFB-Team berichtet Martin Volkmar

Hamburg - Vier Tage nach der Gala von Moskau hat die deutsche Nationalmannschaft mit viel Glück eine Pleite verhindert. (DATENCENTER: Die deutsche WM-Qualifikationsgruppe)

Dank des Ausgleichs von Lukas Podolski in der 89. Minute zum 1:1 (0:1) gegen Finnland feierte die DFB-Auswahl nach einer ganz schwachen ersten Hälfte doch noch einen versöhnlichen Abschluss der WM-Qualifikation 162772(die Bilder).

Das Team von Bundestrainer Joachim Löw, das bereits nach dem 1:0 in Russland als Gruppensieger feststand, verpasste allerdings trotz der Steigerung nach der Pause den neunten Sieg in der Ausscheidungsrunde und damit eine neue DFB-Bestmarke.

Lange Zeit hatte es vor 51.500 Zuschauern in der ausverkauften Hamburger Arena nach dem finnischen Führungstor durch Jonatan Johansson (11.) sogar nach dem ersten finnischen Sieg gegen Deutschland seit 1923 ausgesehen.

Zur Pause und auch nach dem Spiel mussten sich die Nationalspieler deshalb Pfiffe gefallen lassen.

Ballack in Rage

Das brachte Kapitän Michael Ballack auf die Palme: "Ich habe kein Verständnis dafür die Pfiffe. Natürlich haben wir nicht gut gespielt, aber das hat die Mannschaft nach dieser guten Qualifikation nicht verdient."

Und weiter: "Wir sind alle enttäuscht. Ich hätte mehr Fingerspitzengefühl erwartet", sagte der "Capitano".

Löw kommentierte die Pfiffe nicht. "In der ersten Halbzeit haben wir nicht gut gespielt, das hat jeder gesehen. In der zweiten Halbzeit hat die Mannschaft aber Moral bewiesen und auf den Ausgleich gedrängt. Wir waren nicht so frisch wie in Moskau. Ich weiß aber, dass wir eine gute Mannschaft haben, die da ist, wenn es darauf ankommt", richtete der Bundestrainer den Blick sogleich wieder nach vorne.

Friedrich selbstkritisch

Podolski bilanzierte: "Wir haben uns schwer getan, aber blamabel war die Leistung nicht. Man hat schon im Hinspiel gesehen, dass die Finnen etwas drauf haben."

Etwas selbstkritischer war Arne Friedrich: "Wir wollten Gas geben und gut spielen. Leider ist es dann genauso losgegangen wie im letzten Gruppenspiel der vergangenen Qualifikationsrunde gegen Tschechien. Wir haben viele Fehlpässe gespielt und waren nicht konzentriert genug."

Sechs Änderungen in der Startelf

Löw hatte die Anfangsformation wie erwartet auf sechs Positionen verändert und Andreas Beck, Arne Friedrich, Thomas Hitzlsperger, Piotr Trochowski sowie Cacau und Mario Gomez eine Chance gegeben.

Doch diese erste Gelegenheit im nun begonnenen Kampf um die WM-Plätze konnte keiner von ihnen nutzen. Zwar starteten die Gastgeber schwungvoll, doch nach elf Minuten folgte die kalte Dusche:

Erst kam Beck außen, dann Heiko Westermann in der Mitte zu spät. Der Kopfball von Roman Eremenko kam zu Johansson, der in seinem 100. Länderspiel aus kurzer Distanz zum 1:0 traf.

Keine Mittel

Danach passierte genau das, wovor Löw vorher gewarnt hatte: Die Finnen zogen sich noch weiter zurück, nahmen das Tempo aus dem Spiel und warteten auf Kontermöglichkeiten.

Bei der deutschen Elf lief dagegen nach vorne fast nichts mehr zusammen, zahlreiche Fehlpässe unter anderem durch den spürbar verunsicherten Beck hemmten den Spielaufbau.

Einzig Michael Ballack war in seinem 97. Länderspiel vergeblich um Ordnung bemüht und besaß auch die beste Gelegenheit im ersten Abschnitt, doch der Schuss des Kapitäns aus 18 Metern ging knapp übers Tor (16.).

Adler unter Beschuss

Auf der Gegenseite musste sich Rene Adler ziemlich lang machen, um nach einem schnellen Gegenzug der Gäste Eremenkos 25-Meter-Hammer abzuwehren (33.).

Nicht nur in dieser Szene hatten die Finnen allerdings aufgrund der schlechten Zuordnung der deutschen Defensive zu viel Platz.

Die Skandinavier machten es dank Abwehrchef Sami Hyypiä von Bayer Leverkusen geschickter, profitierten jedoch dabei vom ideenlosen und fehlerbehafteten Aufbauspiel der DFB-Elf.

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Pfeifkonzert zur Pause

Dementsprechend verabschiedeten die enttäuschten Fans den Vize-Europameister mit einem gellenden Pfeifkonzert in die Pause.

Auch für Andreas Beck ging das zu weit: "Das war etwas ungerecht, obwohl wir uns schwer getan haben. Eine Blamage war das nicht."

Die verloren gegangene Spielkultur sollte dann Mesut Özil zurückbringen, der zur zweiten Halbzeit den schwachen Hitzlsperger ersetzte, zudem kam Christian Gentner wie abgesprochen für Ballack.

Doch für Gefahr sorgten zunächst wieder die Finnen. Erneut konnte Eremenko unbedrängt abziehen, doch Adler rettete. Litmanens Nachschuss ging ins Tor, doch der Routinier stand im Abseits (48.).

Cacau in die Wolken

Zwei Minuten später die bis dahin beste Chance der Hausherren, doch der indisponierte Cacau schoss nach der ersten guten Flanke von Beck aus aussichtsreicher Position in die Wolken.

Immerhin tat das DFB-Team, vermutlich auch dank einer ordentlichen Kabinenpredigt von Löw, nun mehr, verfing sich aber immer wieder in der engmaschigen Gästedefensive.

Mit der zweiten Hälfte kam die Mannschaft dann aber besser in die Partie und besaß endlich auch Torchancen.

Zahlreiche Torchancen

Zunächst vergab der bis dahin völlig untergetauchte Gomez zweimal aus kurzer Distanz nach Vorlagen von Cacau (56.) und Trochowski (57.) per Kopf den Ausgleich.

Nach 67 Minuten scheiterte der nun stark verbesserte Beck nach schöner Vorarbeit von Trochowski an Finnlands Keeper Jussi Jääskelainen. Zehn Minuten später hätte Özil dann das 1:1 machen müssen, verzog aber nach Beck-Flanke aus bester Position weit.

Die ersatzgeschwächten Gäste ließen nun deutlich nach und hatten Glück, als Westermann nach einem Querschläger im eigenen Strafraum einen Schritt zu spät kam (81.).

Zwei Minuten später parierte Jääskelainen einen Kopfball des eingewechselten Miroslav Klose, Özil traf unmittelbar danach nur das Außennetz.

Als alles schon mit einer Pleite rechnete, traf Podolski doch noch zum 1:1 - sein 35. Länderspieltreffer.

Hintergrund

Ergebnisse und Tabellen: Alles zur WM

Mesut Özil im Sport1.de-Interview

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