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Das ging ins Auge: Joachim Löws Vertrag wird frühestens nach der WM verlängert © imago

Keine Einigung mit dem DFB: Der Bundestrainer unterschreibt vor der WM in Südafrika keinen neuen Vertrag. Nun ist die Zukunft offen.

Von Martin Volkmar

München - Die Zukunft von Joachim Löw beim DFB ist wieder völlig offen.

Nachdem sich DFB-Präsident Theo Zwanziger und der Bundestrainer bereits vor Weihnachten auf eine Vertragsverlängerung bis zur EM 2012 geeinigt hatten, platzte nun überraschend die endgültige Einigung.

Auf einer außerordentlichen Präsidiumssitzung konnten sich Verbandsspitze und sportliche Leitung nicht auf die Bedingungen eines neuen Kontrakts einigen, was eigentlich nur noch als Formsache galt.

Stattdessen wurden die Verhandlungen auf die Zeit nach der Weltmeisterschaft in Südafrika vertagt. (Der WM-Spielplan)

Löw-Aus bei schwachem WM-Abschneiden wahrscheinlich

Somit ist es wahrscheinlich, dass Löws Vertrag bei einem enttäuschenden WM-Abschneiden nicht verlängert wird. Dann stünde Sportdirektor Matthias Sammer als Nachfolger parat.

Darauf lässt auch die Aussage von DFB-Generalsekretär Wolfang Niersbach schließen: "Es ist auch unsere Absicht gewesen, zum jetzigen Zeitpunkt für klare Vertragsverhältnisse über die WM 2010 hinaus zu sorgen", sagte er.

"Auf der anderen Seite ist die Situation jetzt vergleichbar mit der von 2006, als Jürgen Klinsmann Bundestrainer war."

Damals aber hatte der Löw-Vorgänger alles vom Erfolg bei der Heim-WM abhängig gemacht - und war danach trotz Platz drei freiwillig gegangen.

Grundsätzlich seien "beide Seiten aber an einer Fortsetzung der guten Zusammenarbeit interessiert", erklärte Zwanziger. "Aber bei wichtigen inhaltlichen Aspekten konnten wir uns nicht einigen. Deshalb setzen wir die Gespräche nicht fort."

Der Verbandsboss weiter: "Deshalb sind wir gemeinsam zu dem Ergebnis gekommen, die Verhandlungen nun auszusetzen, um uns ausschließlich auf die WM-Vorbereitung konzentrieren zu können und somit all unsere Kraft für ein erfolgreiches Abschneiden der deutschen Nationalmannschaft in Südafrika einzusetzen."

Lösung bei U 21 möglich

Selbst im Falle einer erfolgreichen WM dürften die Verhandlungen jedoch kein Selbstläufer werden.

Dabei ist offenkundig nicht die Kompetenzfrage zwischen Löw und Sammer bei der U 21 das Problem.

Vielmehr wurde ein Kompromiss gefunden, der Löw die Hoheit über Spielphilosophie und Bestellung des U-21-Trainers überlässt. Gleichzeitig werde auch Sammer das Team weiter unterstützen.

"Während sich bei der U 21 eine klare und einvernehmliche Lösung erarbeiten ließ, sind bei den Gesprächen für uns überraschend neue Vorstellungen entwickelt worden, die aus der Sicht des DFB-Präsidiums zum Teil auch im Blick auf die Satzung nicht zu akzeptieren sind", sagte Zwanziger.

"Ein Alternativvorschlag des DFB fand nicht die Zustimmung der sportlichen Leitung. Deshalb setzen wir die Gespräche nicht fort."

Angebliche Forderung nach Bonuszahlung

Angeblich soll es sich dabei um die zusätzliche Forderung von Löw und Nationalmannschafts-Manager Oliver Bierhoff nach einer Bonuszahlung von je einem Jahresgehalt handeln.

Eine entsprechende "Bild"-Meldung über ein so genanntes "Signing Fee" war vom DFB nicht dementiert worden.

Zudem habe Bierhoff ein Veto-Recht bei der Besetzung des Bundestrainer-Postens gefordert.

"Wir akzeptieren natürlich die Entscheidung des Präsidiums, auch wenn wir sie sehr bedauern. Es lagen zwei Vorschläge auf dem Tisch, aber wir konnten uns nicht einigen", sagte Bierhoff.

"Wir hätten die Vertragsverlängerungen gerne schnell im Vorfeld der WM geklärt, damit uns dieses Thema nicht während der ganzen WM begleitet."

Darüber hinaus wurde offenbar auch keine Lösung für den Machtkampf zwischen Bierhoff und Sammer gefunden, die sich als Präsidiumsmitglieder bei der Abstimmung am Donnerstag enthielten.

Die Tatsache, dass beide maßgeblichen Anteil am letzten deutschen Titel, dem EM-Triumph 1996, hatten, ändert nichts an ihrem gestörten Verhältnis.

Kompetenzen nicht klar abgesteckt

Entsprechend schwer bis teilweise unmöglich ist eine Zusammenarbeit, weil bis jetzt die Kompetenzen nicht klar abgesteckt sind.

Bierhoff und Sammer wollen eine ähnliche Entscheidungshoheit wie bei einem Bundesligisten:

Alleiniges Vorschlags- sowie ein Vetorecht bei der Suche eines neuen Bundestrainers (Bierhoff), Zuständigkeit für alle Nachwuchsmannschaften und am liebsten auch Mitspracherecht bei der DFB-Auswahl (Sammer).

Das Grundübel ist, dass sich die Aufgabenbereiche beider Posten überschneiden, was nur mit einer engen Abstimmung der Protagonisten zu kompensieren wäre. Dies ist aber nicht der Fall.

Bierhoff gegen Sammer-Installierung

Bierhoff hatte von Anfang an ein Problem mit der Installierung von Sammer im Frühjahr 2006, denn er und der damalige Bundestrainer Jürgen Klinsmann wollten unbedingt Hockey-Bundestrainer Bernhard Peters als Sportdirektor.

Seitdem gab es zwar immer wieder Versuche zur Einigung, zum Beispiel bei einer Aussprache im Herbst. Doch das Misstrauen zwischen beiden Seiten ist geblieben.

Nur ein Machtwort von Zwanziger könnte den gordischen Knoten wohl durchschlagen. Doch der Verbandsboss will unbedingt vermeiden, dass eine Seite als Verlierer dasteht.

Zumal beide über zahlreiche Unterstützer im Verband verfügen. Für Löw und Bierhoff spricht der sportliche (und damit auch finanzielle) Erfolg der Nationalmannschaft.

Für Sammer die Tatsache, dass die DFB-Junioren noch nie so erfolgreich waren wie zuletzt, als man Europameister bei der U 21, U 19 und U 17 wurde und über eine nie dagewesene Zahl an Top-Talenten verfügt.

Fortsetzung folgt.

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