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Aaron Hunt erzielte in dieser Saison fünf Tore und bereitete drei Treffer vor © getty

Aaron Hunt wäre beinahe als "ewiges Talent" abgestempelt worden. In dieser Saison ist der Knoten endlich geplatzt.

Von Nils Reschke

Auf einmal ist das "magische Dreieck" wieder in aller Munde.

So wie einst Giovane Elber, Fredi Bobic und Krassimir Balakow für den VfB Stuttgart zauberten, so wirbeln jetzt Mesut Özil, Marko Marin und Aaron Hunt an der Weser.

Doch einer in diesem Trio stand schon vor dem Karriere-Aus, bevor selbige überhaupt erst so richtig angefangenen hatte.

Auf dem besten Wege, als "ewiges Talent" abgestempelt zu werden, startete der 23-jährige Sohn einer Engländerin so durch, dass Englands Nationalcoach Fabio Capello sogar in Sachen "Three Lions" am Weserstadion anklopfte.

Aaron Hunt ist angekommen. Zurück in die Zukunft. (Mehr Kämpferherz-Texte auf kämpferherz.de)

"Keiner konnte mir helfen"

"Keiner konnte mir helfen", wirft Aaron Hunt einen Blick zurück in die Vergangenheit.

Er wurde als der große Shooting-Star bei Werder Bremen gefeiert. Schließlich feierte der Offensivspieler am 18. September 2004 schon mit 17 Jahren sein Debüt im Dress der Norddeutschen ? und knackte damit den bisherigen Vereinsrekord als jüngster Clubspieler aller Zeiten.

Den hatte bis dato ausgerechnet sein größter Fürsprecher Thomas Schaaf inne.

Werder behält die Nerven

Der Bremer Trainer war es auch, der einst prognostizierte: "Aaron könnte der nächste Nationalspieler sein."

Das war 2007, dem Jahr, als es alles andere als rund lief für den Youngster. Schon in der Saison zuvor, 2005/06 kam Hunt nie wirklich in Tritt.

Seine Knieprobleme entpuppten sich schließlich als hartnäckige Schleimbeutelentzündung. Die Rückrunde war passé, stattdessen beherrschte das hoffnungsvolle Talent anderweitig die Schlagzeilen.

Da war von nächtlichen Eskapaden bis hin zu Disco-Schlägereien zu lesen. Doch Werders Verantwortliche behielten die Nerven.

Sieben Monate Leidenszeit

Vor allem genoss Aaron Hunt ein schier unerschöpfliches Vertrauen bei Thomas Schaaf.

Der hielt immer an ihm fest, auch als sich sein Zögling mit einer Schambeinentzündung durch die Rückrunde der folgenden Saison quälte, nur noch dank Spritzen spielen konnte.

Dann kam Hunt unters Messer ? und fiel lange sieben Monate aus.

"Das war eine Scheiß-Zeit", bringt Bremens Mittelfeldmann die Selbstzweifel, die ihn plagten, auf den Punkt.

"Ich hatte zeitweise Angst um meine Karriere und wusste nicht, wie es weitergehen sollte."

Es ging weiter. Passend zum 2:1-Sieg im Nordderby am 1. Dezember 2007 gegen den Hamburger SV feierte er sein Comeback, als Schaaf ihn nach der Pause einwechselte.

Schaafs Engelsgeduld

Doch die Leidenszeit ? privat wie sportlich ? war damit noch lange nicht beendet.

Vom Führerschein-Entzug bis hin zu Rassismus-Vorwürfen hatte die Palette der Skandale fast alles zu bieten.

Das einstige Talent drohte aufs Abstellgleis zu geraten. Den Kredit bei den Fans hatte Aaron Hunt fast schon ausgereizt.

Wohl auch, weil die Formkurve in den kommenden zwei Jahren stagnierte, ihm immer wieder Knie und Leiste zu schaffen machte.

Der Weg zum "ewigen Talent" schien jetzt vorgezeichnet.

Aaron Hunt war vor dem Saisonstart 2009/10 nur noch Mitläufer. Selbst die Engelsgeduld von Thomas Schaaf schien aufgebraucht, als er und Manager Klaus Allofs ihm wohl deutlich machten, dass jetzt der nächste Schritt kommen müsse.

Südafrika im Blick

Und der kam! In der Spielzeit 2009/10, dem Jahr eins nach Diego, kämpfte sich Aaron Hunt in die Startelf.

An der Seite seiner kongenialen Mitstreiter Marko Marin und vor allem Mesut Özil, mit dem er sich auf dem Platz fast schon blind versteht, lief es auf einmal rund.

So rund, dass er sich immer wieder als Torschütze oder Passgeber in den Statistiken wiederfand ? und im Notizbuch von Joachim Löw.

Es war exakt 22.19 Uhr in Gelsenkirchen, als Löw Aaron Hunt in der Veltins-Arena zu sich rief. Der Bremer feierte sein Debüt im Nationaltrikot gegen die Elfenbeinküste, kam für Bastian Schweinsteiger.

Ob das als ein erstes Anzeichen für eine Wachablösung bei den einstigen Talenten gewertet werden darf, bleibt abzuwarten.

"Ich bin verletzungsfrei, fit und fühle mich richtig gut", darf Aaron Hunt sich jetzt sogar WM-Chancen für Südafrika ausrechnen.

Geduld zahlt sich aus. Das gilt für Werder Bremen, für Aaron Hunt und auch für Thomas Schaaf, der mit seiner "Vision" vom Nationalspieler Hunt recht behalten sollte.

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