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Lukas Podolski erzielt 2009 sechs Länderspieltore © getty

Im Spiel eins nach dem Tod Robert Enkes erkämpft sich eine spielfreudige DFB-Mannschaft ein Remis gegen die Elfenbeinküste.

Vom DFB-Team berichtet Thorsten Mesch

Gelsenkirchen - Nie war ein Ergebnis so unwichtig. Die deutsche Nationalmannschaft hat das Länderspiel-Jahr 2009 mit einem Unentschieden abgeschlossen.

Gegen die Auswahl der Elfenbeinküste kam das Team von Joachim Löw in Gelsenkirchen zu einem 2:2 (1:0).

"Es war nicht leicht, nach den Ereignissen der letzten Woche die Fußballschuhe wieder zu schnüren. Aber die Mannschaft hat engagiert gespielt. Man hat gesehen, dass sie das Spiel angenommen hat und gewinnen wollte", zeigte sich der Bundestrainer nach dem Spiel zufrieden.

Lukas Podolski bewahrte die deutsche Mannschaft (DATENCENTER: Die deutsche Gruppe) mit einem Doppelpack vor einer Niederlage.

Der Kölner hatte den Vize-Europameister in der 11. Minute per Foulelfmeter in Führung gebracht. Zuvor war Stefan Kießling bei seinem ersten Ländersiel von Beginn an im Strafraum zu Fall gebracht worden.

Emmanuel Eboue (57.) und Seydou Doumbia erzielten die Tore für den WM-Teilnehmer aus Afrika, in der Nachspielzeit traf Podolski zum 2:2-Endstand.

"You´ll never walk alone"

Vor dem Abspielen der Nationalhymnen wurde über den Videowürfel der Arena ein kurzer Film mit Bildern aus dem Leben des verstorbenen Robert Enke gezeigt.

Untermalt wurden die Bilder mit der Fußballhymne "You?ll never walk alone", die auch bei der öffentlichen Trauerfeier für Enke am Sonntag gespielt worden war.

Auf der deutschen Bank lag ein rotes Enke-Trikot, die Gäste aus der Elfenbeinküste trugen weiße T-Shirts mit einem Enke-Porträt und einer Aufschrift.

Muntere Partie

Die Partie, als letztes Länderspiel des Jahres als Standortbestimmung im Hinblick auf die WM in Südafrika geplant, entwickelte sich schnell zu einem interessanten Spiel, in dem die deutsche Mannschaft von Beginn an die Initiative ergriff.

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Schon nach fünf Minuten musste Gästetorwart Aristide Zogbo gemeinsam mit Abwehrspieler Souleymane Bamba vor Kießling klären. Zogbo verlett sich dabei, konnte aber nach kurzer Behandlung weiterspielen.

"Poldi" vom Punkt

Sechs Minuten später konnte Kießling nur durch ein Foul von HSV-Profi Guy Demel gestoppt werden.

Podolski verwandelte den Strafstoß und streckte beim Torjubel die rechte Hand in Richtung Himmel ? wohl ein symbolischer Gruß an Enke.

"Vor dem Spiel waren meine Gedanken bei Robert, danach war ich aber auch wieder froh, Fußball spielen zu können", sagte der Doppeltorschütze nach dem Spiel.

Eboue auf die Latte

Kurz darauf hätte Tim Wiese, der mit der Nummer 23 spielte und zum ersten Mal von Beginn an im deutschen Tor stand, beinahe hinter sich greifen müssen: Philipp Lahm schätze einen Pass falsch ein, seine Kopfballrückgabe geriet zu kurz und Emmanuel Eboue setzte den Ball mit einem Lupfer auf die Latte.

Das deutsche Team, dass auf den verletzten Michael Ballack verzichten musste, erholte sich schnell und hatte durch Piotr Trochowski (21.) und Podolski (22.) weitere gute Szenen.

Boka passt auf

In der 26. Minute hätte Heiko Westermann nach einer Ecke beinahe das 2:0 erzielt, doch Stuttgart-Profi Arthur Boka klärte den Kopfball des Schalkers per Kopf knapp vor der Linie.

Die 33.015 Zuschauer bedankten sich für die engagierte Vorstellung mit "La Ola" und hatten in der 44. Minute erneut den Torschrei auf den Lippen.

Trochowski versuchte es mit einem Flachschuss aus 17 Metern, doch der Ball traf ur den Pfosten.

Kurioser Ausgleich

Nach der Pause spielte Manuel Neuer für Wiese im Tor, und die deutsche Mannschaft setzte ihre Angriffsbemühungen fort. Podolskis Weitschuss (51.) verfehlte das Tor nur knapp.

Der Treffer fiel schließlich auf der anderen Seite: Nach einer misslungenen Rückgabe von Westermann wollte Neuer klären, sein Schuss traf jedoch Eboue und vom Körper des Arsenal-Profis rollte der Ball ins Tor.

Beck und Gomez im Einsatz

Löw wechselte, brachte Andreas Beck für Rechtsverteidiger Jerome Boateng (65.) und in der 71. Minute für den sehr einsatzfreudigen Kießling den Münchner Mario Gomez.

Das Spiel blieb abwechslungsreich, beide Mannschaften drängten auf den Führungstreffer.

Deutschland hatte mehr Anteile, aber die Gäste blieben gefährlich. Besonders der trickreiche Chelsea-Profi Salomon Kalou beschäftigte die deutsche Hintermannschaft.

Hunt feiert Premiere

Zehn Minuten vor dem Ende kam Aaron Hunt zu seinem Länderspieldebüt. Der Bremer wurde für Bastian Schweinsteiger eingewechselt.

In der 85. Minute wurden aber schließlich die Gäste für ihre starke Vorstellung belohnt. Doumbias Weitschuss schlug unhaltbar neben dem Pfosten ein.

Löw brachte Marcel Schäfer für Trochowski, und in der Nachspielzeit erzielte Podolski nach Vorarbeit von Westermann doch noch das 2:2.

"Ich bin ein bisschen enttäuscht und sauer auf mich selbst, dass wir nur 2:2 gegen Deutschland gespielt haben. Vor dem Ausgleichstreffer hätte ich nochmal wechseln sollen", war Vahid Halilhodzic, Trainer der Elfenbeinküste, enttäuscht.

Ergebnis nebensächlich

Am Ende bleibt ein Remis in einem Spiel, das nach den tragischen Ereignissen Mut macht. Doch das Ergebnis war an diesem Abend Nebensache.

"Nach dem Video, das von Robert eingeblendet wurde, war uns allen schon noch mulmig. Danach hat man gesehen, dass sein Tod noch in uns steckt", brachte Mertesacker die Stimmung auf den Punkt.

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