vergrößernverkleinern
Bundestrainer Joachim Löw (4.v.r.) übernahm im Juli 2006 den Posten von Jürgen Klinsmann © getty

Gegen Argentinien ist Löw zu einem Spagat genötigt, der die Geister einer unangenehmen Vergangenheit wachrufen kann.

Vom DFB-Team berichtet Martin van de Flierdt

München - Joachim Löw setzt vor dem ersten Länderspiel des WM-Jahres 2010 gegen Argentinien (ab 20.15 Uhr LIVE) zum Spagat an.

"Auf der einen Seite muss sich die Mannschaft für die WM einspielen", sagt der Bundestrainer vor der Begegnung mit dem zweimaligen Weltmeister.

"Auf der anderen Seite will ich die Chance nutzen, um noch einmal einige Dinge auszuprobieren."

Da die Partie in München dazu die letzte Möglichkeit vor der Benennung des WM-Kaders darstellt, ist Löw zu dieser Gratwanderung beinahe genötigt. Geht sie schief, werden die "Geister von Florenz" wieder wach.

Herbe Kritik an Klinsmann

Vor vier Jahren kassierte die deutsche Elf zum Auftakt des WM-Jahres in Italien eine herbe 1:4-Niederlage, in deren Anschluss die Tauglichkeit von Löws damaligem Chef Jürgen Klinsmann arg in Frage gestellt wurde.

Eine Pleite gegen Argentinien nun würde unweigerlich zu Debatten führen, wie stark die Position Löws auch angesichts der geplatzten Vertragsverlängerung noch ist.

"Solche Diskussionen wollen wir uns vor diesem großen Turnier ersparen", meint deshalb Philipp Lahm. "Wir wollen ein gutes Spiel machen, damit Ruhe herrscht."

Löw will Vorfreude schüren

Im Sport1.de-Interview verdeutlicht auch Per Mertesacker, dass es darum gehe, keine Fragen offen zu lassen.

"Für die Stimmung und die Vorfreude auf das Turnier ist es wichtig, dass wir ein gutes Resultat erzielen und vor allem ein gutes Spiel machen", weiß auch Löw.

Ein ähnliches Fiasko wie 2006 in Italien hält er aber für fast ausgeschlossen: "Wir haben nicht mehr die Naivität wie damals."

Sport1.de hat die Fakten zum Spiel:

Die Bilanz

In bislang 17 Vergleichen gewann die deutsche Mannschaft fünf Mal, fünf Begegnungen endeten remis. Sieben Mal behielt Argentinien die Oberhand. Fünfmal standen sich die beiden Teams bei Weltmeisterschaften gegenüber, zweimal im Finale.

1986 siegten die Südamerikaner in Mexico City mit 3:2. Vier Jahre später triumphierte die DFB-Auswahl dank des Elfmetertreffers von Andreas Brehme in Rom mit 1:0.

Im bisher letzten Aufeinandertreffen setzte Deutschland im Viertelfinale der WM 2006 in Berlin mit 4:2 im Elfmeterschießen durch. Nach Verlängerung hatte es 1:1 (Tor: Miroslav Klose) gestanden.

Vom Elfmeterpunkt waren dann Oliver Neuville, Michael Ballack, Lukas Podolski und Tim Borowski erfolgreich. Jens Lehmann parierte die Schüsse von Roberto Ayala und Esteban Cambiasso.

Die Spieler im Blickpunkt:

Thomas Müller und Toni Kroos stehen vor ihrer Länderspielpremiere. "Sie haben zuletzt hervorragend gespielt. Sie haben es verdient, dabei zu sein", sagt Kapitän Michael Ballack.

Müller und Kroos werden voraussichtlich je eine Halbzeit im rechten offensiven Mittelfeld zum Zug kommen, das Bastian Schweinsteiger mit seinem Wechsel ins Zentrum den Flügel räumt.

"Die Argentinier sind vor allem durch die Mitte brandgefährlich", sagt Löw. "Bastian spielt auf dieser Position hervorragend. Ich kann ihn mir ihm Wechselspiel mit Michael gut vorstellen."

Das sagen die Trainer:

Joachim Löw (Deutschland): "Wir dürfen nur ganz wenige Fehler machen und müssen höllisch aufpassen, um nicht ins offene Messer zu laufen. Die Argentinier haben viel Spieler von hoher individueller Klasse auf dem Platz. Bei eigenem Ballbesitz müssen wir schnell nach vorne spielen, um ihrem Pressing nicht zum Opfer zu fallen."

Diego Maradona (Argentinien): "Deutschland ist eine große Mannschaft in der Geschichte des Fußballs, vor der wir Respekt haben. Die Spieler kämpfen bis zur letzten Minute. Die Deutschen wollen gewinnen, wir wollen gewinnen: Ich habe keine Zweifel daran, dass das Spiel ein großes Spektakel wird."

Die Aufstellungen:

Deutschland: Adler - Boateng, Mertesacker, Tasci, Lahm - Schweinsteiger, Ballack - Müller (Kroos), Özil, Podolski - Gomez (Klose)

Argentinien: Romero - Clemente Rodriguez, Demichelis, Samuel, Heinze - Gutierrez, Mascherano, Veron, di Maria - Messi, Higuain

Schiedsrichter: Atkinson (England)

Zum Forum - jetzt mitdiskutieren! Zurück zur Startseite

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel