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Stand im August 2007 gegen England erstmals im A-Kader des DFB: Serdar Tasci © imago

Vor der WM-Qualifikation gegen Russland spricht Serdar Tasci bei Sport1.de über den Gegner und wachsenden Druck.

Von der DFB-Elf berichtet Martin Volkmar

Düsseldorf - An der Hierarchie im DFB-Team wird kräftig gerüttelt, das kündigte Bundestrainer Joachim Löw selbst an.

Dies könnte die große Chance von Serdar Tasci sein, zumal gestandene Kräfte wie etwa Christoph Metzelder mangels Form nicht in den Kader berufen wurden.

Der in Esslingen geborene Deutsch-Türke überzeugte nicht nur im Dress des VfB Stuttgart, sondern fand auch in der Nationalmannschaft immer öfter Berücksichtigung.

Im letzten WM-Quali-Spiel gegen Finnland bildete Tasci zusammen mit dem Schalker Heiko Westermann das Duo in der Innenverteidigung und hofft nun auf einen Einsatz gegen Russland (Sa., ab 20.15 Uhr LIVE).

Im Interview mit Sport1.de spricht Tasci über die zuletzt kritisierte DFB-Abwehr, die bärenstarke Offensive der Russen und wachsenden Druck.

Sport1.de: Seit Jahren wird über das Abwehrproblem in Deutschland diskutiert. Sind Sie auf längere Sicht die Lösung?

Serdar Tasci: Ich werde mein Bestes geben, um mich hier zu etablieren. Dazu muss ich mich im Verein in entsprechender Form präsentieren. Aber ich hätte sicherlich nichts dagegen, auf längere Sicht eine Stütze der Nationalmannschaft zu sein.

Sport1.de: Wie sicher gehen Sie von Ihrem Einsatz gegen Russland aus?

Tasci: Sicher bin ich mir nicht, ich habe ja erst drei Länderspiele. Im Training gebe ich jetzt einfach Gas und hoffe natürlich auf meinen Einsatz.

Sport1.de: Haben Sie Christoph Metzelder schon abgehängt?

Tasci: Auf keinen Fall. Christoph Metzelder hat sehr viel mehr Erfahrung als ich und spielt bei Real Madrid. Aber er ist diesmal nicht dabei und das sehe ich als Chance, mich wieder zu beweisen.

Sport1.de: Per Mertesacker geht davon aus, dass er auf Dauer wieder mit seinem bisherigen Partner Metzelder die Innenverteidigung bildet. Müssen Sie ihn noch überzeugen?

Tasci: Ich muss den Trainer überzeugen. Natürlich ist die Innenverteidigung sehr wichtig, weil beide Spieler dort harmonieren müssen. Aber wenn ich meine Einsätze bekomme, dann wird auch Per Mertesacker sehen, dass ich dazu in der Lage bin.

Sport1.de: Also keine Angst vor großen Namen?

Tasci: Ich weiß, was ich kann und bin selbstbewusst genug, mich durchzusetzen. Ich muss einfach im Training immer gute Leistungen zeigen. Bisher hatte ich auch beim VfB Stuttgart immer starke Konkurrenten und habe mich durchsetzen können. Das möchte ich auch hier schaffen.

Sport1.de: Sie haben dreimal mit Heiko Westermann zusammen im DFB-Team gespielt. Ein Paar mit Zukunft?

Tasci: Ich denke, unsere Leistung war schon in Ordnung. Man kann bei nur drei Spielen ja nicht erwarten, dass wir alles wegputzen. Auch solche Spiele wie gegen Finnland können passieren, leider. Ansonsten haben wir aber gut harmoniert.

Sport1.de: Fanden Sie die harte Kritik an der Abwehr nach dem 3:3 in Finnland ungerecht?

Tasci: Wenn man drei Gegentore kassiert, dann ist Kritik normal. Das müssen wir akzeptieren, denn das darf einfach nicht passieren. Auch wenn es meistens nicht nur an den Verteidigern liegt, denn die Abwehr fängt im Sturm an. Daher müssen wir diesmal enger stehen.

Sport1.de: Was muss noch gegen Russland besser werden?

Tasci: Vieles. Wir hatten viele dumme Fehlpässe, die zu Gegenangriffen der Finnen geführt haben. Wir müssen aggressiver am Mann sein und die Abstimmung kann noch besser werden, aber das kommt von Spiel zu Spiel.

Sport1.de: Ist es eine zusätzliche Motivation, dass man es gegen Russland besser machen will?

Tasci: Sicherlich. Gegen den schwersten Gegner in der Gruppe können und wollen wir uns jetzt beweisen und zu null spielen. Damit könnten wir es unseren Kritikern zeigen, das stimmt.

Sport1.de: Sehen Sie einen Nachteil durch den Ausfall von Robert Enke?

Tasci: Natürlich ist es für die Abstimmung besser, wenn man schon mal zusammengespielt hat. Aber wir haben bei allen drei Torhütern Vertrauen, zumal wir im Training auch immer in verschiedenen Formationen üben. Deshalb glaube ich nicht, dass es Probleme geben wird.

Sport1.de: Wie wollen Sie die russische Offensive stoppen?

Tasci: Russland ist natürlich der stärkste Gegner in unserer Gruppe mit sehr starken Einzelspielern. Aber wir spielen zu Hause und da müssen wir selbstbewusst auftreten und gewinnen.

Sport1.de: Wo muss man den Hebel gegen Arschawin und Pogrebnjak ansetzen?

Tasci: Arschawin ist klein und wendig, Pogrebnjak ein großer Spieler, der viel mit hohen Bällen gefüttert wird. Also muss man die Kopfball-Duelle gegen ihn gewinnen und Arschawin darf man sich nicht mit dem Gesicht zum Tor drehen lassen. Dazu müssen wir vor allem hoch konzentriert sein.

Sport1.de: Wie groß ist die Anspannung?

Tasci: Wir dürfen uns keine weiteren Punktverluste erlauben und müssen gewinnen. Dadurch ist vielleicht etwas mehr Druck da als sonst.

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