vergrößernverkleinern
Bierhoff, von Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge zudem als "Ich-AG vom Starnberger See" abgewatscht, lässt sich dennoch nie kleinkriegen - bis heute nicht. Mit dem Machtkampf mit dem DFB um Präsident Theo Zwanziger hatte er seinen bis dato größten Konflikt auszutragen
Dr. Theo Zwanziger (r.) will für Oliver Bierhoffs Ansprüche die DFB-Satzung nicht ändern © imago

DFB-Präsident Zwanziger setzt sich gegen den Vorwurf der Lüge zur Wehr und verteidigt seine Linie im Vertragsstreit mit Löw.

Von Martin van de Flierdt

München - DFB-Präsident Dr. Theo Zwanziger hat sich gegen den Vorwurf gewehrt, er habe im Dezember eine Lüge verbreitet, in dem er einen "Handschlagsvertrag" mit Joachim Löw öffentlich gemacht hat.

Der Bundestrainer hatte am Freitag vehement bestritten, dass es eine solche Vereinbarung gebe. 199554(DIASHOW: Joachim Löws Karriere)

"Es war ein Vier-Augen-Gespräch - natürlich haben wir uns die Hand dabei gegeben. Wir sind ja höfliche Menschen", sagte Zwanziger der "Süddeutschen Zeitung". "Wir waren uns einig. Das hat der Bundestrainer doch auch selbst gesagt."

Es sei nur noch um Details gegangen. "Die großen Unterschiede gab es erst, als Oliver Bierhoff in einem Gespräch Mitte Januar neue Fakten geschaffen hat, indem er uns Entwürfe für völlig neue Verträge präsentiert hat."

Das sei ein Vorstoß in eine neue Dimension gewesen, die für Zwanziger "völlig überraschend gekommen" sei.

Forderungen der Basis "nicht zu verkaufen"

Eine gemäßigte Erhöhung der Bezüge, eine Regelung der Zuständigkeit für die U 21 und ein eigenes Budget für Bierhoff zur "Abwicklung gezielter Maßnahmen" - das war das, was der DFB-Boss sich vorgestellt hatte.

Denn in wirtschaftlich schwierigen Zeiten könne er "den Amateurfußballern und Millionen von ehrenamtlichen Helfern nicht verkaufen, dass wir ohnehin sehr gut dotierte Verträge nochmals deutlich aufstocken".

Eine Einigung mit der sportlichen Führung des DFB-Teams habe es aber in erster Linie deshalb nicht gegeben, weil der Verband die Verträge verlängern, nicht aber völlig neue Kontrakte aushandeln wollte.

Bierhoffs anspruchsvoller Wunsch

"Das, was uns Mitte Januar auf den Tisch gelegt wurde, war etwas ganz anderes als bisher", sagte Zwanziger. "Offenbar hat Bierhoff den Wunsch entwickelt, dass seine Rolle mehr gestärkt wird."

Doch allein des Teammanagers Forderung nach mehr Kompetenz - unter anderem einschließlich des Vetorechts bei der Besetzung des Bundestrainerpostens - hätte Zwanziger zufolge drei oder vier Anträge auf eine Satzungsänderung des DFB zur Folge gehabt: "Das war nicht machbar."

Dass die sportliche Leitung ihm nun vorwarf, ihr statt wirklicher Verhandlungen mit einem innerhalb von 48 Stunden zu unterzeichnenden, nicht verhandelbaren Gegenangebot quasi die Pistole auf die Brust gesetzt zu haben, kann Zwanziger nicht nachvollziehen.

Zwanziger sieht keine Nötigung

"Wir waren unter Zeitdruck", erklärte er. "Die nächste Sitzung des DFB-Präsidiums wäre erst im März gewesen. Ich konnte die Sache nicht so lange kochen lassen." Bei Löw und seinem Team handle es sich außerdem um "Leute mit starkem Niveau, die fähig sein müssten, zügig zu entscheiden".

Von Nötigung könne daher keine Rede sein: "Nötigung besteht, wenn ein Mensch die Wahl zwischen zwei Übeln hat. Worin besteht hier das Übel?" Gegen den Weiterentwicklungsdrang der sportlichen Führung sei prinzipiell nichts einzuwenden.

"Wir haben eine Menge gemeinsam durchgesetzt, vieles modernisiert", meint der DFB-Präsident. "Aber jetzt sind wir an einem Punkt angelangt, an dem ich mich ein bisschen überfordert fühle."

Das Ziel: Weiter mit Löw

An seinem Vorhaben, mit Löw auch nach der WM weiterzumachen, habe sich dadurch aber nichts geändert. "Ich will ihn behalten. Wenn wir die WM erfolgreich spielen, werde ich mit Löw sprechen", kündigte Zwanziger an.

"Und wenn wir nicht so erfolgreich spielen, dann auch. Er wird immer mein erster Gesprächspartner sein. Wir sind Freunde, wir sind keine Feinde." Schon am Sonntag bei der Auslösung der EM-Qualifikationsgruppen in Warschau werde er wieder mit dem Bundestrainer sprechen.

Dass dieser noch vor der WM aufgrund der gescheiterten Vertragsverlängerung die Brocken hinwirft, glaubt Zwanziger nicht: "Das würde ich überhaupt nicht verstehen. Das erwarte ich auch nicht. Dafür schätze ich ihn viel zu hoch ein."

"Verband muss Belastendes ertragen"

Auch der Umstand, dass das Thema wie ein Damoklesschwert über WM-Vorbereitung und -Auftreten schwebt, schreckt Zwanziger nicht. "Ein Verband muss Schönes und Belastendes ertragen, das habe ich gelernt", erklärt er.

"Es ist nicht die Schicksalsfrage der Nation, ob ein Bundestrainer mit einem auslaufenden oder laufenden Vertrag ins Turnier geht."

Zum Forum - jetzt mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel