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Lukas Podolski erzielte in 70 Länderspielen 37 Tore © getty

Der Stürmer rastet aus und liefert sich einen heftigen Streit mit einem Reporter. Offenbar belastet ihn die Ladehemmung sehr.

Vom DFB-Team berichtet Christian Stüwe

München - Bei Lukas Podolski liegen die Nerven blank.

Einen handfesten Beweis für seine angespannte Gemütslage lieferte der Kölner Stürmer im Anschluss an die 0:1-Niederlage mit der deutschen Nationalmannschaft in den Katakomben der Münchner Allianz Arena.

Im Gespräch mit einem TV-Reporter fühlte sich Podolski von dessen Sprüchen provoziert und verlor völlig die Fassung.

Mehrfach forderte der Kölner den Reporter lautstark auf, "mit vor die Tür zu kommen", um die Angelegenheit zu klären.

"Hier vor den ganzen Journalisten machst du den starken Mann", schimpfte Podolski weiter: "aber mit raus kommst du nicht."

Podolski beugte sich über das Absperrband, das Spieler und Journalisten trennt, und griff dem Reporter in Richtung Gesicht und schlug ihm mit der flachen Hand auf den Unterarm.

"Man sieht sich immer zweimal"

"Man sieht sich immer zweimal im Leben", rief Podolski dem Reporter noch zu. Und allzu lange dauerte es nicht mit dem Wiedersehen.

Der 24-Jährige ließ es sich nicht nehmen, noch einmal aus dem Mannschaftsbus zurückzukehren. "Komm her, komm her", rief er in Richtung des Reporters.

Erst das Einschreiten einiger DFB-Mitarbeiter und der Security beendete den Zwischenfall und verhinderte wohl einen schlimmeren Eklat.

Ladehemmung belastet die Nerven

Am Donnerstag zeigte "Poldi" dann Reue. "Ich fühlte mich von ihm in der Mixed-Zone durch einige Anmerkungen zum Spiel provoziert", erklärte er auf der DFB-Homepage.

"Darüber habe ich mich geärgert und ihm deshalb deutlich meine Meinung gesagt. Ich habe ihn aber nicht geschlagen. Wenn ich mich im Ton vergriffen habe, entschuldige ich mich dafür."

Der betroffene DSF-Reporter bestätigte, dass "Lukas nicht handgreiflich geworden ist". Zudem verwies er am Donnerstag auf einen nächtlichen Anruf: "Poldi hat sich entschuldigt. Damit ist die Sache erledigt."

Löw verärgert: "Nicht zu rechtfertigen"

Gleichwohl reagierte Bundestrainer Joachim Löw verärgert auf den Vorfall, nachdem er gemeinsam mit DFB-Präsident Theo Zwanziger und Teammanager Oliver Bierhoff ein längeres Gespräch mit dem "Übeltäter" geführt hatte.

"Natürlich war bei Poldi die Enttäuschung über die Niederlage groß, und dann reagiert man unmittelbar nach dem Spiel oft sehr emotional", sagte er. Man akzeptiere daher die Entschuldigung.

"Trotzdem ist seine unbeherrschte Reaktion nicht zu rechtfertigen. Wir haben ihm aber klar gemacht, dass er da an sich arbeiten und künftig besser unter Kontrolle haben muss."

Enttäuschende Saison

Der Fehlgriff ist bezeichnend für die derzeitige Verfassung Podolskis. Denn die Saison verläuft für ihn bislang mehr als enttäuschend.

Erst ein Tor hat der mit großen Hoffnungen von Bayern München nach Köln zurückgekehrte Publikumsliebling erzielt, seit exakt 1390 Minuten hat er in der Liga Ladehemmung.

In der Nationalmannschaft ist "Poldi" trotz aller Kritik bei Joachim Löw zwar noch gesetzt, doch gegen Argentinien lief das Spiel über weite Strecken an ihm vorbei. 209341(die Einzelkritik)

Zweiter Ausraster im DFB-Trikot

Doch jetzt könnten ihm Konsequenzen drohen, denn es war nicht der erste Ausraster von "Poldi" bei der DFB-Auswahl.

Vor knapp einem Jahr verpasste er Kapitän Michael Ballack nach einem Disput im WM-Qualifikationsspiel gegen Wales eine Ohrfeige.

Damals wurde das auch mit der Enttäuschung des Bankdrückers beim FC Bayern erklärt. Seit seiner Rückkehr in die Heimat spielt Podolski zwar, doch der Frust ist eher noch größer geworden.

Als Podolski drei Spiele mit einem Bandscheibenvorfall fehlte, fuhren seine Mitspieler sieben Punkte ein und kamen ohne ihn dem Klassenerhalt ein gutes Stück näher..

"Vielleicht selber zu viel Druck gemacht"

"Er muss wissen, dass er auch die Laufbereitschaft mitbringen muss, die die Kollegen derzeit an den Tag legen", kritisierte Manager Michael Meier Podolski anschließend.

Doch beim DFB-Pokal-Aus bei Zweitligist Augsburg spielte "Prinz Poldi" wieder eine unglückliche Rolle und wurde kurz nach seiner Einwechslung mit Gelb-Roter Karte vom Platz geschickt.

"Vielleicht habe ich mich selbst zu viel unter Druck gesetzt", sagte Podolski jetzt dem "kicker"

"Klar ist es schwierig, es wurde ja so dargestellt, Poldi kommt zurück und wir spielen 2010 in der Europa League", erklärte er weiter: "Dann macht man sich viele Gedanken, warum es nicht läuft und warum man kein Tor macht."

Wiedersehen mit Bayern steht an

Trotzdem ist die anhaltende Ladehemmung angeblich kein Thema für ihn.

"Ob ich 1500 oder 1600 Minuten ohne Tor bin, ist nur für die Statistik und die Presse interessant. Ich komme da raus", sagte er.

Am Samstag kommt der alte Arbeitgeber Bayern München nun nach Köln, Podolski könnte mit einem Erfolgserlebnis den Befreiungsschlag aus der persönlichen Krise schaffen.

"Ob es gegen die Bayern klappt, oder in drei Wochen, ist völlig egal", spielt er die Situation vor dem Wiedersehen herunter.

Ein Volltreffer auf dem Platz würde aber wohl sehr helfen, die angespannten Nerven zu beruhigen.

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