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Manfred Amerell (l.) mit seinem Anwalt Jürgen Langer im Münchner Justizpalast © imago

Amerell und der DFB einigen sich vor Gericht auf einen Vergleich. Der DFB darf weiter von "sexueller Belästigung" sprechen, Amerell erhält Akteneinsicht.

Von Christian Stüwe

München - Mit großer Spannung war der Prozess vor dem Landgericht München I zwischen Manfred Amerell und dem DFB erwartet worden.

Rund 150 Journalisten, Fotografen und Kameraleute hatten sich in den geschichtsträchtigen Justizpalast eingefunden, um zu verfolgen, wie Amerell und seine Anwälte per einstweiliger Verfügung dem DFB untersagen wollten, im Bezug auf den Ex-Schiedsrichter und die Vorwürfe gegen ihn von "sexueller Belästigung und Übergriffen" zu sprechen.

Für 13 Uhr war die Verhandlung angesetzt, wenige Minuten vorher betrat Amerell mit seinen Anwälten die Eingangshalle des Gebäudes und verschwand in einem Seiteneingang.

Daraufhin passierte lange Zeit nichts mehr.

Amerell und DFB einigen sich auf Vergleich

Schließlich teilte Gerichtssprecherin Anja Hambach mit, dass die beiden Parteien hinter verschlossenen Türen mit Richter Peter Lemmers zusammen säßen, um über eine Einigung zu verhandeln.

Weitere zwei Stunden später traten dann die beiden Parteien und der Richter in das Blitzlichtgewitter, um im Gerichtssaal das Ergebnis der Verhandlungen zu verkünden.

"Nach langen und intensiven Verhandlungen, in der beide Seiten bemüht waren, friedlich miteinander umzugehen", teilte Lemmers mit, hätten sich Amerell und die Vertreter des DFB schließlich auf einen Vergleich einigen können.

Akteneinsicht für Amerells Anwälte

Während der DFB dem Ex-Schiedsrichter und seinen Anwälten Einsicht in die Akten und eidesstattlichen Erklärungen der noch anonymen Schiedsrichter, die Amerell belasten, gewähren muss, darf der DFB weiter von "sexueller Belästigung" sprechen.

"Wir haben Namen und Inhalte erfahren", zeigte sich Amerell gegenüber dem DSF zufrieden: "Ich weiß jetzt, wer was gesagt hat und das war mir wichtig."

Allerdings werden die Namen der Unparteiischen wohl noch nicht ans Licht der Öffentlichkeit kommen, da das Gericht Amerell und seinen Anwälten eine Geldstrafe von 25.000 Euro androhte, sollten Dritte die Namen erfahren.

Während ein Teil der Anwesenden die Einigung als Punktsieg für Amerell wertete, dessen Seite nun die ersehnte Akteneinsicht erhält, werten andere den Ausgang als Erfolg für den DFB, der an seinen ursprünglichen Formulierungen festhalten darf.

Eher dürfte die Einigung aber als Unentschieden gewertet werden. Und die Verlängerung gibt es garantiert.

Zwanziger verschafft sich Luft

DFB-Präsident Theo Zwanziger hatte zuvor seine Zukunft als Präsident mit dem Ausgang der Auseinandersetzung mit Amerell verknüpft.

"Wenn wir diesen Prozess verlieren, muss ich selbstverständlich sofort von meinem Amt zurücktreten. Dieser Fall träte ein, wenn die Aussagen aller jungen Schiedsrichter, die wir zu schützen haben, und ihre eidesstattlichen Erklärungen falsch wären. Denn dann wäre Herr Amerell das Opfer", hatte Zwanziger dem Fachmagazin "kicker" gesagt.

Amerell attackiert Kempter

Doch viele Fragen bleiben offen. So liegt der "Süddeutschen Zeitung" eine Mail des "Kronzeugen" Kempter an Amerell vom 21. Oktober 2008, drei Tage nach dem Erstligaspiel zwischen Werder Bremen und Borussia Dortmund, vor.

Darin soll von "Schatz" und "gemeinsam verbrachter Zeit? die Rede sein. Damit wäre die Glaubwürdigkeit von Kempter beeinträchtigt.

Amerell hatte Kempter bereits im Vorfeld der Einigung erneut scharf angegriffen.

"Kempter hat mich für seine eigenen Motive, für seine Karriere benutzt", sagte Amerell "Sat.1": "Ich unterstelle Kempter, dass er in einer Dreistigkeit lügt, wie ich es in meinem Leben noch nicht gehört habe."

Der Gerichtssaal ist leer

Auf jeden Fall bleibt auch nach der Einigung eine Menge zu klären.

Nach der Verkündung der Ergebnisse wurde zunächst einmal die Öffentlichkeit aus dem Gerichtssaal gebeten, damit Amerell und seine Anwälte Akteneinsicht nehmen konnte.

Die Journalisten warteten geduldig vor der Tür des Gerichtssaals, um ein Statement der Parteien zu erhalten.

Schließlich öffnete ein Reporter die Tür, doch der Saal war leer, die Anwesenden längst durch den Hintereingang verschwunden.

Amerell tritt bei "Kerner" auf

Amerell dürfte sich zu diesem Zeitpunkt bereits auf dem Weg zum Münchner Flughafen befunden haben, von wo aus er weiter nach Hamburg flog.

Denn in der Hansestadt ist Amerell noch am Donnerstagabend in der "Sat.1"-Sendung "Kerner" zu Gast.

Und so dürfte die Schiedsrichteraffäre nur wenige Stunden nach der Einigung in München mit neuen Details in die nächste Runde gehen.

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