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"Wollen die denn den DFB übernehmen?" Beckenbauer (r.) kann Löw nicht verstehen © imago

Im Vertragsstreit gießt Bundestrainer Löw noch mehr Öl ins Feuer. Gegenüber dem DSF schlägt sich Beckenbauer auf Zwanzigers Seite.

Von Martin Volkmar

München - Es wird immer hitziger: In dem eskalierenden Machtkampf zwischen Bundestrainer Jogi Löw und den Verbands-Granden mischt sich nun auch Franz Beckenbauer ein:

Im Gespräch mit dem DSF schlägt sich der "Kaiser" und Ehrenpräsident des FC Bayern klar auf die Seite von DFB-Präsident Theo Zwanziger: "Der Verband hat zu Hundert Prozent Recht. "

Der DFB-Vizepräsident staucht Löw gehörig zusammen: "Ja, wollen die denn den DFB übernehmen? Die haben doch sowieso schon alle guten Verträge."

Und weiter: "Wollen die denn Kompetenzen, die nur dem Präsidium zustehen? So geht es nicht", echauffierte sich der "Kaiser".

Gleichwohl geht Beckenbauer davon aus, dass es Zwanziger gelingt, die Wogen in dem Streit zu glätten: "Mit Zwanziger kann man vernünftig reden." Der "Bild" sagte er zudem, dass eine Einigung nur zustande kommen könne, "wenn sich die Löw/Bierhoff-Seite bewegt".

Klar auf Konfrontationskurs

Die Frage ist nun, ob Löw nach seiner Attacke gegen Zwanziger überhaupt gewillt ist, mit dem DFB-Boss zu kommunizieren.

Am Freitagmorgen hatte Joachim Löw Sport1.de noch erklärt, er wolle vorerst kein Statement zur geplatzten Vetragsverlängerung geben.

Zunächst wolle er die interne Lagebesprechung der sportlichen Leitung abwarten. Danach sprach er doch Klartext - und ging voll auf Konfrontationskurs mit Zwanziger.

Indirekt der Lüge bezichtigt

Dabei warf Löw dem DFB-Präsidenten indirekt sogar vor, die Unwahrheit gesagt sowie ihn und Nationalmannschaftsmanager Oliver Bierhoff in den Verhandlungen unter Druck gesetzt zu haben.

Somit verhärten sich die Fronten im DFB-Machtkampf weiter, und es wird immer fraglicher, ob eine Zusammenarbeit über die WM in Südafrika hinaus überhaupt noch möglich ist. 199554(DIASHOW: Joachim Löws Karriere)

"Viele Unwahrheiten in Umlauf"

"Ganz bewusst haben wir uns in den vergangen Wochen nicht konkret zur Vertragssituation geäußert. Umso verwunderter sind wir über die plötzlich in der Öffentlichkeit diskutierten angeblichen Vertragsdetails", teilte Löw am Freitagnachmittag in einer schriftlichen Stellungnahme mit.

Löw weiter: "Dadurch sind viele Unwahrheiten in Umlauf gekommen. Einen Handschlag-Vertrag hat es zum Beispiel nicht gegeben."

Zwanziger hingegen hatte kurz vor Weihnachten genau das Gegenteil behauptet, als er die grundsätzliche Einigung mit Löw über eine Verlängerung bis zur EM 2012 verkündet hatte.

Originalton: "Ich bin froh, dass wir uns per Handschlag auf eine Vertragsverlängerung einigen konnten und nun in Ruhe ins WM-Jahr gehen können."

Auf die aktuellen Aussagen Löws reagierte Zwanziger besonnen: "Ich habe die Aussagen des Bundestrainers zur Kenntnis genommen und freue mich darüber, dass er es genauso sieht wie wir, dass wir die volle Konzentration auf die WM legen müssen".

Doch es besteht die Gefahr, dass schon bei einer klaren Heimpleite im nächsten Länderspiel gegen Argentinien die Diskussionen um Löw beginnen und bis zum Ende der WM anhalten.

"Maulwurf" in der DFB-Spitze sorgt für Verärgerung

Auf Seiten der sportlichen Leitung sorgt vor allem der "Maulwurf" in der DFB-Spitze für enorme Verägerung. Dieser hatte offenkundig vor der entscheidenden Präsidiumssitzung Interna an die "Bild"-Zeitung weitergegeben.

Die angeblichen Forderungen von Löw und Bierhoff nach einer einmaligen Bonuszahlung in Höhe eines Jahresgehalts von rund drei Millionen Euro hatte für größten Unmut geführt.

Von "einer der unmoralischsten Forderungen, die ich je gehört habe", sprach ein hochrangiger Funktionär.

Schon nach wenigen Minuten soll das Präsidium, dem unter anderem die DFL-Bosse Reinhard Rauball und Christian Seifert angehören, die Forderungen einstimmig abgelehnt haben.

Ein Bonus-Gehalt für alle

Allerdings stimmen wichtige Details der "Bild"-Meldung offenbar nicht, denn nach Angaben aus mehreren Quellen verlangte Bierhoff lediglich ein Jahresgehalt als Bonuszahlung für alle Mitglieder der sportlichen Leitung.

Zudem forderte der DFB-Teammanager ein Veto-Recht bei der Besetzung des Bundestrainer-Postens, weil er angeblich unbedingt DFB-Sportdirektor Matthias Sammer (Vertrag bis 2013) als Löw-Nachfolger verhindern will.

Eine dazu nötige Satzungsänderung wurde aber ebenso kategorisch abgelehnt wie die aus Sicht der Runde zu hohen finanziellen Forderungen.

Die DFB-Führung bot dagegen lediglich wie bisher ein Mitsprachrecht in dieser Frage, bot laut "Bild" zwischen fünf und acht Prozent mehr Gehalt - und setzten Löw und Co. zudem unter Zeitdruck.

Löw: "Ein nicht verhandelbares Angebot"

"Von unserer Seite wurde ein verhandelbarer Vorschlag vorgelegt, uns dagegen wurde ein nicht-verhandelbares Angebot zugestellt, über das ich innerhalb von 48 Stunden entscheiden sollte", meinte Löw dazu.

"Unsere ganze Konzentration gilt seit sechs Jahren dem Erfolg der Nationalmannschaft - auch im Sinne der Entwicklung und Reputation des deutschen Fußballs. Dabei stehen Teamwork, Loyalität und Respekt an erster Stelle für mich. In diesem Sinne werden wir uns in den nächsten Wochen intensiv auf die WM in Südafrika vorbereiten."

Ausgeschlossen scheint aber auch nicht, dass sich der Konflikt nun weiter verschärft. Der Kölner "Express" mutmaßt sogar, Löw könnte dann noch vor der Weltmeisterschaft zurücktreten.

Derzeit ist das Verhältnis offenkundig völlig zerrüttet. "Da muss viel passiert sein, dass es zu so einem Eklat kommen kann", meinte daher Bayern-Präsident Uli Hoeneß.

Starke Front gegen Bierhoff

Dabei will man beim DFB nach wie vor gerne mit dem populären und erfolgreichen Bundestrainer weiterarbeiten.

Doch gegen Bierhoff hat sich auch wegen des Konflikts mit Sammer eine immer stärkere Front aufgebaut, der angeblich inzwischen auch Zwanziger zuneigt.

Löw jedoch hat mehfach klargemacht, dass er nur zusammen mit seinem gesamten Team weiter im Amt bleibt.

Ob das über die WM hinaus der Fall sein wird, hängt alleine vom sportlichen Erfolg ab. Experten sehen dafür den Halbfinal-Einzug als Mindestanforderung.

So oder so dürfte der Konflikt verbrannte Erde hinterlassen: Als Gewinner darf sich niemand sehen angesichts des gestörten Innenlebens zwischen Löw und den DFB-Oberen.

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