vergrößernverkleinern
Per Mertesacker steht gegen Argentinien vor seinem 60. Länderspiel © imago

Im Sport1.de-Interview spricht Per Mertesacker über Argentiniens Super-Offensive, die DFB-Debütanten und Joachim Löw.

Vom DFB-Team berichtet Martin van de Flierdt

München - Auf Per Mertesacker wartet eine Herausforderung der größeren Art.

Im ersten Länderspiel des WM-Jahres in München gegen Argentinien (ab 20.15 Uhr LIVE) muss sich der Abwehrchef zum einen wieder einmal auf einen neuen Nebenmann einstellen.

Denn Heiko Westermann, zuletzt sein Partner in der Innenverteidigung, ist nach seiner Knieverletzung noch nicht fit und wird von Serdar Tasci ersetzt.

Zum anderen steht dem Bremer eine Offensive mit Barcelonas Superstar Lionel Messi und Gonzalo Higuain von Real Madrid gegenüber.

Sergio Agüero (Atletico Madrid), Carlos Tevez (Manchester City) und Diego Milito (Inter Mailand) warten zudem auf ihre Einwechslung.

"Das ist für uns ein guter Prüfstein", sagt Mertesacker.

Im Sport1.de-Interview spricht der 25-Jährige über die deutschen WM-Chancen, die möglichen Debütanten Toni Kroos und Thomas Müller, seinen Ex-Partner Christoph Metzelder und das Hin und Her um die Vertragsverlängerung von Joachim Löw.

Und er widerspricht Michael Ballack.

Sport1.de: Herr Mertesacker, das erste Länderspiel 2010 steht an. Wie sehr steckt die WM schon in Ihrem Kopf?

Per Mertesacker: Man kann sie noch nicht so greifen. Sie ist vom Gefühl her sehr weit weg. Da kommt eine nicht zuletzt wegen der Entfernungen ganz neue Geschichte auf uns zu.

Sport1.de: Michael Ballack hat gesagt, die Nationalmannschaft sei nicht weiter als 2006. Wie sehen Sie das?

Mertesacker: Anders. Meine Generation - mit Philipp Lahm, Lukas Podolski, Bastian Schweinsteiger - ist 2006 sehr jung ins Team gerückt und hat seither viele Länderspiele gemacht. Wir sind heute weiter. Aufgrund unserer Cleverness und Routine geben wir der Mannschaft eine gewisse Stabilität und übernehmen Verantwortung.

Sport1.de: Ist die DFB-Auswahl denn schon stark genug, Weltmeister zu werden?

Mertesacker: Bei der WM 2006 waren wir richtig gut und prinzipiell auch konkurrenzfähig genug, um bis ins Finale vorzustoßen. Bei der EM haben wir uns durchgekämpft, aber immer wieder individuelle Stärke bewiesen. Insofern ist mit Deutschland immer zu rechnen.

Sport1.de: Damals gab es im Viertelfinale auch den legendären Sieg über die Argentinier im Elfmeterschießen mit anschließender Massenkeilerei. Sie selber wurden von Leandro Cufre in den Unterleib getreten.

Mertesacker: Ach, das habe ich schon verdrängt. Das ist kein Thema mehr.

Sport1.de: Und welche Bedeutung hat das Spiel gegen Argentinien für das WM-Jahr?

Mertesacker: Es geht darum, uns gut zu präsentieren. Denn wir hatten ja auch schon andere Erfahrungen vor einer WM. Nämlich die, dass man mit so einem Spiel viele Fragen offen lässt (das 1:4 in Italien 2006, Anm.d.Red.). Das wollen wir natürlich nicht. Wir wollen zusehen, dass wir mit einer gewissen Sicherheit in die Vorbereitung gehen.

Sport1.de: Weil Heiko Westermann fehlt, muss in der Innenverteidigung ein neuer Partner für Sie her. Sehen Sie darin ein Problem?

Mertesacker: Nein. Bei der Innenverteidigung geht es um eine Frage, über die man natürlich gerne diskutiert. Aber wir haben auch mit Wechseln grundsätzlich gute Erfahrungen gemacht. In den entscheidenden Spielen der WM-Qualifikation haben wir konstant gespielt und uns auch deshalb qualifiziert. Wir haben ein klares Muster, nach dem der Trainer seine Leute auswählt bzw. was wir genau spielen sollen. Da kann sich jeder einfügen.

Sport1.de: Spielen Sie denn mit einem der Kandidaten Serdar Tasci, Arne Friedrich oder Jerome Boateng besonders gerne?

Mertesacker: Darum geht es nicht. Wir sind hier nicht bei "Wünsch dir was". Ich habe keine Probleme damit, unterschiedliche Partner zu haben. Allerhöchstens, wenn die Vorbereitungszeit sehr kurz ist. Man bekommt ja nichts völlig Neues mit auf den Weg, die Dinge hier sind seit mehreren Jahren gleich. Die Struktur stimmt. Wenn die Aufgaben klar verteilt sind, geht das auch gut über die Bühne.

Sport1.de: Sehen Sie noch eine kleine WM-Chance für ihren langjährigen Partner Christoph Metzelder?

Mertesacker: Ich hoffe, dass er bei Real wieder zum Spielen kommt. Das ist das wonach er sich sehnt und was wir ihm erst mal alle wünschen.

Sport1.de: Das zentrale Mittelfeld wird aufgrund der Verletzung von Simon Rolfes und der Formschwäche von Thomas Hitzlsperger neu besetzt. Was ändert sich für Sie, wenn dort nun Bastian Schweinsteiger oder Sami Khedira spielt?

Mertesacker: Grundsätzlich nichts. Denn wir haben ja einen Plan, den wir umsetzen möchten. An das letzte Spiel, bei dem Basti und Michael Ballack gemeinsam auf der Sechs gespielt haben, erinnern wir uns sehr gerne zurück. Das war in Wales (2:0 für Deutschland, Anm.d.Red.). Aber es ist schon eine neue Konstellation, wenn Basti jetzt auf die Sechs rückt.

Sport1.de: Spielt Schweinsteiger zentral, bewerben sich die Neulinge Toni Kroos und Thomas Müller sowie Marko Marin und Piotr Trochowski um die vakante Position rechts offensiv. Wie sehen Sie dort den Status quo?

Mertesacker: Es ist ja so, dass vor allem die beiden Neuen in der Bundesliga sehr oft treffen. Das beschreibt das gewisse Luxusproblem. Die Schnelligkeit und Torgefährlichkeit dieser Spieler ist der Extra-Bonus, den wir brauchen, um uns in den nächsten Jahren international oben festzusetzen. Wer jetzt auf der offensiven Mittelfeldposition spielt, ist im Grunde egal. Wichtig ist nur, dass die Qualität und Effizienz da sind.

Sport1.de: In der mangelnden Erfahrung von Kroos und Müller sehen Sie kein Problem?

Mertesacker: Nein, überhaupt nicht. Man hat bei vielen Spielern gesehen, dass sie einen Leistungssprung machen, nachdem sie in der Nationalmannschaft gut aufgenommen wurden. Man muss aber aufpassen, dass es nicht gleich zu viel wird. Denn es gibt auch genügend Beispiele von Spielern, die dann ihre Unbekümmertheit verloren haben. Man muss ruhig und besonnen mit dieser Dynamik und Unerfahrenheit umgehen, um damit für Furore sorgen zu können.

Sport1.de: Die argentinische Offensive verfügt mit Lionel Messi, Gonzalo Higuain, Sergio Agüero, Carlos Tevez und Diego Milito über Hochkaräter en masse. Wird das für die umbesetzte deutsche Defensive der Härtetest?

Mertesacker: Das ist für uns ein guter Prüfstein. Wir dürfen nicht ängstlich in das Spiel gehen. Wir müssen Respekt haben und wissen, wo die Stärken des Gegners liegen. Man muss gar nicht groß darüber reden, sondern sich nur darauf einstellen, defensiv gut zu arbeiten. Wir müssen unsere eigene Stärke präsentieren und dürfen uns nicht verrückt machen lassen.

Sport1.de: Was halten Sie vom Trainer Diego Maradona?

Mertesacker: Er hat sicher in der Weltspitze gespielt. Und diese Erfahrung befähigt ihn eine große Mannschaft zu trainieren. Tiefere Einblicke habe ich bis jetzt nicht bekommen.

Sport1.de: Und wie ist Ihre Meinung zu Joachim Löw nach dem Hin und Her um seine Vertragsverlängerung?

Mertesacker: Ich weiß um die Akribie seiner Arbeit. Ich wäre froh, wenn es mit ihm weitergeht, weil er sehr viel Gutes für den deutschen Fußball geleistet hat.

Zum Forum - jetzt mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel