vergrößernverkleinern
Michael Ballack verpasste die bisherigen beiden WM-Quali-Spiele © getty

Der Kapitän der deutschen Nationalmannschaft ist erstmals seit der EM wieder dabei. Trotz aller Freude steht der "Capitano" unter Druck.

Von Martin Volkmar

München/Düsseldorf - Was für ein Empfang für Michael Ballack.

Als der DFB-Kapitän am Dienstagnachmittag im Teamquartier in Düsseldorf eintraf, wurde er von einem riesigen Polizeiaufgebot empfangen.

Allerdings nicht, um ihn vor Teammanager Oliver Bierhoff oder verärgerten Mitspielern zu schützen.

Ganz so weit ging der Disput in der Nationalmannschaft dann doch nicht, auch wenn sich Ballack und Bierhoff kurz nach dem verlorenen EM-Finale fast an den Kragen gegangen wären.

Banküberfall nahe des Quartiers

Viel mehr war kurz vor Ballacks verspäteter Ankunft in unmittelbarer Nähe des Düsseldorfer Hilton Hotels eine Filiale des ehemaligen DFB-Sponsors Postbank überfallen worden.

Wenig später herrschte wieder Ruhe ? und so soll es bei der DFB-Auswahl auch bis zum wichtigen WM-Qualifikationsspiel am Samstag (ab 20.15 LIVE ) gegen EM-Halbfinalist Russland bleiben.

Zwist mit Bierhoff abgehakt

"Es gab eine Aussprache zwischen Ballack und Bierhoff, da ich nicht wollte, dass dieses Thema in den Qualifikations-Spielen wieder hoch kocht", sagte Bundestrainer Joachim Löw im Gespräch mit Sport1.de.

"Das Thema ist abgehakt. Es geht jetzt um rein sportliche Dinge", betonte Löw.

"Ich werde meinen Stil nicht ändern"

Dennoch steht Ballack unter Druck, nachdem er durch sein teilweise aggressives Auftreten während der Euro offenbar einige Sympathien im Kreis der Mannschaft verloren hat.

"Die Vorwürfe waren an den Haaren herbeigezogen", sagte der 32-Jährige, der verletzungsbedingt bei den ersten drei Länderspielen der neuen Saison gefehlt hatte.

In seiner Abwesenheit "wurde eine Grundsatzdiskussion über meine Person angefangen. Das hat mich gewundert", so Ballack im "kicker".

"Schließlich waren wir bei der EM erfolgreich, und da fühle ich mich als Kapitän in meiner Art, wie ich die Mannschaft nun schon seit Jahren begleite und führe, bestätigt."

Seine Schlussfolgerung: "Ich werde meinen Stil nicht ändern."

Kein Freifahrtschein bei Löw

Einen Freifahrtschein hat der Routinier aber offenbar nicht mehr bei Löw. "Es ist nicht möglich, dass ein Spieler über allen steht", sagte der Bundestrainer der "Welt". "Die Hierarchie hat sich ein bisschen verändert."

In der Tat haben sich in der Abwesenheit von Ballack und seinem "Assistenten" Torsten Frings, der ebenfalls wieder dabei ist, die Nachrücker in den Vordergrund gespielt.

Konkurrenten melden Ansprüche an

Allen voran Bastian Schweinsteiger und Thomas Hitzlsperger haben verbal und auf dem Platz Ansprüche auf eine stärkere Rolle im DFB-Team angemeldet - und wurden für beides von Löw gelobt.

"Ich brauche mehrere Leader, das habe ich immer gesagt. Einer allein ist zu wenig. Ich verlange von mehreren Spielern, dass sie Verantwortung übernehmen", erklärte der 48-Jährige.

Mit diesem neu entfachten Konkurrenzkampf müssen die "Platzhirsche" ab sofort leben, ergänzte Löw: "Wir haben hier einen Führungsstil der Trainer, die natürlich die Regeln vorgeben. Die Spieler haben sich diesen Regeln anzupassen und zu unterwerfen."

Erneut Reibereien zwischen Ballack und Bierhoff

Und trotzdem gab es in Düsseldorf erneut Reibereien zwischen Ballack und Bierhoff. Der Spielführer hatte kritisiert, dass die deutsche Mannschaft im Gegensatz zu anderen Top-Nationen seit der EM keine Spielernamen mehr auf den Trikots getragen hatte.

Dies war als Spitze gegen Bierhoff als Verantwortlichen gedeutet worden. Hintergrund ist die Anordnung der Fifa, die Trikots seit Sommer wieder von 1 bis 18 durchzunummerieren - feste Rückennummern kann es also nicht mehr geben.

Bierhoff vermied es allerdings, weiteres Öl ins Feuer zu gießen. Schließlich haben der DFB und Ausrüster adidas auch eine Lösung gefunden, denn ab sofort wird das Team immer eine eigene, 25 Kilo schwere Beflockungsmaschine im Gepäck haben.

Womit auch ein Diebstahl ausgeschlossen wäre.

Zum Forum - jetzt mitdiskutieren!

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel