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Nach Robert Enkes (M.) Verletzung könnte Rene Adler (l.) gegen Russland sein Debüt feiern © imago

Nach seiner Schulterverletzung fand Rene Adler schnell zu alter Form. Nun könnte der Leverkusener von Robert Enkes Verletzung profitieren.

Vom DFB-Team berichtet Martin Volkmar

Düsseldorf - Schock für die deutsche Nationalmannschaft vor dem Topspiel der WM-Qualifikation gegen Russland:

Torwart Robert Enke erlitt im Training einen Kahnbeinbruch an der linken Hand, wird bereits am Freitag operiert und fällt mehrere Wochen aus.

Damit dürfte der kürzlich erst genesene Rene Adler am Samstag in Dortmund sein Debüt in der DFB-Auswahl feiern.

"Rene Adler hat nach seiner Verletzung schnell wieder zu seiner Form zurückgefunden", sagte Bundestrainer Joachim Löw auf Nachfrage von Sport1.de.

Bedauern bei Löw

"Trotzdem ist es natürlich bedauerlich, dass die Verletzung Robert jetzt zu einer Pause zwingt. Aber er hat die Diagnose sehr gefasst aufgenommen und ist im Moment auf dem Weg zu einem Handspezialisten."

Für den Keeper von Hannover 96 bedeutet das einen herben Rückschlag, nachdem er sich durch seine konstanten Leistungen in den drei Länderspielen nach der EM laut Löw "einen kleinen Vorteil" im Kampf um die Nachfolge von Jens Lehmann erarbeitet hatte:

Enke hatte die Handverletzung am Mittwochabend bei einer Faustabwehr nach einem Schuss von Philipp Lahm erlitten. "Ich habe gleich gemerkt, dass es etwas Schlimmeres ist", erklärte der 31-Jährige.

"Mindestens acht Wochen Pause"

Er rechne mit "mindestens acht Wochen Pause", sagte Enke, der vor seiner Abreise aus dem Teamquartier in Düsseldorf relativ gelassen auf die Hiobsbotschaft reagierte:

"Das ist natürlich ärgerlich, aber es gibt Schlimmeres als einen Handbruch. Jetzt drücke ich Rene die Daumen und konzentriere mich darauf, schnellstmöglich zurückzukommen."

Somit ist der Weg frei für Adler, der gegen Russland erstmals nach seiner mehrwöchigen Zwangspause wegen einer Schulterverletzung wieder dabei ist.

Er traue sich die Aufgabe "selbstverständlich" zu, erklärte der Leverkusener: "Wir spielen bei Leverkusen ein ähnliches System wie in der Nationalmannschaft. Deshalb sehe ich da keine Probleme."

Adler stellt keine Ansprüche

Ansprüche wollte Adler aber nicht stellen. "Ich bin froh, dass ich wieder bei der Nationalmannschaft bin, und wollte mich im Training mit guten Leistungen anbieten. So sehe ich das auch weiterhin."

Dennoch dürfte der EM-Teilnehmer die Nase vorn haben vor seinem bisherigen Vertreter Tim Wiese von Werder Bremen.

"Rene hat eine positive, geschlossene Ausstrahlung", sagte auch Oliver Bierhoff. "Er hat nachweislich die nötigen Torwartfähigkeiten und besitzt trotz seines noch jungen Alters schon die geforderte Klasse. Da würde ich mir keine Gedanken machen wegen eines Einsatzes beim Spiel am Samstag. Das packt er schon."

Noch keine offizielle Festlegung

Offiziell festlegen wollten sich aber weder Löw noch der Teammanager. Er mache sich aber ohnehin keine Sorgen, so Bierhoff:

"Wir haben in Deutschland ja ohnehin noch nie ein Torhüter-Problem gehabt. Ich bin der festen Überzeugung, dass sowohl Rene als auch Tim dem Druck standhalten werden."

Fakt ist allerdings, dass seit dem Einsatz des Dortmunders Heinrich Kwiatkowski beim 3:8 gegen Ungarn in der WM-Vorrunde 1954 nie mehr ein Torhüter bei einem vergleichbar wichtigen Spiel seinen Einstand im DFB-Trikot gegeben hat.

Der jüngste DFB-Keeper seit Bodo Illgner

Zudem ist Adler mit 23 Jahren und 48 Bundesligaspielen der jüngste Keeper im DFB-Dress seit dem späteren Weltmeister Bodo Illgner, der 1987 mit 20 Jahren debütierte.

Trotz der großen Chance zeigte Adler Mitgefühl mit dem Rivalen. "Es tut mir wahnsinnig leid für Robert, denn wir verstehen uns auch privat sehr gut. Das mussten wir alle erst einmal schlucken. Ich bin keiner, der sich über Verletzungen freut."

Auch Torsten Frings sprach von einem "Schock" für die Mannschaft, zeigte sich aber wie der Trainerstab zuversichtlich. "Wir müssen das Beste aus der Sache machen", sagte der Bremer. "Grundsätzlich haben wir zu jedem Torwart Vertrauen."

Harter Schlag für Hannover

Viel härter als die Nationalelf trifft es ohnehin Enkes Klub Hannover. ?Das ist ein harter Schlag für Robert und für 96?, sagte Trainer Dieter Hecking über den Ausfall seines Kapitäns und Führungsspielers.

Bei den Niedersachsen erhält jetzt U-21-Nationalkeeper Florian Fromlowitz seine Chance. Noch ein Youngster, der Enke im Nacken sitzt.

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