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Erstmals seit dem Tod von Robert Enke trainierte die DFB-Auswahl am Montag wieder © getty

Mit dem Länderspiel gegen die Elfenbeinküste will die DFB-Elf zurück in die Normalität. Doch Robert Enke ist weiter allgegenwärtig.

Vom DFB-Team berichtet Thorsten Mesch

Düsseldorf - Als der Bus des DFB-Teams am Montag um 10.18 Uhr in den grauen Bauch der Düsseldorfer Esprit-Arena einfuhr, warteten schon etwa 50 Medienvertreter vor einem Seiteneingang des Stadions.

Im Inneren der Arena war es still. Das Dach war geschlossen, das Licht gedämpft.

Das dumpfe Geräusch der Bälle, das Klicken von Kameras und Tastaturen waren zu hören.

174978(DIASHOW: Das erste Training der DFB-Auswahl)

Kein Lachen, aber ein Lächeln

Kein Lachen, aber bei einigen Nationalspielern war immerhin am Tag nach der bewegenden Trauerfeier für Robert Enke ein Lächeln zu sehen. 174538(DIASHOW: Die Trauerfeier für Enke)

Ein dutzend Kameras filmte, wie sie in zwei Gruppen mit dem Ball jonglierten, dazwischen standen Bundestrainer Joachim Löw und Per Mertesacker und redeten.

Der Übergang zur Normalität fällt schwer, aber es muss weitergehen.

"Das Innehalten und die Ruhe waren wichtig um innezuhalten, zu trauern und auch einige Werte zu überprüfen", sagte Löw wenig später bei seinem ersten Medienauftritt seit Enkes Tod. (Sonderseite zu Robert Enke)

Blick nach vorne

Löw würdigte den am Dienstag verstorbenen Nationaltorwart als einen herausragenden Menschen, richtete den Blick aber auch schnell in die Zukunft:

"Wir müssen versuchen, den normalen Rhythmus aufzunehmen, nach vorne zu schauen und uns zu konzentrieren."

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Nach dem das für Samstag geplante Spiel gegen Chile abgesagt worden war, soll de Partie gegen die Elfenbeinküste am Mittwoch (ab 20.15 Uhr LIVE) in Gelsenkirchen ein erster Schritt in Richtung Normalität werden und vielleicht dabei helfen, das Geschehene zu verarbeiten.

"Wir werden versuchen, die Spieler zu unterstützen und zu helfen, wieder ein bisschen Lächeln und Hoffnung in die nächsten Tage zu bekommen", hatte Teammanager Oliver Bierhoff angekündigt.

"Der Anstoß zum Spiel am Mittwoch ist auch wieder ein Anstoß in den Fußball-Alltag."

Das betonte auch Löw: "Selbstverständlich geht es irgendwo wieder weiter. Die Abläufe vor dem Spiel finden statt wie sonst auch", erklärte der Bundestrainer.

Ballack fällt aus

Allerdings wird die Partie gegen den WM-Teilnehmer von 2006 und 2010, der wegen eines technischen Defekts des Flugzeugs erst am Dienstag in Deutschland eintreffen wird, ohne Kapitän Michael Ballack stattfinden.

"Er hat eine Reizung in der Kniefalte und eine entzündliche Reaktion", erklärte Löw.

"Er konnte seit letzter Wochen nicht trainieren, und es macht keinen Sinn, ein Risiko einzugehen."

Der Chelsea-Star werde auch nicht auf der Bank sitzen, aber bei der Mannschaft bleiben und sich in Behandlung begeben.

Torwartfrage noch offen

Ob Manuel Neuer oder Tim Wiese im Tor stehen werden, wollten Löw und sein Trainerstab erst im Lauf des Montags entscheiden.

Im Sturm legte sich der Bundestrainer aber bereits auf Stefan Kießling fest.

"Ich werde Stefan von Beginn an bringen, weil er in Leverkusen in den vergangenen Wochen hervorragende Leistungen gezeigt hat", sagte er.

"Schon vor zwei oder drei Monaten hatten wir überlegt, ihn dazuzunehmen. Ich habe eine klare Leistungsverbesserung bei ihm gesehen. Er hat es verdient."

Kießlings erstes Länderspiel seit Februar

Für Kießling wird es sein erstes Länderspiel seit dem 0:1 im Februar gegen Norwegen sein.

Auch von den übrigen Spielern habe er "den Eindruck, dass alle die Aufgabe am Mittwoch annehmen wollen", ergänzte Löw.

"Ob wir in der Lage sein werden, ein gutes Spiel zu zeigen, weiß ich noch nicht. Aber wir werden es versuchen. Wir werden alles tun, um zur Normalität zurückzukommen."

Trauerflor und Trikot auf der Bank

Dennoch wird Robert Enke in der Schalker Arena allgegenwärtig sein. Ein Trikot des Torwarts soll auf der Bank zwischen den Spielern liegen.

"Wir spielen mit Trauerflor und ich finde es wichtig, dass wir diese Geste haben und gut, dass ein Film über ihn gezeigt wird", sagte der Bundestrainer.

Man werde aber auch versuchen, den Zuschauern ein gutes und attraktives Spiel zu zeigen.

"Ob wir dazu in der Lage sein werden, weiß ich noch nicht", erklärte Löw.

"Aber wir werden es versuchen. Wir werden alles tun, um zur Normalität zurückzukommen."

Löw: Leistungsgedanke gehört zum Beruf

Dass zu dieser Normalität trotz aller Trauer um die tragischen Umstände, die zu Robert Enkes Tod geführt haben, auch der Leistungsgedanke gehört, dessen ist sich Löw bewusst.

"Selbstverständlich sind wir in einem Bereich, in dem wir absolute Spitzenleistungen bringen müssen. Der Konkurrenzkampf ist weiterhin wichtig, das verlangen wir alle", betonte er.

"Dass wir Leistung wollen und bringen müssen ist selbstverständlich. Das ist unser Beruf und darüber gibt es keine Diskussionen."

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