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Lukas Podolskis Rückkehr auf den Platz steht weiter in den Sternen © imago

Ärger, Absagen und das fast sichere WM-Aus von Rolfes: Der Kurz-Lehrgang in Stuttgart lief für den Bundestrainer nicht wie gewünscht.

Von Martin Volkmar

München/Stuttgart - Das erste Treffen des WM-Jahres hatte sich Joachim Löw vermutlich ganz anders vorgestellt.

Eigentlich wollte er seine Kandidaten beim Kurz-Lehrgang in Stuttgart auf das große Ziel Südafrika einschwören.

Doch stattdessen gab es fast nur Ärger: Erst um den Rauswurf von Torsten Frings, dann mit Louis van Gaal, der Sinn und Zweck der Zusammenkunft in Frage stellte und den Lehrgang als "Wahnsinn" bezeichnete.

Löw lenkte schließlich ein und verkürzte die Zusammenkunft um einen Tag, so dass das Programm noch enger wurde und kaum Zeit blieb.

Zudem sagte in Michael Ballack ausgerechnet das Aushängeschild der DFB-Auswahl für die WM-Werbetermine ab, weil er wie schon lange vorher terminiert mit Chelsea in der Premier League antreten muss - ebenso wie Robert Huth.

Hinzu kamen die verletzungsbedingten Absagen von Aaron Hunt, Cacau, Heiko Westermann und Lukas Podolski.

Rolfes fast sicher nicht bei der WM dabei

Am härtesten traf Löw aber der erneute Ausfall von Simon Rolfes, der wegen starker Schmerzen vom Fitnesstest abreisen und danach bereits zum dritten Mal seit vergangenen Juni am Knie operiert werden musste.

Damit ist seine Teilnahme an der WM-Endrunde fast ausgeschlossen. Sechs Wochen kann der Mittelfeldspieler sein Knie gar nicht belasten, insgesamt rechnet sogar Leverkusens Trainer Jupp Heynckes mit "drei bis vier Monaten Pause".

Auch Rolfes selber sagte auf die Frage, ob er für die WM ausfalle: "Das weiß ich nicht. Jetzt geht es darum, dass ich gesund werde. Alles andere ist erst einmal zweitrangig."

Beim DFB hofft man zwar noch auf eine schnelle Genesung, doch realistisch gesehen muss Löw ohne den fest als Nebenmann von Ballack eingeplanten Bayer-Spielführer auskommen.

Zwei weitere Stammkräfte fallen länger aus

Doch auch um die zuletzt gesetzten Westermann und Podolski muss sich der Bundestrainer Sorgen machen. Bei beiden ist die Rückkehr auf den Platz derzeit völlig offen.

Während man bei Schalke zuversichtlich ist, dass der Kapitän nach seiner Knie-OP vor einer Woche spätestens Anfang März wieder spielen kann, wächst die Unsicherheit über das Comeback von "Prinz Poldi".

"Es ist ein konstanter Schmerz, der intensiver wird bei bestimmten Bewegungen.?Noch kann ich wirklich nicht beantworten, wann ich wieder hundertprozentig fit sein werde", sagte Podolski der "Sport Bild".

"Bei einer Zerrung oder einem Muskelfaserriss weiß man immer in etwa, wie lange man ausfällt. Bei einem Bandscheibenvorfall kann man die Verletzungsdauer nicht definieren."

Podolski macht sich Sorgen

Daher macht sich der Kölner offenbar schon Sorgen, wenn er noch lange fehlt: "Ich genieße zwar das Vertrauen des Bundestrainers, aber ich glaube nicht, dass ich eine WM-Garantie habe."

Allerdings will sich die sportliche Leitung, die erst am 1. Juni den endgültigen 23-er-Kader für die WM festlegen muss, möglichst lange alle Optionen offen lassen.

"Es wird von uns keine Deadline geben, bis zu der verletzte Spieler fit sein müssen, um zur WM mitzufahren", erklärte Löw-Assistent Hansi Flick.

Noch rund dreieinhalb Monate bis zum ersten WM-Trainingslager haben die Kandidaten noch Zeit, wieder in Form zu kommen. Das gilt auch für bisherige Stammkräfte, die in ihren Klubs momentan nur zweite Wahl sind.

Allen voran Miroslav Klose, der allerdings sicher bei der Endrunde dabei sein wird, und Thomas Hitzlsperger, dem Löw mehr oder minder deutlich einen Vereinswechsel nahe legte.

Trotz der Probleme wird es aber keine Rückkehr der ausgemusterten Frings und Kevin Kuranyi geben.

Stattdessen wird Bastian Schweinsteiger wohl für Rolfes ähnlich wie schon beim FC Bayern auf seine neue Lieblingsposition im zentralen Mittelfeld rücken.

Beste Aussichten für Kroos und Müller

Die dadurch frei gewordenen Stelle auf außen könnten die Shootingstars Toni Kroos oder Thomas Müller einnehmen, die beste Aussichten auf eine WM-Teilnahme besitzen.

"Sie haben sicherlich gute Chancen, wenn sie ihre bisherigen Leistungen in der Rückrunde bestätigen", erklärte Löw.

Ihr Debüt werden Kroos und Müller vermutlich am 3. März in München im einzigen Test vor der WM-Nominierung gegen Argentinien feiern. Dann dürfte auch Klarheit über die meisten derzeitigen Sorgenkinder bestehen.

Ohnehin wollte Löw den Kurz-Lehrgang nicht überbewerten. "Der Leistungstest war noch nicht der WM-Auftakt", sagte Löw. "Gegen Argentinien kann vielleicht so eine Stimmung erzeugt werden."

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