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Oliver Bierhoff wurde 1996 mit dem DFB-Team Europameister © getty

Der DFB-Teammanager widerlegt die Kritik an zu vielen Nebeneinkünfte und kontert auch die Differenzen mit Ballack.

Düsseldorf - Oliver Bierhoff hat sich vor dem öffentlichen Training des Vize-Europameisters in Düsseldorf ein dickes Fell zugelegt.

"Man kann es nie allen recht machen. Wenn ich sehe, mit welchen Anfeindungen derzeit Dietmar Hopp leben muss, der auch Kritiker innerhalb der Liga hat, kann ich mich ja noch glücklich schätzen", sagte der Manager der deutschen Nationalmannschaft in Anspielung auf Hoffenheims Mäzen.

Dass er sich regelmäßig gegen Angriffe aus der Bundesliga zur Wehr setzen muss, wurmt den 40-Jährigen allerdings schon.

Kritik an Nebeneinkünften

"Manche Kritik an meiner Person ist einfach überzogen. Viele Dinge, die in der Öffentlichkeit behauptet werden, basieren schlichtweg auf Falschinformationen", sagte der Europameister von 1996.

Zuletzt wurde Bierhoffder zuletzt von Heribert Bruchhagen an den Pranger gestellt.

"Oliver ist steinreich und verdient wie wir alle exzellent", hatte der Vorstandsboss von Eintracht Frankfurt gesagt. Deshalb verstehe er nicht, warum Bierhoff "als DFB-Manager immer noch Nebengeschäfte" mache.

Neutralität nicht gewahrt

Damit zielte Bruchhagen auch auf Bierhoffs Agentur "Projekt b", die bis vor kurzem noch den neuen DFB-Koch Holger Stromberg vermarktete und zudem Borussia Dortmunds Trainer Jürgen Klopp und Radprofi Linus Gerdemann betreut.

Bierhoff mache sich durch seine Aktivitäten angreifbar, meinte Bruchhagen, der zugleich Vorstandsmitglied der Deutschen Fußball Liga (DFL) ist.

"Ein Angestellter der DFL und des DFB muss bei seinen Entscheidungen Neutralität bewahren, die im Falle Bierhoff "nicht sichergestellt", meinte Bruchhagen weiter.

Nur Gesellschafter

"Ich habe weder etwas mit dem Wechsel von Jürgen Klopp zu Dortmund zu tun, noch habe ich mich jemals um die Geschäfte von Linus Gerdemann gekümmert", versicherte Bierhoff.

Er betonte weiter, dass er nur als Gesellschafter der Agentur fungiere und mit dem operativen Geschäft, das von seinem Freund Mark Kosicke betrieben wird, nichts zu tun habe.

"Ich habe diese Firma 2007 gegründet, damit sie mich auch in meiner Funktion als Nationalmannschafts-Manager unterstützt. Dafür habe ich Geld in die Hand genommen", erklärte der Diplom-Kaufmann.

Interessenkonflikt wegen DFB-Koch

Zudem verweist Bierhoff darauf, dass er bis zur WM 2006 seine persönliche Assistentin, die selbstverständlich auch viel Arbeit für den DFB leiste, aus der eigenen Tasche bezahlt habe.

Inzwischen zahle der DFB einen Anteil an den Personalkosten. Wenn überhaupt könne man ihm böswillig vorwerfen, dass es bei der Person Stromberg zunächst eine Vermengung der Interessenslage gegeben habe, sagte Bierhoff.

Inzwischen wurden daraus die Konsequenzen gezogen, die Zusammenarbeit der Agentur mit dem Koch beendet.

Werbeverträge gekündigt

Energisch weist der Nationalmannschaftsmanager zudem die Kritik an seinen aktuellen Werbeverträgen strikt zurück.

"Es war immer so, dass mit den Gesichtern des DFB geworden wurde. Für unseren Generalsponsor Mercedes werbe ich in meiner Funktion als DFB-Angestellter, ich habe keinen Privatvertrag, wie oft behauptet wird", berichtete Bierhoff: "Und die Postbank war ebenfalls viele Jahre Partner des DFB."

Dass er er nach seiner Festanstellung beim DFB im Sommer 2004 viele lukrative Werbeverträge (u.a Toshiba, Nike, Sat.1, L'Oreal) aufgekündigt habe, werde bei den Diskussionen um seine Person zudem bewusst übersehen.

Keine Differenzen mit Ballack

Auch seine Differenzen mit DFB-Kapitän Michael Ballack wären in der Öffentlichkeit viel zu hoch gekocht worden. "Für mich ist das Ganze abgehakt. Wichtig ist, dass wir uns nun hundertprozentig auf das WM-Qualifikationsspiel gegen Russland am Samstag konzentrieren", meinte der frühere DFB-Spielführer.

Er hatte sich im vergangenen Monat mit Ballack ausgesprochen.

Zweimal "Tag der offenen Tür"

Dass er den Ruf eines Eventmanagers habe, für den die sportlichen Belange in den Hintergrund rücken, liege in der Natur der Sache. "Wenn man ein Fanfest wie jetzt in Düsseldorf organisiert, sagen die einen, das ist eine tolle Sache. Die Kritiker sprechen wieder etwas abfällig von einem Event", verdeutlichte Bierhoff.

Der 40-Jährige möchte ebenso wie Bundestrainer Joachim Löw künftig zweimal im Jahr einen "Tag der offenen Tür" für die Fans der Nationalmannschaft veranstalten: "Das haben unsere tollen Anhänger verdient."

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