vergrößernverkleinern
Sport1.de-Redakteur Martin Volkmar (l.) sprach mit Joachim Löw über das Länderspiel © imago

Joachim Löw will zur Normalität zurückkehren. Bei Sport1.de spricht er über die Bedeutung der Partie gegen die Elfenbeinküste.

Von Martin Volkmar

München/Düsseldorf - Fünf Tage hat sich Joachim Löw so weit wie möglich zurückgezogen, um den tragischen Tod von Robert Enke zu verarbeiten.

Dann präsentierte sich am Montagmittag ein aufgeräumter Bundestrainer erstmals den Medien und gab die Devise für das Länderspiel gegen die Elfenbeinküste (ab 20.15 Uhr LIVE) aus:

"Wir werden alle Konzentration - so gut es geht - auf das Spiel richten. Nach der Trauerminute muss es wieder um Fußball gehen", sagte er.

"Ob wir in der Lage sein werden, ein gutes Spiel zu zeigen, weiß ich noch nicht. Aber wir werden es versuchen. Wir werden alles tun, um zur Normalität zurückzukehren."

Womit man bei der sportlichen Bedeutung des ersten Duells mit den ebenfalls für die WM qualifizierten Westafrikanern wäre.

"Ein enorm starker Gegner"

Darüber sprach Sport1.de schon vor Enkes Tod mit Löw. "Die Elfenbeinküste ist ein enorm starker Gegner, nicht nur individuell, sondern auch als Mannschaft", erklärte er da.

"Die Spieler sind beim FC Barcelona oder bei Chelsea und Arsenal Leistungsträger, das spricht für sich."

Zwar wird bei den Gästen der angeschlagene Superstar Didier Drogba fehlen, doch auch Yaya Toure (Barca), sein Bruder Kolo (Manchester City), Emmanuel Eboue (Arsenal), Salomon Kalou (Chelsea), Abdulkader Keita (Galatasaray) oder Didier Zokora (FC Sevilla) verfügen über absolute Top-Qualität.

Daher erwartet Löw trotz der widrigen Rahmenbedingungen einige Erkenntnisse: "Jetzt beginnt so langsam die Vorbereitung für die WM, daher nehmen wir das Spiel sehr wichtig. Es geht jetzt darum, einige Dinge zu beobachten und einzuspielen."

Interessant zu beobachten dürfte sein, wie sich die zuletzt nicht immer sattelfesten Defensive und das Mittelfeld ohne den verletzten Kapitän Michael Ballack schlagen.

Kießling im Blickpunkt ? Chance für Hunt?

Im Blickpunkt steht zudem Stefan Kießling, der nach seiner bislang herausragenden Saison mit Bayer Leverkusen (acht Tore in zwölf Spielen) erstmals seit dem 0:1 gegen Norwegen im Februar wieder eine Chance in der Nationalmannschaft erhält.

Und auch für den einzigen Neuling stehen die Aussichten auf einen Einsatz gut. "Aaron Hunt war schon vor zwei, drei Jahren nah dran, hat sich dann aber immer wieder verletzt", sagte Löw über den Bremer.

"Jetzt hat er sich auf Grund seiner guten Leistungen in dieser Saison eine Chance verdient."

Hohe Wertschätzung für Ersatzkapitän Lahm

Wenig überraschend kommt auch die Wahl von Philipp Lahm zum Spielführer. Zwar erklärte Löw den Streit zwischen dem 26-Jährigen und der Bayern-Führung über ein fehlendes sportliches Konzept zu einer "internen Angelegenheit".

Gleichwohl hat der DFB-Chefcoach eine hohe Meinung über Lahm: "Vor allen Dingen mit und nach der Europameisterschaft hat er auf Grund seiner konstant guten Leistung und auf Grund seiner Persönlichkeit absolute Führungsaufgaben übernommen." 174978(DIASHOW: Das erste Training der DFB-Auswahl)

Dennoch ist Löw bewusst, dass nach den Umbauten im Team und dem Enke-Schock eine gute Vorstellung des Vize-Europameisters alles andere als sicher ist.

Das Image der Mannschaft scheint nach den vielen eher mäßigen Auftritten in diesem Jahr gelitten zu haben, wie die bis Dienstag nur zur Hälfte ausverkaufte Schalker Arena zeigt.

Kein Verständnis für harsche Fan-Kritik

Trotzdem weist Löw die frühen Pfiffe beim enttäuschenden 1:1 im Oktober gegen Finnland zurück. "Ich habe Verständnis für Unmutsbekundungen nach einem Spiel, aber nicht dafür, dass schon nach zehn Minuten gepfiffen wird", sagte er.

"Es war eigentlich klar, dass nach der unglaublichen Fokussierung auf das Spiel gegen Russland die Spannung gegen Finnland nicht mehr ganz so hoch ist", ergänzte der Bundestrainer:

"So eine Qualifikation ist ein Marathon und den haben wir glänzend gelöst. Wir haben nur zweimal gegen Finnland unentschieden gespielt, ansonsten alles gewonnen. Dafür müssen wir uns sicher nicht entschuldigen."

Die voraussichtliche deutsche Aufstellung:

Wiese - Beck (Boateng), Mertesacker, Westermann, Lahm - Gentner, Hitzlsperger - Schweinsteiger, Özil, Podolski - Kießling

Zum Forum - hier mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel