Bundestrainer Joachim Löw hat mit seinen offenbar kurzfristigen Nachforderungen die DFB-Spitze vor den Kopf gestoßen.

Die Frage schien sich gar nicht mehr zu stellen. Jogi Löw verlängert seinen Vertrag als Bundestrainer, das galt als Fakt.

Es ging nur noch um eher unbedeutende Details und um den Zeitpunkt.

Spätestens seit DFB-Präsident Dr. Theo Zwanziger in der Woche vor Weihnachten mit der vermeintlichen Handschlagvereinbarung vorgeprescht war, ging die Öffentlichkeit davon aus, dass von Seiten des Verbandes einer weiteren Zusammenarbeit mit Löw und seinem Trainerteam nichts im Wege steht.

[image id="6a1b33f4-65cc-11e5-acef-f80f41fc6a62" class="half_size"]

Selbst im bis zuletzt offenen Kompetenzstreit um die Verantwortung für die U 21 kam Zwanziger Löw entgegen, allerdings ohne DFB-Sportdirektor Matthias Sammer zu brüskieren. Der Bundestrainer schien alle Karten für eine Ausdehnung seiner Amtszeit in der Hand zu haben.

Doch mit seinen offenbar kurzfristig gestellten Nachforderungen "wirtschaftlicher und struktureller" Art (Originalton Zwanziger) haben Löw und sein Team ihr gutes Blatt wohl überreizt.

Denn selbst die ihnen prinzipiell positiv gesonnene DFB-Spitze hält es nicht einmal für möglich, in den nächsten Wochen eine Einigung zu finden.

Die Konsequenz: Das Thema wird während der kompletten WM-Vorbereitung und erst recht im Turnierverlauf präsent sein - ein Nebenkriegsschauplatz, der nicht von Vorteil sein kann. Egal, wie sehr die beteiligten Personen nun beteuern, sich auf die Großaufgabe Südafrika konzentrieren zu wollen.

Böse Zungen würden von einem PR-Desaster sprechen. Rein faktisch ändert sich an der Ausgangslage für Löw wenig: Spielt die deutsche Auswahl ein schlechtes Turnier, wäre es ohnehin schwierig, den Bundestrainer im Amt zu halten - unabhängig von einer vorherigen Vertragsverlängerung.

Allerdings hätte er in letzterem Fall zuvor zumindest noch ein zusätzliches Jahresgehalt per "Signing fee" eingestrichen.

Der heimliche Gewinner des Tages ist derweil Sammer, und zwar nicht zuletzt, weil die DFB-Spitze ein Vetorecht seines Rivalen Oliver Bierhoff bei der Besetzung des Bundestrainerpostens ablehnte.

Denn Sammer, dem Löw und sein Team schon länger unterstellen, den Bundestrainerposten anzustreben, wäre im Fall der Fälle der logische Nachfolger.

Zum Forum - jetzt mitdiskutieren! Zurück zur Startseite

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel