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Rene Adlers (l.) Missverständnis mit Sami Hyypiä verursachte das 1:1 durch Ze Roberto © imago

Der "Kaiser" findet deutliche Worte für die Pannenserie des Leverkusener Keepers. Dessen Konkurrenten ums DFB-Tor spüren Aufwind.

Von Martin Hoffmann

München - "Rene Adler ist im Moment die Nummer eins."

Mit diesen Worten hatte Andreas Köpke vor zwei Wochen dem Leverkusener offiziell die Spitzenposition im Rennen um das deutsche Tor verliehen.

Fast etwas untergegangen war dabei der Nachsatz des DFB-Torwarttrainers: "Er hat es selbst in der Hand, ob er bei der WM spielt."

Diese Hand ist ziemlich zittrig geworden in den vergangenen Wochen66576 (DIASHOW: Die deutschen Nationalkeeper).

Neue Qualität der Debatte

Schon der spielentscheidende Patzer bei der 0:1-Niederlage im Länderspiel gegen Argentinien hat Adler die Debatte in Gang gesetzt, ob Köpke und Joachim Löw die richtige Wahl getroffen haben - und die Erinnerung an Adlers Fabelvorstellungen in den entscheidenden Quali-Spielen gegen Russland verdrängt.

Durch weitere Schnitzer in der Liga - beim 4:2 am Sonntag gegen den Hamburger SV verursachte er durch sein Missverständnis mit Sami Hyypiä wieder ein Gegentor - hat sie eine neue Qualität gewonnen.

Am selben Tag nämlich hat sich ein entscheidender Meinungsführer Fußball-Deutschlands mit deutlichen Worten in die Diskussion eingemischt: Franz Beckenbauer.

"Suche dir eine andere Sportart"

"Wenn einer in der Schülermannschaft so einen Fehler macht, sagt man ihm: 'Suche dir eine andere Sportart'", befand der Ehrenpräsident des FC Bayern bei "Sky" über Adlers Fehler gegen Hamburg.

Adler sei "ein klasse Torhüter, aber seitdem er weiß, dass er die Nummer eins ist, macht er einen Fehler nach dem anderen. Für einen Nationaltorwart war es in der Häufigkeit zuletzt schon sehr viel".

Sammer hat keine Bauchschmerzen

Der "Kaiser" forderte nicht direkt Adlers Amtsenthebung, aber er befeuerte die allgegenwärtige Diskussion: Lässt sich Adler von dem Brennglas verglühen, unter dem er seit seiner offiziellen Ausrufung als Nummer 1 steht? Bricht er unter dem Druck zusammen?

DFB-Sportdirektor Matthias Sammer glaubt es nicht: "Ich habe bei ihm keine Bauchschmerzen."

Bei jungen Menschen spiele die Psyche immer eine große Rolle, so Sammer. Im Moment zeige Adler zwar Nerven, "aber besser jetzt als bei der WM".

Völler lobt die Risikofreude

Unterstützung bekommt Adler auch - wenig überraschend - von Leverkusens Sportdirektor Rudi Völler.

Der ehemalige DFB-Teamchef dreht Adlers verunglückte Aktionen gegen Argentinien und Hamburg ins Positive: "Er ist genau der Torwart, den Deutschland braucht, weil er ab und zu etwas riskiert", findet er.

Konkurrenten spüren Aufwind

Nichtsdestotrotz: Adlers Konkurrenten verspüren Aufwind.

Manuel Neuer und Tim Wiese hatten kürzlich erst deutlich gemacht, dass sie sich im Rennen um das deutsche Tor nicht geschlagen geben werden.

Und beide haben ihren Worten Taten folgen lassen. Wiese glänzte in der vergangenen Woche beim Bremer 1:1 in der Europa League in Valencia.

Beckenbauer lobt Neuer

Neuer war Schalke 04 beim 2:1 gegen Stuttgart einmal mehr ein starker Rückhalt. "Er hat uns wieder das Spiel gewonnen", sagte Trainer Felix Magath

Der Wunschkeeper des FC Bayern verdiente sich auch ein Sonderlob seines vielleicht künftigen Ehrenpräsidenten.

Neuer werde "immer stabiler und scheint von der Situation zu profitieren", meinte Beckenbauer.

Zu unerfahren für den WM-Titel?

Ein anderer Experte hat dagegen kürzlich erst alle drei DFB-Keeper als problematische Wahl für die WM eingeordnet:

"Wenn man Weltmeister werden will, wird das nicht leicht mit relativ unerfahrenen Leuten. Beide spielen nicht in der Champions League und damit permanent auf höchstem Niveau", sagte er.

Besagter Fachmann wusste aber auch einen idealen Alternativkandidaten: Perfekt wäre "jemand wie ich".

Praktischerweise ist besagter Experte noch selbst aktiv und verfügbar: Jens Lehmann.

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