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Michael Ballack feierte 1999 sein Länderspiel-Debüt für Deutschland © imago

Der DFB-Kapitän zeigt im Interview kein Verständnis für die Pfiffe der Fans - und spricht damit für die ganze Mannschaft.

Vom DFB-Team berichtet Martin Volkmar

Hamburg - Der krönende Abschluss blieb versagt, stattdessen beendete die deutsche Nationalmannschaft die WM-Qualifikation mit Misstönen.

Bei der DFB-Auswahl war nach dem Erfolg in Russland im letzten Spiel gegen Finnland spürbar die Luft raus, Lukas Podolski verhinderte mit seinem späten Treffer zum 1:1 gerade noch eine Blamage(DATENCENTER: Die deutsche WM-Qualifikationsgruppe).

Die enttäuschten deutschen Fans unter den 51.500 Zuschauern in Hamburg zeigten für die Vorstellung des Vize-Europameisters kein Verständnis und machten ihrem Unmut schon früh mit Pfiffen Luft.

Das wiederum sorgte für Ärger bei den Spielern, die die Reaktionen fast durchweg kritisierten.

Auch Kapitän Michael Ballack stellte sich im Interview nach seinem 97. Länderspiel vor die Mannschaft 162772(DIASHOW: Die Bilder des Spiels).

Frage: Wie bewerten Sie die Partie gegen Finnland?

Michael Ballack: Wir haben natürlich schlecht gespielt. Aber das macht ja keiner mit Absicht. Einerseits standen wir nicht mehr so unter Druck, andererseits haben die Finnen auch ganz gut gespielt. Sie haben eine erfahrene Mannschaft, das haben wir ja schon im Hinspiel zu spüren bekommen. Aber wir haben ja noch das 1:1 gemacht und ich denke, das ist okay.

Frage: Haben Sie eine Erklärung für den Leistungseinbruch?

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Ballack: Es haben sich zu viele Nachlässigkeiten eingeschlichen. Das hatte natürlich damit zu tun, dass wir die Qualifikation schon in Russland geschafft hatten. Das war vorher eine sehr schwierige Woche, der Druck war enorm. Da fällt dann nach so einem Sieg die Spannung etwas ab. Wir haben zwar versucht, uns noch mal hochzufahren, aber das ist uns leider nicht so gut gelungen. Deswegen fällt eine Bewertung schwer.

Frage: Was sagen Sie zu den Pfiffen der Fans?

Ballack: Verständnis habe ich dafür nicht, weil es der Leistung der Mannschaft nicht gerecht wird. Ich denke, wir haben eine gute WM-Qualifikation gespielt und am Samstag in Russland eine sehr gute Leistung abgeliefert. Dass man dann hier schon nach 20 Minuten ausgepfiffen wird, verstehe ich nicht.

Frage: Wie hat das Team darauf reagiert?

Ballack: Die Mannschaft war in der Kabine sehr, sehr enttäuscht. Und das haben nicht nur die Spieler so beurteilt. Manchmal sieht man die Dinge auf dem Platz anders und fühlt sich ungerecht behandelt, weiß aber nicht, ob man mit seiner Einschätzung richtig liegt. Aber diesmal waren alle der Meinung, dass so eine Reaktion des Publikums nicht hätte sein müssen.

Frage: Warum?

Ballack: Weil es die Mannschaft einfach nicht verdient hat. Und mit ein bisschen Fingerspitzengefühl hätte man das auch merken und das Team unterstützen müssen.

Frage: Wie gehen Sie damit um?

Ballack: Die Fans waren in der gesamten Qualifikation toll. Vor allem die 2500 mitgereisten Anhänger in Russland, die da alles gegeben haben. Da ist es dann schade, dass man nach einer erfolgreichen Qualifikation so einen Abschluss bekommt. Aber wir sind Profis, wir müssen das schlucken. Und das werden wir auch tun.

Frage: Besteht die Gefahr einer ähnlichen Leistung in den beiden nächsten Spielen im November?

Ballack: Das darf natürlich nicht noch mal passieren. Ab jetzt geht die Vorbereitung auf die WM los. Der Bundestrainer wird sicherlich den einen oder anderen Spieler testen, von daher kann es auch wieder weniger gute Spiele geben. Da wird auch unsere Einstellung ganz wichtig sein.

Frage: Kann es sein, dass Sie wegen der hohen Belastung bei Chelsea eine Länderspielpause bekommen?

Ballack: Das glaube ich nicht. Ich weiß nicht, wie der Bundestrainer plant, aber ich gehe davon aus, dass ich eine Einladung erhalte und dabei bin.

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