In der Ferne trifft ein Sportjournalist Protagonisten, die in der Heimat nicht weit entfernt sind, berichtet Martin Volkmar.

In diesem Job kommt es häufig zu absurden Situationen, die einem meistens erst im Nachhinein klar werden.

Man trifft beispielsweise regelmäßig deutsche Trainer, Sportler und Journalisten-Kollegen in Moskau oder Istanbul, während man sich in der Heimat fast nie über den Weg läuft.

So geht es uns seit Jahren mit Oliver Bierhoff, den wir in Deutschland auf Wunsch des DFB praktisch immer in Frankfurt treffen, obwohl sein Starnberger Büro und unsere Münchner Redaktion nur eine halbe Autostunde auseinander liegen.

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Deshalb war es fast logisch, dass wir Bierhoff erstmals seit Wochen in einem Nobelhotel im fast 10.000 Kilometer von zu Hause entfernten Kapstadt trafen, wo er gut gelaunt über die WM-Planungen der deutschen Mannschaft erzählte.

Am Freitagabend nach der Auslosung der WM-Vorrundengruppen im Cape Town Convention Center lief uns der Teammanager dann auf dem Weg zur TV-Liveschalte wieder über den Weg.

Nachdem er uns dieselben Fragen zum vierten Mal beantwortet hatte und dann noch ein verspäteter Kollege eintraf, war aber auch seine Geduld am Ende: "Frag' die anderen, ich sag' jetzt nicht dasselbe zum fünften Mal."

Entsprechend fassungslos blickte Bierhoff, als ihn eben jener Nachzügler und wir am Samstagnachmittag kurz nach dem Einchecken auf dem Kapstädter Flughafen schon wieder erwarteten.

"Hört ihr eigentlich nie auf zu arbeiten?", fragte er leicht genervt, um sich dann aber doch einige Details der zuvor im Hotel besprochenen WM-Vorbereitung entlocken zu lassen.

Währenddessen war ein Mann unsichtbar in unserem Rücken in Richtung Flieger entschwunden: Joachim Löw.

Und wir stellten fest, dass wir den Bundestrainer während der gesamten Tage in Südafrika kein einziges Mal zu Gesicht bekommen hatten.

Denn als er anderen Medien seine Statements zur Auslosung gab, sprachen wir ja gerade mit Bierhoff. Des einen Freud, des anderen Leid.

Vielleicht sieht man sich ja demnächst in Johannesburg, zum Beispiel nach dem WM-Finale am 11. Juli 2010. Wenn uns nicht wieder Oliver Bierhoff über den Weg läuft.

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