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Der Bremer Torsten Frings bestritt 79 Länderspiele für Deutschland © getty

Auch wenn sich die Ausbootung angedeutet hatte, reagiert Werders Kapitän Frings enttäuscht auf das Ende seiner DFB-karriere.

Von Christian Stüwe

München - Es hatte sich schon lange angedeutet, doch als Torsten Frings Gewissheit über das Ende seiner Nationalmannschaftskarriere hatte, war die Enttäuschung groß.

Bundestrainer Joachim Löw und sein Co-Trainer Hans-Dieter Flick hatten sich extra auf den Weg nach Bremen gemacht, um Frings persönlich mitzuteilen, dass sie nicht mehr mit ihm planen.

Trotz der langen Anreise soll das Gespräch dann recht kurz gewesen sein.

Nach weniger als zehn Minuten habe der wütende Werder-Kapitän das Bremer Parkhotel schon wieder verlassen, berichteten Augenzeugen der "Bild".

Und sein Getränk soll er auch nicht bezahlt haben. "Es ist eine große Enttäuschung. Im Moment kann ich dazu gar nicht viel sagen", räumte Frings dann auch in einer ersten Stellungnahme im "kicker" ein.

Ob er Löws Entscheidung nachvollziehen könne? "Nein. Ich habe mich dem Wettbewerb auf dem Platz gestellt und eine starke Hinrunde gespielt", bemerkt er trotzig.

Schleichender Abschied

Bis einschließlich der Europameisterschaft 2008 war Frings in der Nationalmannschaft eine feste Größe an der Seite von Michael Ballack im zentralen Mittelfeld.

Dann begann der schleichende, unfreiwillige Abschied des Bremers aus dem DFB-Team.

Im Herbst 2008 wurde Frings noch berufen, saß aber meist auf der Bank. Sein letztes Länderspiel absolvierte er im Februar 2009 gegen Norwegen (0:1). Die WM in Südafrika hatte er immer wieder als Ziel genannt.

Starke Leistungen in der Bundesliga reichen nicht

Mit starken Leistungen in der Bundesliga versuchte sich Frings wieder für das Nationalteam zu empfehlen. Vergebens.

Offenbar vermutet er nicht nur sportliche Gründe hinter seiner Ausbootung.

"In den Augen des Bundestrainers bin ich wohl ein ganz spezieller Fall", hatte Frings kürzlich im Trainingslager der Bremer in Dubai der "Kreiszeitung Syke" gesagt.

Erinnerungen an Streit

Im Oktober 2008 war zwischen Ballack und Löw zu einem heftigen öffentlichen Streit gekommen, weil der Nationalmannschaftskapitän den Bundestrainer wegen der Nichtberücksichtigung Frings' kritisiert hatte.

Er hatte zuvor "vom Trainer mehr Rückendeckung, Vertrauen und Respekt" eingefordert. Und damit offenbar den Bruch mit Löw heraufbeschworen.

Während Ballack, der Frings unterstützte, weiter spielen durfte, kam der Bremer nicht mehr zum Einsatz.

Löw setzt auf die jungen Spieler

Löw favorisiert mittlerweile andere Spieler an der Seite Ballacks. Simon Rolfes (28), Thomas Hitzlsperger (27), Christian Gentner (24) und Sami Khedira (22) haben die besseren Karten als der 33-jährige Frings.

"Wenn er meint, dass er auf jüngere Spieler setzen will, soll er das machen", sagte Frings kürzlich.

Die Sport1.de-User halten die Entscheidung von Löw dabei mit knappen Vorsprung für richtig.

59,4 Prozent der User sind mit der Entscheidung Löws, Frings nicht mehr zu berücksichtigen, einverstanden. (15906 abgegebene Stimmen, Stand: Donnerstag, 10.30 Uhr)

"Ich fühle mich absolut fit"

Frings sieht das natürlich anders. Er zählt sich noch lange nicht zum alten Eisen.

"Ich fühle mich absolut fit und traue mir weiterhin zu, eine wichtige Rolle in der Nationalelf zu spielen", verkündete Frings nach seinem Rauswurf.

Aber die Nationalmannschaftskarriere des Bremers ist nach 79 Spielen endgültig beendet.

Frings kann dem Bundestrainer mit starken Leistungen lediglich beweisen, dass er mit seiner Entscheidung falsch gelegen hat.

Der Bremer hat bereits angekündigt, Löw beweisen zu wollen, dass er mit der Entscheidung gegen ihn falsch liegt

Keine Auswirkungen auf Psyche

Schon am Samstag im Heimspiel der Bremen gegen seinen alten Verein Bayern München hat er die erste Gelegenheit dazu.

Beeinträchtigen werden ihn die Geschehnisse laut eigener Aussage nicht. "Ich bin erfahren genug, um damit umgehen zu können."

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