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Seit Oktober 2004 ist Theo Zwanziger (r., mit Franz Beckenbauer) DFB-Präsident © getty

Bei einer Niederlage im Amerell-Prozess kündigt der DFB-Präsident Konsequenzen an. Der "Kaiser" gilt in diesem Fall als Kandidat.

Von Martin Volkmar

München - Unmittelbar vor dem Prozess zwischen DFB und Manfred Amerell hat DFB-Präsident Theo Zwanziger für Aufsehen gesorgt.

Der Verbandsboss kündigte seinen Rückzug an, wenn der Rechtsstreit mit dem Ex-Schiedsrichtersprecher verloren werden sollte.

"Wenn wir diesen Prozess verlieren, muss ich selbstverständlich sofort von meinem Amt als DFB-Präsident zurücktreten", sagte Zwanziger dem "kicker".

"Dieser Fall träte ein, wenn die Aussagen aller jungen Schiedsrichter, die wir zu schützen haben, und ihre eidesstattlichen Erklärungen falsch wären. Denn dann wäre Herr Amerell das Opfer."

Amerell will einstweilige Verfügung

Dazu werde es nach seiner Ansicht aber nicht kommen. Amerells Anwalt Jürgen Langer will vor dem Landgericht München I eine einstweilige Verfügung gegen den DFB erwirken.

Der Verband soll demnach nicht mehr öffentlich behaupten, Amerell habe andere Unparteiische "sexuell bedrängt und belästigt".

Sollte Zwanziger tatsächlich zurücktreten, ist angeblich DFB-Präsidiumsmitglied Franz Beckenbauer Favorit auf die Nachfolge als DFB-Präsident.

"Dafür bin ich zehn Jahre zu jung"

Der Ex-Teamchef reagierte ausweichend auf die Gerüchte. "Dafür bin ich zehn Jahre zu jung", erklärte der "Kaiser", der allerdings gerade mal drei Monate jünger als Zwanziger ist.

Der wies die Spekulationen über Beckenbauer, die offenbar von mehreren Seiten genährt werden, im "kicker" zurück.

Gleichwohl denkt Zwanziger offenbar darüber nach, auf einem außerordentlichen Bundestag Ende April die Vertrauensfrage zu stellen.

Der Jurist, der seit Herbst 2004 an der DFB-Spitze steht, ist nicht nur aufgrund des "Falls Amerell" in die Kritik geraten.

Zuletzt hatte sein Vorgänger Gerhard Mayer-Vorfelder das Krisenmanagement des Verbandes hart attackiert.

Auch geplatzte Löw-Verlängerung sorgt für Unmut

Darüber hinaus werden Zwanziger und DFB-Generalsekretär Wolfgang Niersbach auch die geplatzte Vertragsverlängerung mit Bundestrainer Joachim Löw und die an die Öffentlichkeit gelangten Interna aus den Verhandlungen zum Vorwurf gemacht.

Niersbach wiederum, der schon jetzt als starker Mann in der Verbandszentrale gilt, könnte sich vermutlich auch mit einem DFB-Präsidenten Franz Beckenbauer anfreunden.

Beide kennen sich seit Jahrzehnten und feierten 1990 als Teamchef (Beckenbauer) und Pressesprecher (Niersbach) zusammen die letzte Weltmeisterschaft.

Ein gutes Jahrzehnt später organisierten beide zusammen im Präsidium des Organisationskomitees erfolgreich die Bewerbungskampagne und schließlich die Austragung der "Sommermärchen-WM" 2006.

Entscheidung Ende nächster Woche

Die Entscheidung über die Einberufung eines außerordentlichen Bundestags soll Ende nächster Woche auf einer DFB-Präsidiumssitzung fallen.

Dort will Beckenbauer auch erneut seine Forderung bekräftigen, dass der Verband noch einmal eine Vertragsverlängerung mit Löw noch vor der WM in Angriff nehmen soll.

Während Zwanziger und Niersbach dazu durchaus bereit sind, hatte der Bundestrainer neue Verhandlungen allerdings vor dem 0:1 gegen Argentinien erneut kategorisch ausgeschlossen.

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