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Joachim Löw sieht Gegner Russland auf einer Stufe mit Spanien © getty

Im zweiten Teil des Interviews spricht Joachim Löw bei Sport1.de über den nächsten Gegner Russland und die Fehler in der Abwehr.

Von Martin Volkmar

München/Düsseldorf - Sport1: Oliver Bierhoff hat gesagt, dass der Druck auf die Nationalmannschaft größer geworden ist. Wie wichtig ist daher ein erfolgreiches Spiel gegen Russland?

Joachim Löw: Da sich nur eine Mannschaft direkt für die WM qualifiziert, steht man immer unter Druck. Egal ob wir gegen Finnland oder Aserbaidschan spielen: In jedem Qualifikationsspiel ist dieser Druck vorhanden. Gerade gegen die Kleinen müssen möglichst viele Punkte eingefahren werden, nicht nur gegen die Mitkonkurrenten. Aber: Russland ist qualitativ sicher der stärkste Gegner, die Mannschaft ist eine Klasse für sich.

Sport1.de: Wo sehen Sie die Russen im internationalen Vergleich?

Löw: Ich beschäftige mich seit etwas mehr als einer Woche intensiv mit den Russen, habe auch die beiden Champions-Leauge-Vertreter Zenit St. Petersburg und ZSKA Moskau genauer unter die Lupe genommen. Die Nationalmannschaft hat eine enorme Qualität, ist technisch beschlagen und schaltet unglaublich schnell zwischen Defensive und Offensive um.

Sport1.de: Und hat bei der EM mit dem Halbfinal-Einzug nach 20 Jahren wieder international für Furore gesorgt.

Löw: Richtig. Die Russen haben bei der EM einen tollen Fußball gespielt. Es erwartet uns ein Gegner, der mittlerweile zu den besten Nationen in der Welt gehört. Für mich stehen sie auf einer Stufe mit Europameister Spanien.

Sport1.de: Mit welcher Marschroute gehen Sie in die Vorbereitung?

Löw: Zuerst ist wichtig, dass wir die Konzentration über die gesamte Woche aufrecht erhalten. Alle anderen Dinge müssen ausgeblendet werden. Wenn wir es schaffen, unser Spiel durchzudrücken, dann bekommt auch Russland Probleme.

Sport1.de: Wie wollen Sie das umsetzen?

Löw: Wir brauchen Spieler, die mental und körperlich in einer Top-Verfassung sind und 90 Minuten ihr Leistungsmaximum abrufen können. Gegen andere Mannschaften ist es zu verkraften, wenn zwei, drei Spieler nur durchschnittlich spielen. Aber gegen Russland brauchen alle elf Spieler eine hervorragende Form. Darauf werde ich in den Trainingseinheiten besonders achten.

Sport1.de: Nach dem 3:3 in Finnland hat es viel Kritik an der Defensive gegeben. Die russische Offensive ist aber keineswegs schwächer einzuschätzen als Forssell und Co.

Löw: Natürlich sind Fehler gemacht worden, aber Heiko Westermann und Serdar Tasci haben enormes Potenzial. Und gegen Finnland sind nicht nur Tore gefallen, an denen die beiden Innenverteidiger schuld waren. Die Defensive bereitet mir keine allzu großen Sorgen, zumal Torsten Frings zurückkehrt. Aber wir werden weiter daran arbeiten und versuchen, die Probleme zu lösen.

Sport1.de: Angeblich soll Per Mertesacker trotz seiner Rückkehr nicht zur Startformation gehören. Steht Ihre Abwehr schon fest?

Löw: Ich werde diese Woche nutzen, um im Training zu sehen, wie die Form der einzelnen Spieler ist. Die Saison ist noch jung, viele Eindrücke aus der Bundesliga gibt es noch nicht. Einige Spieler waren länger verletzt und kehren jetzt erst zurück. Nur wer topfit ist, wird gegen Russland auflaufen.

Sport1.de: Wie schwer wiegt der Schock über den Ausfall von Robert Enke?

Löw: Natürlich ist es bedauerlich, dass die Verletzung Robert jetzt zu einer Pause zwingt. Aber er hat die Diagnose sehr gefasst aufgenommen und ist auf dem Weg zu einem Handspezialisten.

Hier geht es zurück zum ersten Teil des Interviews

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