vergrößernverkleinern
Torsten Frings bestritt insgesamt 79 Länderspiele © getty

Der Bundestrainer teilt dem Routinier vor den Fitnesstests der DFB-Auswahl mit, dass er für die WM nicht mehr mit ihm plant.

Von Martin Volkmar

München - Torsten Frings wird nicht mehr für Deutschland spielen und damit auch nicht an der Weltmeisterschaft in Südafrika teilnehmen.

Bundestrainer Joachim Löw teilte dem Kapitän von Werder Bremen am Mittwoch mit, dass er in seinen Planungen keine Rolle mehr spielt.

Damit ist die Laufbahn des 33-Jährigen, der zuletzt ohnehin nicht mehr nominiert worden war, nach 79 Länderspielen beendet.

Seine Entscheidung teilte Löw Frings im Beisein von Co-Trainer Hansi Flick bei einem Gespräch im Bremer Parkhotel mit.

"Kommt nicht völlig überraschend"

"Dieser Schritt kommt für mich jetzt nicht völlig überraschend. Damit musste ich ja rechnen, wenn man alle Vorzeichen gesehen hat", sagte Frings danach.

"Mir bleibt nichts anderes übrig als das zu akzeptieren, auch wenn ich völlig anderer Meinung bin als Joachim Löw."

Und weiter: "Ich glaube, dass ich immer noch das Potenzial habe, starke Leistungen bei einer WM abzuliefern. Und ich werde das weiterhin in der Bundesliga unter Beweis stellen."

(DATENCENTER: Der WM-Spielplan)

Löw: "Entscheidung nicht leicht gemacht"

"Wir stehen in den kommenden Wochen vor wichtigen und Richtungs weisenden Entscheidungen. Unsere Linie wird dabei sein, den Spielern offen und transparent mitzuteilen, wie und mit wem wir planen", erklärte Löw seinen Schritt.

"Wir können seine Enttäuschung über unsere Meinung verstehen. Doch wir haben uns die Entscheidung nicht leicht gemacht."

In Richtung WM wolle er aber verstärkt auf den Nachwuchs setzen: "Gerade jüngere Spieler wollen wir jetzt an das internationale Spitzenniveau heranführen, weil wir von ihnen überzeugt sind und für ihre sportliche Weiterentwicklung eine große Verantwortung tragen"

Unverständnis bei Allofs

Die Werder-Verantwortlichen reagierten dagegen mit Unverständnis.

"Das ist eine enttäuschende Entscheidung des Bundestrainers. Schade, dass unser Kapitän nicht die Möglichkeit bekommt, die WM zu spielen", erklärte Sportchef Klaus Allofs.

"Für uns ist und bleibt Torsten Frings ein entscheidender Spieler, der gerade aufgrund seiner großen internationalen Erfahrung sicher auch weiterhin eine wichtige Rolle für die Nationalmannschaft spielen könnte. Aber Joachim Löw ist der sportlich Verantwortliche und wir müssen seine Entscheidungen akzeptieren."

Seit 2001 in der DFB-Auswahl

Frings spielte seit 2001 in der Nationalelf und nahm an zwei Welt- und zwei Europameisterschaften. Dabei stand er 2002 und 2008 im jeweils verlorenen Finale und holte bei der Heim-WM 2006 den dritten Platz.

"Torsten ist ein verdienter Nationalspieler und hat viel für unser Team geleistet", sagte DFB-Manager Oliver Bierhoff, der noch als Profi gemeinsam mit Frings die WM 2002 in Südkorea und Japan bestritt.

"Daher war es Joachim Löw und Hansi Flick auch wichtig, ihm in einem persönlichen Gespräch seine Situation und ihre WM-Planungen zu erläutern."

Zerwürfnis nicht mehr zu kitten

Dabei war das Zerwürfnis zwischen dem Bundestrainer und seinem einstigen Führungsspieler aber längst nicht mehr zu kitten.

Die unüberbrückbaren Differenzen waren offenkundig entstanden, nachdem der DFB-Coach den bis dahin gesetzten Mittelfeldspieler im WM-Qualifikationsspiel im Oktober 2008 gegen Russland (2:1) nicht in der Startelf berücksichtigte.

Dagegen hatten Frings und auch Kapitän Michael Ballack öffentlich protestiert, erst nach mehreren Krisengesprächen kam es zum Burgfrieden.

Doch während Löw auf Chelsea-Star Ballack nicht verzichten konnte hielt er den zuletzt häufig angeschlagenen Frings anscheinend für ersetzbar.

Sein letztes Länderspiel hatte der gebürtige Aachener am 11. Februar 2009 beim 0:1 gegen Norwegen absolviert, danach kam er nicht mehr zum Einsatz und wurde zuletzt auch nicht mehr nominiert.

Zum Forum - hier mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel