Martin Volkmar lernt bei der WM-Auslosung Südafrika kennen. Im Gastgeberland gibt es nach wie vor viel Licht und Schatten.

Es gibt einen bösen und politisch völlig unkorrekten Witz, der in Südafrika kursiert.

Frage: Was ist der Unterschied zwischen einem Touristen und einem Rassisten?

Antwort: Drei Tage.

Nun sind wir seit drei Tagen hier und fühlen uns glücklicherweise immer noch als Tourist.

Aber über die Hintergründe dieses faszinierenden und gleichwohl auch teilweise beängstigenden Landes haben wir in den Tagen vor der WM-Auslosung in Kapstadt sehr viel erfahren.

Die Kap-Republik hat 15 Jahre nach dem Ende der Apartheid unglaublich viele Probleme, die natürlich auf die Weltmeisterschaft ausstrahlen. Entsprechend skeptisch sind viele, ob die gigantischen Investitionen von über 70 Milliarden Euro am Ende nachhaltig sein werden.

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So müssen die meisten der zehn WM-Stadien, die insgesamt um die drei Milliarden Euro gekostet haben, mangels Interesse wieder zurückgebaut werden.

Fußball ist ganz eindeutig ein Sport der schwarzen Mehrheit, die rund 80 Prozent der Bevölkerung stellt, aber gleichzeitig zum allergrößten Teil nach wie vor bitterarm ist und ums tägliche Überleben kämpft.

Immerhin hat der Confed Cup im Sommer gezeigt, dass sich auch Weiße und Mischlinge, die so genannten Coloureds, für die Nationalmannschaft interessieren.

Das ging allerdings einher mit dem überraschenden Halbfinal-Einzug der "Bafana Bafana", weshalb das drohende frühzeitige Aus des Weltranglisten-85. gravierende Folgen für die Stimmung bei der WM hätte.

Hinzu kommt die Tatsache, dass die Titelkämpfe im klimatischen Winter mit früher Dunkelheit stattfinden und man in Südafrika aufgrund der Kriminalität abends normalerweise nicht mehr ausgeht.

Neben der enormen Zahl von HIV-Infizierten (fünf bis sechs Millionen Menschen) sind die Gewaltkriminalität mit rund 18.000 Morden pro Jahr (in Deutschland 700 pro Jahr) und der extrem gefährliche Straßenverkehr (15.000 Tote pro Jahr) die größten Probleme des Landes und damit auch bei der WM.

Daher sind die zahlreichen Untergangs-Wahrsagungen der selbst ernannten Regenbogen-Nation, in der die Rassen nach wie vor eher nebeneinander denn miteinander leben, nicht weiter verwunderlich.

So hat der Bruder des Ex-Präsidenten Thabo Mbeki, also ein Schwarzer, eine vernichtende Analyse über die Zukunft des Landes geschrieben. Einer seiner Kernsätze: "In zehn Jahren wird Südafrika ein ausgebranntes, schwarzes Wrack sein."

Aber zum Glück findet man auch genug Leute, gerade Weiße, die das Ganze nicht so pessimistisch sehen.

"Südafrika ist im Gegensatz zu vielen anderen afrikanischen Ländern ein demokratischer Rechtsstaat, der allen Unkenrufen zum Trotz in den letzten Jahren eine gute Entwicklung genommen hat", sagt ein führender Angehöriger der deutschen Botschaft.

Sicherheitsexperten verweisen darauf, dass man gerade wegen der der zusätzlichen Maßnahmen als Fan gut durch die WM kommen kann, wenn man sich an gewisse Regeln hält.

Und die aus Deutschland stammende Reiseführerin fasst ihre Zuversicht kurz und bündig so zusammen: "Es gab und gibt viele Untergangsvisionen. Aber Südafrika hat immer überrascht."

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