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Der Leverkusener Rene Adler bestritt bisher neun Länderspiele © getty

Obwohl Beckenbauer seine Attacken auf den Schlussmann erneuert, stellt sich Löw hinter Adler: "Jeder macht mal Fehler."

Von Christian Stüwe

München - Eine Torwartdiskussion scheint im DFB-Team eine fast unweigerliche Begleiterscheinung der Vorbereitung auf eine Weltmeisterschaft zu sein.

Da macht auch das anstehende Turnier in Südafrika keine Ausnahme. Seitdem sich Bundestrainer Joachim Löw auf den Leverkusener Rene Adler als Nummer eins festgelegt hat, haben die Diskussionen um den Posten im Tor der Nationalmannschaft an Schärfe zugenommen.

Zumal Adler zuletzt in der Liga patzte.

"Er macht einen Fehler nach dem anderen"

"Er ist viel zu übermotiviert. Er rennt im Strafraum rum, macht Sachen, die man nicht von ihm kennt. Ich weiß nicht, warum. Um vielleicht auf sich aufmerksam zu machen?", sagte Franz Beckenbauer der "Sport Bild" und erneute so seine Kritik an Adler.

"Dass er ein klasse Torhüter ist, das wissen wir ja", erklärte Beckenbauer weiter: "Es fällt halt auf, dass er einen Fehler nach dem anderen macht, seit er als Nummer eins nominiert wurde."

Doch Löw lässt sich nicht beirren. "Wir werfen nicht wegen jedem vermeintlichen Fehler unsere Entscheidungen über den Haufen. Es geht uns um den Gesamteindruck - und da sehen wir nach wie vor Rene Adler vorne", sagte Löw der "tz".

Er sehe die aufkommende Diskussion "sehr gelassen", ergänzte Löw in der "Bild":

"Wir haben gesagt, dass Rene es selbst in der Hand hat, ob er die Nummer eins bleibt. Fehler unterlaufen jedem mal. Aber wir haben drei starke Torhüter."

Kahn: Verständnis für Adler

Ex-Nationaltorwart Oliver Kahn kann die Situation Adlers nachvollziehen.

"Adler hatte im Zuge dessen, dass er die Nummer Eins geworden ist, ein bisschen Probleme zuletzt. Das kannte ich aber auch aus meiner Zeit. Als ich Nummer Eins der Nationalmannschaft wurde, das war auch eine wacklige Zeit", sagte Kahn im DSF-Interview.

Der Vize-Weltmeister von 2002 glaubt aber, dass Adler bald wieder in die Spur finden wird.

"Manuel Neuer hatte mal seine Krise, die er inzwischen überwunden hat und jetzt ist er wieder top. Rene steckt gerade ein bisschen in einem Loch, aber auch er wird das überwinden. Ich denke, die beiden nehmen sich nicht viel", schätzt Kahn die Lage ein.

Wieses Kritik "völlig normal"

Für Tim Wiese, der öffentlich Kritik an der Entscheidung Löws zugunsten Adlers geübt hatte, hat Kahn Verständnis.

"Alle Torhüter sind unruhig, wenn sie nicht die Nummer Eins sind. Das ist völlig normal und wäre auch schlimm, wenn es nicht so wäre", sagte Kahn:

"Tim spielt mit Bremen international und zeigt auch international stabile Leistungen. Er hat auch in der Nationalmannschaft gut gespielt."

Kahn und auch Beckenbauer sind überzeugt davon, dass Löw auf die richtigen drei Schlussmänner setzt. "Das sind drei hervorragende Torhüter. Das sind unsere Besten", sagte Beckenbauer.

Keine Chance für Weidenfeller und Lehmann

Zuletzt beschwerten sich Dortmunds Torwart Roman Weidenfeller und sein Berater über die Ausbootung im Nationalteam.

Zuvor hatte schon immer mal wieder der Stuttgarter Keeper Jens Lehmann mit einer Rückkehr ins Nationalteam geliebäugelt.

Zudem hatte Bayerns Sportdirektor Christian Nerlinger seinen Torwart Jörg Butt ins Gespräch gebracht.

Doch das ist kein Thema. "Wir haben uns zu den drei Torhütern Adler, Neuer und Wiese bekannt, weil sie unser Vertrauen genießen. Daran gibt es nichts zu ändern", stellte Löw nochmals klar.

Zumindest in diesem Punkt scheinen keine weiteren Diskussionen nötig.

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