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Im Februar 2010 waren diese Dinge allerdings plötzlich nebensächlich, als die schon als perfekt vermeldete Vertragsverlängerung mit einem lauten Knall platzte
Joachim Löw (l.) und Oliver Bierhoff heuerten 2004 beim DFB an © imago

Der Bundestrainer stellt klar: Beide gibt es nur im Paket. Bierhoff betont: Eine Bonuszahlung für die Unterschrift sei nie gerfordert worden.

Von Martin Hoffmann

München - Es sollte ein kleiner Friedensgipfel sein, nach all den Irritationen der vergangenen Tage.

Aber nach einer Aussprache mit DFB-Chef Theo Zwanziger gab sich Bundestrainer Joachim Löw nicht viel Mühe zu verbergen, dass da immer noch nicht viel Frieden ist.

Die Atmosphäre nach der geplatzten Vertragsverlängerung Löws war während der gemeinsamen Reise zur EM-Auslosung 2012 in Polen noch immer schwer gestört (EINWURF: Kaum noch zu kitten).

"Ich bin über den ganzen Ablauf stark verärgert", stellte Löw in Warschau klar: "Wir haben insgesamt ein schlechtes Bild abgegeben. Es stört mich ungemein, dass gewisse Dinge in die Öffentlichkeit gekommen sind."

Zugleich gerät DFB-Manager Oliver Bierhoff immer heftiger unter Beschuss - während Löw seine Zukunft an die seines Vertrauten knüpft 199554(DIASHOW: Joachim Löws Karriere).

Umständliche Teil-Beschwichtigungen

Nur bedingt beschwichtigend waren Löws Aussagen nach der Unterredung mit Zwanziger.

"Ich habe gespürt, dass dem Präsidenten daran liegt, die WM-Vorbereitung in dem engen Vertrauensverhältnis fortzuführen, das uns seit Jahren verbindet, auch wenn es noch nicht zu der beabsichtigten Vertragsverlängerung über die WM 2010 hinaus gekommen ist", formulierte er vor dem Abflug nach Polen umständlich.

Und: "Gleichzeitig habe ich auch gespürt, dass meine Stellungnahme vom Freitag bei Dr. Zwanziger große Irritationen ausgelöst hat, weil dadurch in der Öffentlichkeit die Diskussion aufgekommen ist, er habe Unwahrheiten verbreitet oder sei daran beteiligt gewesen."

Dies sei "zu keinem Zeitpunkt beabsichtigt" beabsichtigt gewesen.

"Kein Verständnis" für das Ultimatum

Seine Verärgerung über die Verhandlungsführung des DFB aber machte Löw weiter deutlich.

"Ich habe kein Verständnis dafür, dass mir der DFB mit dem Vertragsangebot in der vergangenen Woche ein Ultimatum gesetzt hat", erklärte der Bundestrainer:

"Ich bin seit sechs Jahren leitender Angestellter, und wir haben mit unserem Team alles für den Erfolg der Nationalmannschaft und die Reputation des deutschen Fußballs getan. Da kann es nicht sein, dass ich ein Angebot innerhalb von 48 Stunden annehmen soll."

Diese Aussage wiederholte Löw am Wochenende auf allen Kanälen ausdauernd.

Bierhoff sprang Löw zur Seite und kritisierte auch, dass das Ultimatum über Löws 50. Geburtstag lief: "So sollte man mit dem Bundestrainer und seinem Team nicht umgehen", sagte er in der "ARD".

Bierhoff im Kreuzfeuer

Bierhoff aber steht immer mehr selbst im Kreuzfeuer.

Nachdem am Freitag schon Franz Beckenbauer via "Bild" auf Bierhoff eindedroschen hatte, legte in der Sonntags-Ausgabe des Blatts ein anderer Meinungsführer des Betriebs nach.

"Ich betrachte Oliver Bierhoff als zentrale Figur und Verursacher dieser unnötigen Auseinandersetzung", so Günter Netzer.

Der DFB-Manager unterliege "einer grandiosen Fehleinschätzung seiner Person" und seiner Bedeutung für die Nationalmannschaft: "Er hält sich zwar selbst für unverzichtbar, ist es aber nicht."

Netzers Rat an Löw: "Die Lösung, um die festgefahrenen Fronten aufzubrechen, kann eigentlich nur sein, dass Jogi Löw selbst die Verhandlungen übernimmt."

"Oliver gehört zu unserem Team"

Daran denkt Löw aber nicht.

Auf die sich häufenden Spekulationen, dass der DFB Bierhoff abservieren könnte, reagiert er mit einer klaren Ansage: Er knüpft sein Schicksal an das des Managers.

In der "Bild" beantwortet er die Frage, ob es ihn nur im Paket mit Bierhoff: "Selbstverständlich. Oliver gehört zu unserem Team."

Genauso deutlich sagt Bierhoff: "Jogi steht voll an meiner Seite."

"Forderung einer Signing Fee hat es nie gegeben"

In der Sendung "Sky90" stellte er zudem am Sonntagabend klar, dass er und Löw nie eine Bonuszahlung für die Unterschrift unter einen neuen Vertrag gefordert hätten.

"Die Forderung einer Signing Fee hat es nie gegeben. Es ist von einer einmaligen Zahlung die Rede gewesen, die aber erst im Nachhinein während der Laufzeit gezahlt werden sollte", sagte Bierhoff und sprach von einer "Gehalterhöhung in einer Einmalzahlung".

Einen solchen Vertragsbestandteil habe auch der DFB-Vorschlag enthalten, sagte Bierhoff. Er räumte ein, dass die Höhe der vorgeschlagenen Beträge unterschiedlich gewesen sei.

Bierhoff gab auch zu, dass er ein Veto-Recht gefordert habe, "dass ohne meine Zustimmung kein Bundestrainer ausgewählt werden kann, aber nur im Zeitraum von 2010 bis 2012."

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