vergrößernverkleinern
Joachim Löw (v.) wurde nach der WM 2006 Nachfolger von Jürgen Klinsmann © imago

Auch nach der Einigung mit der Verbandsspitze bleibt eine Zukunft Joachim Löws als Bundestrainer über die WM hinaus höchst fraglich.

Von Martin Volkmar

München - Trotz des am Dienstag öffentlich demonstrierten Burgfriedens:

Die Anzeichen verdichten sich, dass Joachim Löw nach der Weltmeisterschaft als Bundestrainer aufhört.

Damit dürfte dann auch die Karriere von Teammanager Oliver Bierhoff beim DFB beendet sein.

Eine entsprechende Meldung der "Sport Bild", deren Redaktionsschluss allerdings schon vor dem Friedensgipfel zu Wochenbeginn war, wurde von Löws Seite nicht dementiert.

"Ich werde mich zu all diesen Dingen nicht mehr äußern. Ich habe schon am Dienstag gesagt, dass es keine Zugabe mehr geben wird", sagte der Bundestrainer Sport1.de.

Machtkampf offiziell beendet

Löw und Bierhoff sowie DFB-Präsident Theo Zwanziger und Generalsekretär Wolfgang Niersbach hatten den Machtkampf der vergangenen Tage am Vortag offiziell für beendet erklärt.

Gleichzeitig blieb die Zukunft der sportlichen Leitung der Nationalmannschaft nach der WM in Südafrika aber offen, neue Verhandlungen über eine Vertragsverlängerung wird es nicht geben.

"Bis zur WM gibt es eine klare Linie. Über das Nachher mache ich mir noch keine Gedanken", sagte Löw auf der Pressekonferenz, auf der er sich als einziger der Beteiligten nicht für sein Verhalten bei der Eskalation des Streits entschuldigte.

Das muss der Bundestrainer auch nicht, denn die Verbandsseite machte ihm noch einmal deutlich, dass sie unbedingt mit ihm weiter zusammenarbeiten will.

Zwanziger: Nur Bundestrainer ist nicht auswechselbar

"Ein Erfolg bei der WM ist nur mit diesem Trainer machbar", hatte Zwanziger seine grundsätzliche Wertschätzung verdeutlicht. Und ergänzt: "Alle sind auswechselbar, ob Generalsekretär, Präsident, Manager."

Dieser Hinweis war nicht ins Blaue hineingesprochen, sondern zeigt die deutliche Abkehr vom spätestens nach seiner Verhandlungsführung in Ungnade gefallenen Bierhoff.

Deshalb würde die DFB-Führung am liebsten mit Löw, aber ohne Bierhoff weitermachen. 201377(DIASHOW: Reizfigur Oliver Bierhoff)

Bisher hatte der Bundestrainer das kategorisch ausgeschlossen, nun erklärte er dazu: "Ich habe immer gesagt, dass wir bis zur WM gemeinsam weitermachen. Danach wird man sich unterhalten."

Bierhoff als Sportdirektor zum HSV?

Angeblich soll Bierhoff Löw zuvor erklärt haben, dass er seine Zukunft nicht von ihm abhängig machen müsse. Ein weiteres Indiz für seinen Abgang nach der WM, zumal der Hamburger SV weiterhin höchst interessiert an Bierhoff als Sportdirektor sein soll.

Dennoch ist das Thema dadurch für Löw nicht erledigt. Zum einen, weil Loyalität für den 50-Jährigen enorme Bedeutung hat.

Zum anderen, weil er nach den Entwicklungen der vergangenen Tage und Wochen an einer weiteren sinnvollen und erfolgreichen Zusammenarbeit mit den DFB-Verantwortlichen große Zweifel haben soll.

Schon als Coach von Austria Wien trat Löw 2004 als Tabellenführer zurück, weil ihm Klubboss Frank Stronach in die Arbeit reinreden und seine Kompetenzen beschneiden wollte. 199554(DIASHOW: Joachim Löws Karriere)

Sammer steht als Nachfolger parat

Den Verband wiederum würde der Verlust des Bundestrainers nicht so ins Mark treffen wie in der Vergangenheit. Denn mit DFB-Sportdirektor und Bierhoff-Gegenspieler Matthias Sammer steht der potenzielle Nachfolger schon unter Vertrag.

Laut "Sport Bild" gebe es darüber bereits eine Absprache mit dem DFB. Der Ex-Nationalspieler selber äußert sich nicht zur aktuellen Situation, hat in der Vergangenheit aber Ambitionen auf den Bundestrainer-Posten immer dementiert.

Daher bringt die Zeitschrift auch Guus Hiddinik, Jürgen Klopp und Ottmar Hitzfeld als Kandidaten ins Gespräch sowie Oliver Kahn als neuen Manager.

Konkret ist daran jedoch nichts, denn die Suche würde wohl erst nach einer endgültigen Entscheidung Löws beginnen.

Gut möglich, dass er die Verantwortlichen so lange zappeln lässt wie Vorgänger Jürgen Klinsmann 2006.

Zum Forum - jetzt mitdiskutieren! Zurück zur Startseite

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel