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Rene Adler absolvierte seit seinem Debüt 2008 bislang acht Spiele im DFB-Trikot © getty

Der Leverkusener erhält den Vorzug vor Manuel Neuer und Tim Wiese. Andere Torhüter dürfen sich keine Hoffnungen auf die WM machen.

Vom DFB-Team berichtet Martin Volkmar

München - Es galt als offenes Geheimnis, nun ist es auch offiziell: Rene Adler ist die Nummer 1 der deutschen Nationalmannschaft.

Der Leverkusener wird im Testspiel gegen Argentinien am Mittwoch (ab 20.15 Uhr LIVE) im Tor stehen und somit im Normalfall auch bei der Weltmeisterschaft.

Neben einer Verletzung könnte das nur noch ein tiefes Formloch des Leverkuseners bis zur Endrunde im Juni in Südafrika verhindern.

"Rene hat es in seinen Händen"

"Wir haben vollstes Vertrauen in alle drei Torhüter, aber vor allem in Rene. Das hat er in der Vergangenheit ja auch gerechtfertigt", erklärte Bundestorwarttrainer Andreas Köpke am Montag.

"Im Moment ist er die Nummer 1. Von daher hat es Rene in seinen Händen, ob er bei der WM im Tor steht."

Wenige Stunden zuvor hatten er und Bundestrainer Joachim Löw zunächst dem Rivalen Manuel Neuer und danach Adler ihre Entscheidung im Trainerbüro des Teamhotels "The Charles" mitgeteilt.66576(DIASHOW: Die DFB-Keeper)

"Rene hat die Nase vorn, auch aufgrund seiner hervorragenden Leistungen in den beiden entscheidenden Qualifikationsspielen gegen Russland", sagte Köpke.

Kahn: "Logische und richtige Entscheidung"

Volle Unterstützung erhielten die Verantwortlichen von Ex-Weltstar Oliver Kahn. "Das war die logische und richtige Entscheidung. Zum einen zählen die Leistungen im Verein, und die waren gut", meinte der frühere DFB-Kapitän.

"Zum anderen zählen die Leistungen in der Nationalmannschaft, und die waren sehr gut. Und gerade nach den tollen Leistungen gegen Russland konnte keine andere Entscheidung fallen."

Spätestens nach dem 1:0 im Oktober in Moskau, wo Adler eine Weltklasse-Leistung gezeigt hatte, war die Entscheidung daher erwartet worden.

Den endgültigen Beschluss fasste die sportliche Leitung dann am Sonntagabend.

Köpke: "Nicht die ganz große Überraschung"

"Ich gebe Ihnen Recht, dass das nicht mehr die ganz große Überraschung ist", gab Köpke auf Nachfrage von Sport1.de zu.

"Aber wir wollten erstmal mit den Spielern sprechen, ehe wir in die Öffentlichkeit gehen. Auch wenn diese Gespräche nicht immer angenehm sind."

Allerdings wurde der dritte Keeper Tim Wiese, der wegen einer Verletzung abgesagt hatte, nicht informiert.

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Neuer hingegen reagierte erwartungsgemäß wenig begeistert, "aber er hat Verständnis gezeigt", wie Köpke betonte.

"Ich denke jedoch, dass er Renes Leistung anerkennt."

Keine Euphorie bei Adler

Wenig euphorisch zeigte sich allerdings auch der Auserwählte.

"Natürlich habe ich auf diese Entscheidung gehofft und freue mich darüber", meinte der 25-Jährige am Mittag.

"Aber ich weiß davon jetzt seit ungefähr eineinhalb Stunden, deshalb ist seitdem in meinem Gefühlsleben nicht allzu viel passiert."

WM noch weit weg

Die WM-Endrunde in 102 Tagen ist für Adler, der in der Vergangenheit häufiger Verletzungsprobleme hatte, offenbar noch zu weit weg.

"Ich schaue im Moment noch nicht auf das Turnier im Sommer, denn Fußball ist sehr schnelllebig", sagte er.

"Ich werde einfach versuchen, im Verein meine Leistung abzurufen und gegen Argentinien ein gutes Spiel zu zeigen. Ab Mai werde ich mich dann auf die WM konzentrieren."

Dass er deshalb nun zusätzlich unter Druck steht, glaubt der Bayer-Torwart nicht. "Es wird sich nicht viel ändern. Ich will einfach so weitermachen wie bisher."

Auch die Tatsache, dass er bei der WM in einer Reihe mit einstigen Superstars wie Toni Turek, Sepp Maier, Oliver Kahn und Toni Schumacher stehen würde, nimmt der gebürtige Leipziger gelassen: "Es ist für mich keine Bürde, dass ich so große Vorgänger habe", sagte er.

"Es ist in erster Linie eine Herausforderung für mich, für ein Land zu spielen, in dem es seit Generationen herausragende Torhüter gibt. Ich arbeite auch daran, dass ich ein großer Name werde."

Kein erneuter "Torwart-Krieg"

Einen "Torwart-Krieg" wie vor der WM 2006 zwischen seinem Vorgänger Jens Lehmann und Kahn oder 1986 zwischen Schumacher und Uli Stein erwartet Adler ebenfalls nicht.

"Zwischen uns gibt es absolut keine Probleme. Wir kennen uns schon länger und haben auch ein sehr kollegiales Verhältnis. Über allem steht bei uns der mannschaftliche Erfolg, das zeichnet das Team auch aus."

Ohnehin ist das Trainerteam überzeugt, dass auch ein Ausfall Adlers relativ problemlos kompensiert werden könnte. "Wir haben das Thema immer relativ entspannt gesehen, weil wir im Tor sehr, sehr gut aufgestellt sind", meinte Köpke.

"Auch Manuel Neuer oder Tim Wiese könnte man ohne Weiteres einsetzen, aber es kann eben nur einer spielen."

Andere Torhüter ohne WM-Chance

Daher haben andere Torhüter wie der von Bayern-Seite zuletzt ins Spiel gebrachte Jörg Butt im Normalfall keine Chance mehr auf die WM, betonte Köpke:

"Wir haben uns auf diese drei festgelegt, die alle eine sehr gute Saison spielen. Daher gibt es im Moment keine Überlegung, andere Keeper ins Gespräch zu bringen."

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