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Toni Kroos bestritt 20 Spiele für die U-21-Nationalmannschaft © getty

Löw verteilt jede Menge Lob an den Leverkusener. Neben Kroos wird auch Bayern Thomas Müller als positives Beispiel genannt.

Aus Stuttgart berichtet Martin van de Flierdt

Stuttgart - Der steile Aufstieg von Toni Kroos hat bei Bundestrainer Joachim Löw dermaßen Eindruck hinterlassen, dass sich der Leverkusener Spielgestalter berechtigte Hoffnungen auf eine WM-Teilnahme machen darf.

"Toni wirkt mittlerweile sehr reif", lobte Löw den 20-Jährigen am Rande des Fitnesstests der deutschen Nationalmannschaft in Stuttgart.

"Er hat unter Jupp Heynckes eine sehr gute Entwicklung gemacht. Toni und Thomas Müller von Bayern München haben enorm gute Möglichkeiten und hervorragende Perspektiven."

Nachwuchs mit "Vehemenz und Dynamik"

Die beiden stünden stellvertretend für die starken Talente um die U-21-Europameister, die auch im DFB-Team vermehrt Druck auf die arrivierten Kräfte ausüben.

"Man spürt, mit welchem Nachdruck junge Spieler nachrücken, mit welcher Vehemenz und Dynamik sie in die Mannschaft wollen, und wie belastbar sie schon sind", sagte Löw.

"Wir haben einige dabei, die schon die mentale Stärke haben, selbstbewusst aufzutreten ohne es zu überziehen."

Kroos' Vereinstrainer Heynckes, der sich wie seine Bundesligakollegen auf Einladung des DFB in Stuttgart über Löws WM-Fahrplan informieren ließ, traut seinem Schützling eine Teilnahme in Südafrika durchaus zu. 181113(Diashow: Hier wird gespielt)

Fußballerisch "superklasse"

"Er hat eine rasante Entwicklung durchgemacht. Seine fußballerischen Qualitäten sind superklasse", urteilte Heynckes.

"Was ich herausstellen möchte, ist, dass er auch psychisch stabil ist. Er hat die Fähigkeit, strategisch Fußball zu spielen. Das zeigt mir, dass er auch für höhere Aufgaben geeignet ist."

Es sei enorm, mit welcher Ruhe Kroos inzwischen seine Leistung abruft. Erst am Sonntag hatte der Youngster mit einem Tor und zwei Vorlagen wieder wesentlich zu Leverkusens 3:0-Erfolg in Hoffenheim beigetragen.

An den Schwachstellen gearbeitet

"Toni hat hervorragend an sich gearbeitet und seine Defizite aufgearbeitet", pries Heynckes die Leihgabe von Bayern München.

Löw räumte ein, dass er Kroos zu Saisonbeginn nicht so stark gesehen hatte: "Aber er hat sich im Herbst und Winter eindeutig verbessert."

Heynckes macht sich derweil durchaus Hoffnung, Kroos auch in der kommenden Saison betreuen zu können.

Wohlgefühl in Leverkusen

"Wenn Bayern darauf besteht, dass er zurück muss, können wir nichts einwenden. Aber der Spieler muss das wollen", sagte der 64-Jährige. "Bei uns fühlt er sich wohl und weiß, dass er spielt. Das ist bei Bayern nicht der Fall."

Fehlende Einsätze im Verein machen aktuell den Stuttgarter Thomas Hitzlsperger zum Wackelkandidaten im DFB-Team. "Selbstverständlich bin ich daran interessiert, dass er regelmäßig spielt", sagte Löw.

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"Wenn er die gesamte Rückrunde auf der Bank sitzt, fehlt ihm die Spielpraxis. Ich möchte diese Thematik mit ihm besprechen."

Wechselt Hitzlsperger doch noch?

Löw betonte zwar, dass es "relativ wenig Sinn ergibt, jetzt da einen Druck zu erzeugen".

Doch fast im gleichen Atemzug erwähnte er, dass bei dem zum Reservisten zurückgestutzten ehemaligen VfB-Kapitän "möglicherweise ein Transfer ansteht".

Ausgeräumt ist unterdessen der Konflikt zwischen DFB und den Klubs bezüglich des Leistungstests der Nationalmannschaft, der die Spieler verbunden mit diversen PR-Terminen nun nur zwei statt wie zuvor geplant drei Tage in Anspruch nimmt.

"Ich habe das Gefühl, dass ich als Nationaltrainer die Unterstützung der Vereine erfahre", erklärte Löw.

"Die Verantwortung, das Land und die Liga bei der WM gut zu repräsentieren, spüre ich auch bei den Trainerkollegen."

Liga steht hinter DFB-Team

Heynckes stützte ihn in dieser Ansicht:

"Für Deutschland ist es wichtig, dass die Nationalmannschaft bei der WM nicht nur gut, sondern auch erfolgreich spielt. Deshalb ist die Bundesliga auch in der Verantwortung."

Zudem profitierten sowohl Nationalmannschaft als auch die Vereine. "Jeder Spieler, der zur WM will, ist im Verein noch motivierter", meinte der Trainer des Bundesliga-Tabellenführers.

Der Termin in Stuttgart sei außerdem langfristig mit der DFL und den Vereinen abgestimmt gewesen.

"Da kann ich mich hinterher nicht hinstellen und das kritisieren", sagte der Coach mit Bezug auf Bayern Münchens Trainer Louis van Gaal.

Nachsicht mit van Gaal

Der hatte den Leistungstest mitten in der Saison als "Wahnsinn" bezeichnet.

"Ich denke, dass Louis so etwas aus den Niederlanden oder Spanien nicht gewohnt ist", warb Heynckes um Nachsicht mit seinem Nachfolger beim Rekordmeister.

"Da ist er womöglich etwas über das Ziel hinausgeschossen."

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