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Thomas Müller hat bereits drei Saisontore für die Bayern auf dem Konto © getty

Der Einsatz des Youngsters in der A-Nationalmannschaft wird voerst doch nichts. Der DFB-Tross trauert im Familien-Kreis.

Frankfurt - Die Nationalspieler trauerten nach dem Selbstmord von Robert Enke am Donnerstag im Kreise ihrer Familien.

Der DFB musste derweil die Planungen für die kommenden Tage bis zur Trauerfeier am Sonntag in Hannover stemmen.

Dabei hatte der Verband noch Glück im Unglück, weil sich die Nationalmannschaft bereits direkt für die WM 2010 in Südafrika qualifiziert hat.

Denn ein Play-off-Spiel hätte der DFB nicht absagen können. 173493(DIASHOW: Trauer um Robert Enke)

Vergleich mit früheren Ereignissen

"Ich erinnere mich an München 1972, als es nach den Terroranschlägen hieß: 'The games must go on.'. Oder an das Stadion-Drama in Heysel 1985, als das Finale dann trotzdem noch angepfiffen wurde", sagte DFB-Generalsekretär Wolfgang Niersbach.

Der große Unterschied zu diesen Ereignissen im Vergleich zu dem furchtbaren Tod von Robert Enke ist die persönliche Betroffenheit der Spieler.

Spielen sei "unmöglich"

Insbesondere Kapitän Michael Ballack, aber auch die übrigen anwesenden Mitglieder des Mannschaftsrates, Philipp Lahm, Bastian Schweinsteiger und Per Mertesacker, waren sich nach Gesprächen mit dem DFB absolut einig.

Das "Fußballspielen nach dieser menschlichen Tragödie" sei unmöglich.

Vielmehr ging es für Ballack bei der Trauerandacht am Mittwochabend zunächst alleine darum, sich herzlich um die mutige Witwe Teresa Enke zu kümmern.

Emotionen vor Kommerz

"Das sind keine eiskalten Millionäre in der Nationalmannschaft, sondern betroffene Freunde von Robert. Gerade Michael Ballack hat gesagt, dass er nach so einer Tragödie nicht einfach auf den Platz gehen und Fußballspielen kann", sagte Niersbach.

Deshalb war die Entscheidung klar, dass das spiel nicht stattfinden kann.

Er fügte hinzu: "Es gibt Momente im Leben, da stehen Emotionen, Sensibilität und Menschlichkeit ganz klar vor dem Kommerz. Und die Mannschaft will zudem auch zunächst persönlich Abschied von Robert nehmen, bevor sie wieder auf dem Platz steht."

Verabschiedung in der AWD-Arena

Persönlich verabschieden wird sich die komplette Mannschaft sowie der Stab um Trainer Joachim Löw und DFB-Präsident Zwanziger gemeinsam mit voraussichtlich mindestens 25.000 Fans am Sonntag ab 11 Uhr in Hannover.

"Ja, wir werden uns alle am Stadion treffen und dann gemeinsam bei der Trauerfeier sein. Zudem haben sich auch Ex-Nationalspieler wie Bernd Schneider oder verletzte Spieler wie Simon Rolfes angekündigt", sagte Niersbach. "Vor dem Spiel in Gelsenkirchen gegen die Elfenbeinküste am Mittwoch wird dann noch einmal an Robert erinnern werden."

Anreisen wollen laut DFB auch die ehemaligen Teamchefs Rudi Völler und Jürgen Klinsmann sowie eine Delegation von Bayer Leverkusen um Trainer Jupp Heynckes

Klose in Quarantäne

Fehlen wird wohl alleine Nationalstürmer Miroslav Klose. Der Angreifer von Bayern München steht mit seiner gesamten Familie wegen der Schweinegrippe bis auf weiteres unter Quarantäne.

Nachdem sich seine beiden Söhne Luan und Noah mit dem Virus infiziert hatten, war Klose am Dienstag auch nicht ins Trainingslager der Nationalelf nach Bonn gereist.

Klose ist selbst nicht infiziert, kann aber wegen der Isolierung zunächst nicht an Trainingseinheiten teilnehmen.

Müller zurück zur U 21

Kloses Teamkollege Thomas Müller muss sich bis zu seinem DFB-Debüt derweil noch gedulden.

Entgegen der ursprünglichen Planung wird Müller nicht am Sonntag zur A-Nationalmannschaft nach Düsseldorf reisen, sondern bei der U 21 bleiben, um am Dienstag das EM-Qualifkationsspiel in San Marino zu bestreiten.

Unterdessen zeigte sich Niersbach erleichtert, dass der chilenische Verband sofort Verständnis für die Absage des ursprünglich für Samstag in Köln geplanten Länderspiels gegen den WM-Teilnehmer aus Südamerika aufgebracht hatte.

Chile-Spiel wird nachgeholt

"Wir werden das Spiel aber nachholen. Sollte es die WM-Auslosung in Kapstadt im Dezember zulassen, werden wir in der ersten Jahreshälfte 2010 einen WM-Test gegen Chile bestreiten", sagte Niersbach.

Die Stadt Köln stehe als Austragungsort für ein Länderspiel im zweiten Halbjahr 2010 ganz oben auf der Liste beim DFB. Zudem erklärte er, dass alle Käufer eines Tickets für das Chile-Länderspiel ihr Geld zurückerhalten werden.

Der DFB-Generalsekretär machte noch einmal deutlich, dass es für den Verband unmöglich gewesen sei, die psychischen Probleme Enkes zu erkennen.

Kein Patentrezept

Seine Frau hätte ihm jegliche Hilfe angeboten, auch der Arzt war nah an ihm dran.

"Aber es gibt kein Patentrezept, insbesondere, wenn sich die Spieler nicht öffnen. Auch ein Sebastian Deisler, der offen mit seiner Krankheit umgegangen ist, war vor Rückschlägen nicht gefeit", erklärte Niersbach.

Großes Problem sei für die jungen Profis von heute, dass sie wie Popstars behandelt würden. Nicht jeder kommt mit dem hohen Druck in der Öffentlichkeit klar:

"Ganz normale Menschen"

"Wichtig ist zu erkennen, dass das alles junge Menschen sind, die im Licht der Öffentlichkeit stehen."

Niersbach kritisierte außerdem, dass über Spieler wie Bastian Schweinsteiger in den Schlagzeilen der Wettmanipulation bezichtig werden.

"Dann wird gesagt: 'Das müssen sie aushalten'. Dabei sind auch Fußballer ganz normale Menschen mit ganz normalen Gefühlen."

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