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Berti Vogts trainierte nach dem DFB-Team Ku- wait, Schottland, Nigeria und Aserbaidschan © getty

Der 63-Jährige befindet die Spekulationen um die Nominierung Kevin Kuranyis als klassische "Lose-Lose-Situation" für Joachim Löw.

München - Joachim Löw spielt auf Zeit, Bastian Schweinsteiger hält ein Comeback von Kevin Kuranyi in der deutschen Nationalmannschaft für ausgeschlossen, und Berti Vogts sieht den Bundestrainer in der Zwickmühle.

"Wenn er ihn zurückholt, wirft man ihm in den Medien vor, umgefallen zu sein. Wenn er bei seiner Entscheidung bleibt, sagt man, er habe den besten deutschen Stürmer zu Hause gelassen", sagte der frühere Nationaltrainer und heutige Coach von Aserbaidschan.

"Das ist alleine die Entscheidung von Joachim Löw."

Vogts kennt die Problematik bestens. In seiner Zeit als Bundestrainer hatte der 63-Jährige gleich zwei Spielern Eskapaden verziehen und sie zur Nationalmannschaft zurückgeholt.

So war Stefan Effenberg wegen seines "Stinkefingers" bei der WM 1994 in den USA von Vogts aus dem Nationalteam geworfen, vier Jahre später aber nach einer ausgiebigen Aussprache wieder nominiert worden.

"Es ist keine Frage, Kevin Kuranyi muss mit zur WM. Ich wünsche mir, dass der Bundestrainer bei ihm nicht so nachtragend ist", sagte Effenberg der "Welt".

Zuvor hatte Vogts auch Lothar Matthäus nach Attacken gegen diverse Nationalspieler zunächst für zwei Jahre verbannt und dann vor der WM 1998 in Frankreich wieder ins Nationalteam zurückgeholt.

Vogts springt über seinen Schatten

Vorausgegangen war ein Friedensgipfel, unter anderem mit dem damaligen DFB-Präsidenten Egidius Braun. Damals sprang Vogts weit über seinen Schatten - im Interesse der Nationalmannschaft.

"Man sollte schnellstens ein klärendes Gespräch führen. Denn die besten Spieler müssen mit zur WM. Zudem kann man als Trainer auch mal seine Meinung ändern", sagte Matthäus.

Schweinsteiger glaubt nicht an eine Rückkehr von Kuranyi ins Nationalteam - zumindest nicht unter Löw.

Schweinsteiger glaubt nicht an Comeback

"Es freut mich, dass Kevin einen Lauf hat, weil er ein guter Kerl ist, aber der Bundestrainer hat seine Entscheidung getroffen", sagte Schweinsteiger im "Bayerischen Fernsehen": "Und ich glaube nicht, dass der Bundestrainer seine Entscheidung ändert."

Bleibt Löw wirklich hart? Die Diskussion um den geläuterten Kuranyi wird 73 Tage vor Beginn der WM in Südafrika (11. Juni bis 11. Juli) immer intensiver.

Nach den beiden Treffern des Schalker Angreifers bei Bayer Leverkusen im Spitzenspiel am Samstag forderten unter anderem auch Franz Beckenbauer und Uwe Seeler "Gnade für Kuranyi".

Löw bleibt vorerst stur

Die Fans der Nationalelf sind sich ohnehin längst einig: Wegen der aktuellen Misere der Stürmer Miroslav Klose und Lukas Podolski ist die WM-Teilnahme des 28-Jährigen ein Muss. Doch Löw stellt sich noch stur.

"Ich kann und will mich zu diesem Thema nicht äußern. Wir haben jetzt einen WM-Workshop in München, wo wir die WM-Vorbereitungen besprechen", sagte der 50-Jährige der "Bild".

Löw hatte in den vergangenen Monaten allerdings immer wieder erklärt, dass er dem Angreifer die "Fahnenflucht" beim WM-Qualifikationsspiel gegen Russland im Oktober 2008 in Dortmund nicht verzeihen werde.

Diskussion beendet? Mitnichten!

"In meiner Zeit wird Kuranyi nicht in die Nationalmannschaft zurückkehren", hatte Löw noch im November des vergangenen Jahres erklärt und sich ein Ende der Kuranyi-Debatte erbeten: "Ich hoffe, dass mir die Frage nach Kuranyi, die vierteljährlich wieder auftaucht, zum letzten Mal gestellt worden ist."

Diese Hoffnung erfüllte sich nicht. Vielmehr sorgte Kuranyi mit seinen bislang 17 Saisontreffern dafür, dass die Diskussionen gut zehn Wochen vor Beginn der WM so richtig losgehen.

Der öffentliche Druck auf Löw, der bereits wegen teilweise umstrittener Nominierungskriterien verstärkt in die Kritik geraten ist, wächst.

"Kaiser" plädiert für runden Tisch

Franz Beckenbauer empfiehlt wie zuvor auch Matthäus, dass sich DFB-Trainerstab, DFB-Präsident Theo Zwanziger und Kuranyi zusammensetzen, um eine Lösung zu finden, "bei der alle Seiten das Gesicht wahren".

Dies würde nach Ansicht des 64-Jährigen nicht zu Lasten Löws gehen: "Wenn Jogi Löw über seinen Schatten springt, verdient er vollsten Respekt und keine Kritik. Das wäre kein Umfallen, sondern eine weise Entscheidung."

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