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Michael Ballack (r.) bestritt gegen Argentinien sein 98. Länderspiel für Deutschland © imago

DFB-Kapitän Michael Ballack nennt im Interview die Gründe für die Niederlage gegen Argentinien, sieht aber auch Positives.

Vom DFB-Team berichtet Christian Stüwe

München - Das linke Auge als Andenken an die Champions-League-Partie gegen Inter Mailand immer noch blau unterlaufen. In der rechten Hand eine blaue Plastiktüte mit dem Vereinswappen seines Klubs FC Chelsea.

So stellte sich Michael Ballack nach der 0:1-Niederlage gegen Argentinien den Fragen der wartenden Journalisten.

Obwohl der Kapitän eines seiner schwächeren Länderspiele ablieferte und das DFB-Team 99 Tage vor Beginn der WM in Südafrika gegen die "Gauchos" nicht überzeugen konnte, gab sich 33-jährige Mittelfeldspieler entspannt 209341(die Einzelkritik).

Es sei ja auch noch Zeit bis zum Turnier in Südafrika, erklärte Ballack, der aus dem Test gegen Argentinien wichtige Erkenntnisse mitnehmen will.

Im Interview spricht er über die taktische Ausrichtung der DFB-Elf, das Zusammenspiel im defensiven Mittelfeld mit Bastian Schweinsteiger und verrät, was der deutschen Mannschaft im Vergleich mit Argentinien noch fehlt.

Frage: Herr Ballack, einige Ihrer Mitspieler haben sich recht positiv zu dem Spiel gegen Argentinien geäußert, etwa, dass die Mannschaft defensiv gut gestanden hätte. Sehen Sie es ähnlich oder doch kritischer?

Michael Ballack: Unter dem Strich steht eine Niederlage. Und das ist, was zählt. Im Turnier wären wir damit ausgeschieden. Es war ein Heimspiel und wir hätten uns sicherlich auch ein besseres Spiel gewünscht. Aber ich denke, es war ein typisches Spiel gegen Argentinien. Es war von der Taktik geprägt, wir wollten nicht ins offene Messer laufen. Die Argentinier sollten ihre Offensivstärke nicht ausspielen. Darunter hat natürlich unsere Offensive ein bisschen gelitten. Wir haben uns vielleicht zu sehr auf die Defensive konzentriert. Gegen so einen starken Gegner gar nichts zu zulassen, ist schwer möglich. Wir haben einen Fehler gemacht beim Gegentor, ansonsten war das defensiv ganz gut. Aber mit zunehmender Spieldauer hätten wir vielleicht doch ein bisschen mehr riskieren können, um das Unentschieden zu erzwingen. Das war das Manko, das man kritisieren kann.

Frage: Wie fällt Ihr Fazit im Hinblick auf die WM aus?

Ballack: Es war gut, dass wir auf diesem Niveau gesehen haben, wie sich Spiele entwickeln können und wie sie entschieden werden. Wir haben keine richtige Antwort auf das 0:1 gefunden. Wir haben keine richtigen Mittel gefunden, um das Spiel noch einmal zu drehen. Es kann immer passieren, dass man auch gegen eine gute Mannschaft in Rückstand gerät. Da müssen wir ansetzen.

Frage: Die Mannschaft hat mit nur einer Spitze gespielt. Hat ein wenig die Präsenz im Sturm gefehlt?

Ballack: Es ist gut, wenn man gegen einen starken Gegner kompakt im Mittelfeld aufgestellt ist. Damit man defensiv nichts zulässt. Miroslav Klose hat das als einzige Spitze auch ordentlich gemacht in der ersten Halbzeit. Er hat gut für die Mannschaft gearbeitet und die Bälle behauptet. Wir hatten auch ein bisschen Pech, bei zwei, drei guten Kontergelegenheiten, wo wir nicht die richtige Lösung gefunden haben. Das hätten wir vielleicht besser ausspielen können.

Frage: Wie war ihr Zusammenspiel mit Bastian Schweinsteiger im zentralen Mittelfeld?

Ballack: Das war ordentlich. Wir waren beide darauf aus, nach hinten wenig anbrennen zu lassen. Argentinien hatte natürlich auch Spieler auf dem Platz, die das geschickt machen. Die versuchen, hinter uns und zwischen uns zu kommen. Mal sehen, was die nächsten Spiele bringen.

Frage: Könnten Sie sich auch vorstellen mit zwei Sechsern und Ihnen in der offensiveren Position zu spielen?

Ballack: Ich habe schon alles gespielt. Von der Halbposition, zur defensiveren hin zu offensiveren Position. Ich denke, da hat der Trainer viele Möglichkeiten. Wir haben mit Mesut Özil einen sehr guten Spieler, der uns viele Möglichkeiten gibt. Der Trainer muss entscheiden, wie wir spielen. Das ist manchmal auch formabhängig. Wir müssen sehen, dass wir immer die schlagkräftigste Truppe gegen den jeweiligen Gegner finden. Gegen Argentinien war das von der Grundformation schon in Ordnung.

Frage: Die deutschen Freundschaftsspiele waren zuletzt oft nicht überzeugend. Wie wichtig sind solche Tests?

Ballack: So ein Test ist wichtig, weil man danach weiß, wo man steht. Für mich ist das Spiel gegen Argentinien auch nicht vergleichbar mit dem Spiel damals vor der WM 2006 gegen Italien, wo wir teilweise vorgeführt worden sind. Aber wir haben gesehen, dass im Spitzenbereich Einzelaktionen ein Spiel entscheiden können. Und da sind die Argentinier uns noch einen Tick voraus.

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