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Trotz Lukas Podolskis 34. Länderspieltor war das Finnland-Spiele eine Bauchlandung © imago

Nach dem dürftigen Auftritt beim 1:1 gegen Finnland zeigen sich die Nationalspieler enttäuscht über die lautstarke Reaktion des Publikums.

Vom DFB-Team berichtet Martin Volkmar

Hamburg - Oben pfiffen die Zuschauer, unter ärgerten sich die Spieler.

Die eigentlich erfolgreiche WM-Qualifikation endete mit einer deutlichen Verstimmung auf beiden Seiten.

Vor allem die Art und Weise der Unmutsbekundungen während und nach dem glücklichen 1:1 gegen Finnland sorgte für Frust bei der DFB-Auswahl. 162772(DIASHOW: Die Bilder des Spiels)

"Die Mannschaft war in der Kabine sehr, sehr enttäuscht. Alle waren der Meinung, dass so eine Reaktion des Publikums nicht hätte sein müssen", berichtete Kapitän Michael Ballack.

"Verständnis habe ich dafür nicht, weil es die Mannschaft nicht verdient hat. Ich denke, wir haben eine gute WM-Qualifikation gespielt und am Samstag in Russland eine sehr gute Leistung abgeliefert. Dass man dann schon nach 20 Minuten ausgepfiffen wird, verstehe ich nicht."

Ähnlich bewertete Rene Adler die Reaktionen: "Für die Fans, die ein Spektakel erwartet haben, war das schlecht. Aber als Mannschaft können wir die schnellen Pfiffe nicht verstehen. Das fand ich unangebracht."

In der Hamburger WM-Arena zeigte sich am Mittwoch ein offenbar kaum zu lösendes Dilemma: Während die Anhänger nach der Gala gegen die Russen ein Fußball-Feuerwerk gegen den Außenseiter Finnland erwarteten, war bei der Mannschaft die Luft raus.

"Die Fans wollten die Helden von Moskau feiern. Die haben aber nichts getan zum Feiern", analysierte Chefkritiker Günter Netzer treffend.

Selbstkritische Spieler bitten um Nachsicht

Die Spieler räumten ihre vor allem in der ersten Halbzeit ganz schwache Vorstellung auch offen ein, baten aber um Nachsicht für den Leistungsabfall.

"Das hatte natürlich damit zu tun, dass wir die Qualifikation schon in Russland geschafft hatten. Das war vorher eine sehr schwierige Woche, der Druck war enorm. Da fällt dann nach so einem Sieg die Spannung etwas ab", erklärte Ballack.

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"In so einem Spiel fehlen unbewusst die letzten Prozent. Wir haben zwar versucht, uns noch mal hochzufahren, aber das ist uns leider nicht so gut gelungen."

Geht es um nichts, geht nichts beim DFB-Team

Eigentlich eine erschreckende Analyse: Geht es um nichts, geht nichts bei der DFB-Elf. Da haben im Zweifel dann das zahlende Publikum und die TV-Zuschauer Pech gehabt.

"Ich weiß, dass wir eine gute Mannschaft haben, die da ist, wenn es darauf ankommt", wiederholte Joachim Löw ähnliche Aussagen, die er schon nach anderen enttäuschenden Auftritten in diesem Jahr getätigt hatte.

Zumindest bezogen auf die alles entscheidende Partie in Russland behielt er ja Recht, deshalb zeigte der während der Begegnung ebenfalls sichtlich verärgerte Bundestrainer hinterher für beide Seiten Verständnis:

"Die Pfiffe der Fans kann ich verstehen, aber was die gesamte Qualifikation betrifft, hat die Mannschaft keine Pfiffe verdient." Neben der fehlenden Motivation fand Löw einen weiteren Grund für die Probleme seines Teams.

Große Probleme gegen defensive Gegner

"Gegen ganz defensiv ausgerichtete Mannschaften tun wir uns noch schwer, da müssen wir in Zukunft noch zulegen", sagte er.

Auch Philipp Lahm meinte zu Sport1.de: "Wir haben einfach Probleme, uns gegen defensiv eingestellte Mannschaften klare Torchancen zu erarbeiten. Das muss besser werden."

So aber waren vor allem die neu in die Startelf gekommenen Nachrücker die großen Verlierer, denn keiner von ihnen konnte sich für einen Platz im WM-Kader bewerben. Vor allem Mario Gomez war fast unsichtbar.

"Es war für keinen leicht"

"Es war für keinen leicht, der neu ins Team gekommen ist. Wir haben nicht gut gespielt und darunter leidet dann jeder einzelne", sagte Lahm.

Erst mit der Einwechslung von Miroslav Klose verstärkten die Gastgeber den Druck und kamen in der Schlussphase endlich auch zu Torchancen. Doch nur, weil Lukas Podolski den Ball in der Schlussminute nicht richtig traf, trudelte er zum 1:1 ins Netz.

"Hätte ich den richtig getroffen, hätte ich bestimmt jemanden angeschossen", meinte "Poldi" gut gelaunt nach seinem bereits 35. Länderspieltreffer und übertrieb: "Das war eins der schönsten Tore meiner Karriere. Jetzt kann ich zufrieden nach Köln zurückfahren."

Löw will sich bei neuem Vertrag Zeit lassen

Auch Löw konnte dank des späten Treffers zumindest beruhigt am Donnerstag die Heimreise nach Freiburg antreten. Nur Spanien und England holten mehr Punkte in der Qualifikation. (DATENCENTER: Die deutsche WM-Qualifikationsgruppe)

Doch ab sofort geht der Blick auf die Endrunde in Südafrika. Gut möglich, dass Löw schon in den nächsten Wochen seinen bis zur WM laufenden Vertrag bis zur EM 2012 verlängert.

"Für mich persönlich gibt es keinen Zeitdruck", sagte der 49-Jährige. "Ich brauche jetzt etwas Ruhe und geistige Regenerierung. Dann kann ich sehen, welche Dinge für mich und unser Team wichtig sind. Und dann werde ich das Gespräch mit dem DFB-Präsidenten suchen."

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