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Stefan Kießling (r.,) machte gegen die Elfenbeinküste sein drittes Länderspiel © getty

Beim 2:2 gegen die Elfenbeinküste zeigt das deutsche Nationalteam nach der Trauer um Robert Enke, dass es trotz allem vorwärts geht.

Vom DFB-Team berichtet Thorsten Mesch

Gelsenkirchen - Als die Mannschaften am Mittwochabend um 20.38 Uhr den Rasen der Schalker Arena betraten, brandete Beifall auf.

Die Zuschauer erhoben sich von ihren Plätzen und begrüßten die deutsche Nationalmannschaft zu ihrem ersten Länderspiel nach Robert Enkes Tod mit anerkennendem Applaus.

Die Partie gegen die Elfenbeinküste, das letzte Länderspiel des Jahres, war ursprünglich als Standortbestimmung im Hinblick auf die WM in Südafrika geplant. Sie war letztendlich nach Enkes Tod ein erster Schritt zur in den vergangenen Tagen viel zitierten "Normalität".

"Gedanken beim Robert"

"Es war nicht leicht, nach den Ereignissen der letzten Woche die Fußballschuhe wieder zu schnüren. Aber die Mannschaft hat engagiert gespielt. Man hat gesehen, dass sie das Spiel angenommen hat und gewinnen wollte", sagte Bundestrainer Joachim Löw.

"Vor dem Spiel waren meine Gedanken beim Robert, danach war ich aber auch wieder froh, Fußball spielen zu können", meinte Lukas Podolski, der dem DFB-Team beim 2:2 (1:0) gegen die Ivorer mit zwei Toren das Remis rettete.

Nicht nur Podolski war froh, wieder Fußball spielen zu können. 175815(die Bilder des Spiels)

Kießling fügt sich gut ein

Auch Stefan Kießling, der nach zwei Einsätzen als Einwechselspieler sein erstes Länderspiel von Beginn an machte.

"Es war eine Chance für mich, und ich wollte alles geben", sagte Kießling, der viele Wege ging, immer anspielbar war und vor Tatendrang strotzte. (DATENCENTER: Die deutsche Gruppe)

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"Ich denke, ich habe ganz gut in die Partie gefunden und ein ganz ordentliches Spiel gemacht habe", meinte der Leverkusener.

Kießling war es auch, der in der 11. Minute den Foulelfmeter zum Führungstreffer herausholte. Podolski verwandelte sicher zum 1:0 (11.), und im Jubel der Zuschauer schwang eine gewisse Erleichterung mit.

"Nachdem das Video über Robert eingeblendet wurde, war uns allen schon noch mulmig", sagte Per Mertesacker, der als ehemaliger Hannoveraner Teamkollege eine besondere Beziehung zu Enke hatte.

Mertesacker erleichtert

Mertesacker ergänzte: "Danach hat man gesehen, dass sein Tod noch in uns steckt, aber ich glaube, wir haben es ganz gut gemeistert. Wir sind froh, dass das Spiel doch noch einen relativ guten Ausgang für uns gefunden hat."

Das 2:2 war am Ende ein gerechtes Ergebnis eines abwechslungsreichen Spiels, das - unabhängig von der speziellen Ausgangslage - verdeutlichte, dass auf dem Weg zur WM noch viel Arbeit vor dem Bundestrainer und seiner Mannschaft liegt.

Nach Philipp Lahms verunglückter Kopfballrückgabe zu Tim Wiese, der zum ersten Mal in der Startelf stand, lupfte Emmanuel Eboue den Ball auf die Latte.

Riesenbock von Neuer

Nach der Pause brachten die flinken Ivorer die DFB-Elf mehr und mehr in Bedrängnis und kamen in der 57. Minute zum Ausgleich.

Heiko Westermann und Manuel Neuer, der für Wiese gekommen war, machten dabei beide keine gute Figur: Westermanns Rückpass war zu kurz, Neuer schoss Eboue an, und der Ball prallte vom Körper des Arsenal-Profis ins Tor.

Während die Zuschauer dem Schalker Schlussmann anschließend aufmunternden Beifall spendeten, wurde später Mario Gomez bei seiner Einwechslung ausgepfiffen.

Auch sein Münchner Teamkollege Bastian Schweinsteiger wurde bei seiner Auswechslung nicht davon verschont. (die Einzelkritik)

Schwerer Stand der Bayern

Die Pfiffe einiger Zuschauer waren einerseits unschön, andererseits aber auch Ausdruck besagter Normalität: Bayern-Spieler haben auf Schalke nun mal einen schweren Stand.

Mit Gomez und dem Bremer Aaron Hunt, der zehn Minuten vor dem Ende sein Debüt feierte, suchte das DFB-Team die Entscheidung. Doch das Tor fiel auf der anderen Seite durch Seydou Doumbia (85.).

Als der Ex-Münchner Podolski in der Nachspielzeit dann doch noch zum 2:2 traf, waren die Fans versöhnt und die Spieler nach einer schwierigen Woche erleichtert.

"Wir haben uns heute ein Stück weit von der letzten Woche befreien können", sagte Per Mertesacker, und Bundestrainer Löw meinte: "Robert hätte in die Handschuhe geklatscht und gesagt: 'Es geht weiter'. Das wollten wir den Zuschauern zeigen."

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