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Horst Hrubesch bestritt im WM-Finale 1982 gegen Italien sein letztes Länderspiel © imago

Horst Hrubesch spricht im Sport1.de-Interview der Woche über die U-20-WM, seinen "Paroli"-Ausrutscher und seine berufliche Zukunft.

Von Martin van de Flierdt

München - Das öffentliche Bild von Horst Hrubesch hat sich in den vergangenen anderthalb Jahren gewaltig verändert.

Aus dem ehemaligen Co-Trainer der wenig ruhmreichen Nationalmannschaftsära Erich Ribbeck, der die Dinge "Paroli laufen" ließ, machte der Boulevard "Euro-Horst".

Die beiden EM-Titel, die der DFB-Coach mit der U 19 im Vorjahr und der U 21 in diesem Sommer gewann, taten dem Ruf des Europameisters von 1980 gut, vor allem aber dem des DFB.

Mit der Viertelfinalteilnahme einer vermeintlichen "Rumpftruppe" rundete Hrubesch jüngst bei der U-20-WM das erfreuliche Bild seiner jüngeren Tätigkeit ab. Der DFB, der für seine Nachwuchsarbeit erstmals von der UEFA ausgezeichnet wurde, kürte ihn daraufhin zum Trainer des Jahres.

Im Sport1.de-Interview der Woche spricht Hrubesch über seinen Anteil am Erfolg der Nachwuchsteams, den "Paroli"-Ausrutscher und seine berufliche Zukunft.

Sport1.de: Herr Hrubesch, der DFB ist diese Woche zum ersten Mal mit dem Maurice-Burlaz Preis für die beste Nachwuchsförderung in Europa ausgezeichnet worden. Was bedeutet Ihnen dieser Preis?

Hrubesch: Ich bin darüber hocherfreut. Das ist das Ergebnis dessen, was in den letzten Jahren hier passiert ist. In den DFB-Stützpunkten, den Landesverbänden, den Leistungszentren in der Bundesliga und der Nationalmannschaft. Wir beschreiten einen guten Weg, aber der ist noch lange nicht zu Ende.

Sport1.de: Sie sind 1999 zu Zeiten der sogenannten "Rumpelfüßler" beim DFB eingestiegen. War die EM 2000 allein der Auslöser für das Umdenken?

Hrubesch: Auf der einen Seite ist es natürlich beschleunigt worden durch die EM 2000. Aber bevor ich angefangen habe, hat man auch schon viele Projekte in Angriff genommen. Und dann hat man sie sukzessive vorangetrieben.

Sport1.de: Sie haben zuletzt mit zwei Mannschaften Turniere gewonnen. Wie hoch würden Sie Ihren eigenen Anteil an der Ehrung beziffern?

Hrubesch: Sicherlich habe ich auch meinen Anteil daran. Aber man muss sehen, was für ein Apparat dahintersteckt. Es geht um das Gesamte, wofür wir jetzt belohnt worden sind. Da geht?s nicht um den Einzelnen.

Sport1.de: Der DFB hat Sie aber gerade zum Trainer des Jahres gekürt...

Hrubesch: Das freut mich natürlich, darauf bin ich auch stolz. In den elf Jahren beim DFB habe ich immer versucht, meine Arbeit so gut wie möglich zu machen. Die Belohnung kommt ja immer dann, wenn du Titel gewinnst. Wie wir als Team zusammenarbeiten, macht mir einfach Spaß.

Sport1.de: Ihr Bild in der Öffentlichkeit hatte während der EM 2000 durch das "Paroli-laufen"-Zitat gelitten. Ist es eine Genugtuung, jetzt gefeiert zu werden?

Hrubesch: Wenn Sie mal zurückdenken, wie das 2000 war: Da war ja nur Power, und da war nur Druck. Dass man sich da mal verspricht, ist ja nichts Gravierendes. Das ist ja nur menschlich, und damit kann ich auch leben. Es ist klar, wenn es nicht gut läuft, wird alles in einen Topf geschmissen. Aber das ist ja das Interessante an unserem Beruf: Auf der einen Seite ist viel Druck drin, auf der anderen Seite kannst du viel erreichen, du kannst viel dafür tun. Darin besteht ja auch der Sinn des Lebens.

Sport1.de: Sie haben mit der U 19 und der U 21 den EM-Titel gewonnen. Bei der U-20-WM sind Sie von der Liga hängen gelassen worden. Wie bewerten Sie den Viertelfinaleinzug mit der "Rumpftruppe" im Vergleich zu den beiden gewonnenen Turnieren?

Hrubesch: Sehr hoch. In all den Jahren, in denen ich jetzt Trainer bin, hab ich selten eine Mannschaft gesehen, die sich in so kurzer Zeit so zusammengerauft hat. Ich muss den Spielern und den Leuten, die mit mir da waren ein riesiges Kompliment machen: Was sie da geleistet haben, das war sensationell gut.

Sport1.de: Eine verschworener Haufen also?

Hrubesch: Ja, diese Mannschaft hat wirklich Charakter gezeigt. Auf sie bin ich richtig stolz. Die Jungs haben sogar die komplette Mannschaftskasse freiwillig der Egidius-Braun-Stiftung gespendet, weil sie vor Ort keine Zeit hatten, sie noch auszugeben. Daran kann man auch ablesen, was wir da wirklich erreicht haben

Sport1.de: Sind Sie noch sauer auf die Bundesligaklubs, die ihre Talente nicht für die WM freigegeben haben?

Hrubesch: Mit dem Verhalten der Bundesliga habe ich ein Problem. Mir als jungem Spieler hätte diese Weltmeisterschaft keiner weggenommen. Kein Verein, kein Trainer. Man hätte den Jungs einen Riesen-Gefallen tun können, mal an so einer Weltmeisterschaft teilzunehmen und vor allem diese Erfahrung für ihre Karriere mitzunehmen. Ich bin nach wie vor überzeugt, dass diese Turniere den Spielern ungemein helfen.

Sport1.de: Heiko Herrlich hat den Trainerstab des DFB gerade verlassen zu Gunsten des VfL Bochum. Können Sie das nachvollziehen?

Hrubesch: Natürlich kann ich das nachvollziehen. Das ist in dem Geschäft ja normal. So oft kriegst du nicht die Chance in die Bundesliga zu gehen. Er hatte ja vorher auch schon mal das Angebot aus Kaiserslautern. Es ist vom DFB auch in Ordnung ihn freizustellen.

Sport1.de: Wäre die Bundesliga auch für Sie nochmal reizvoll?

Hrubesch: Ich weiß nicht, ob ich noch Bundesligatrainer werde. Im Moment bin ich ziemlich gut ausgelastet und werde jetzt - so wie es aussieht - die U-19-Mannschaft von Heiko Herrlich übernehmen.

Sport1.de: In ein paar Jahren bildet das Gros ihrer Ex-Schützlinge den Kern der Nationalmannschaft. Wäre es für Sie denkbar, dann als Bundestrainer zu fungieren?

Hrubesch: In der Richtung habe ich mir noch nie Gedanken gemacht: Ich war ja schon Co-Trainer von Erich Ribbeck. Ich habe auch zwei Jahre lang die A 2 Nationalmannschaft gemacht, beispielweise mit Jörg Böhme, Bernd Schneider und Torsten Frings. Das hat auch richtig Spaß gemacht. Aber an und für sich bin ich so mit meinem Job zufrieden wie er jetzt aussieht. Was da irgendwann in ferner Zukunft kommt, lasse ich einfach auf mich zukommen.

Sport1.de: Ihr Ex-Klub HSV ist in der Bundesliga aktuell ganz oben mit dabei. Hängt Ihr Herz da noch dran?

Hrubesch: Na klar. Ich hoffe, die Mannschaft erreicht, was wir auch erreicht haben, und wird Deutscher Meister. Es wird langsam mal wieder Zeit.

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