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Jürgen Röber (l.) warnt vor den Russen: "Das wird keineswegs einfach" © getty

Vor dem Spiel Deutschland gegen Russland spricht Jürgen Röber über die Stärken der "Sbornaja" und den russischen Fußball.

Von Christian Paschwitz

München - Seit August erlebt Jürgen Röber den russischen Fußball so intensiv wie möglich.

Der frühere Bundesliga-Coach (Stuttgart, Hertha, Wolfsburg, Dortmund) trainiert vor den Toren Moskaus den Erstligisten FK Saturn - und meint vor dem WM-Qualifikationsspiel Deutschlands gegen Russland am Samstag (ab 20.15 Uhr LIVE): "Das wird keineswegs einfach" für das Team von Jogi Löw.

Denn: Die "Sbornaja" wird laut Röber mittelfristig zu einer neuen Fußball-Großmacht wachsen. Und auch die Klubs des 17.075.400 Quadratkilometer großen Landes sieht der 54-Jährige im Aufschwung.

Im ersten Teil des Sport1.de-Interviews warnt Röber vor den Stärken der "Sbornaja" und glaubt, dass Russland langfristig durchaus zu den führenden Fußball-Mächten aufsteigen wird.

Sport1.de: Herr Röber, womit dürften wir Deutschen gegen Russland denn am ehesten Probleme bekommen?

Jürgen Röber: Das kommt drauf an, wie sich das Spiel entwickelt. Wenn du viel Druck machst, werden sie nervös. Aber wehe, die Russen führen einmal: Dann ziehen sie sich zurück und kontern hervorragend. Sie sind kombinationssicher und alle sehr schnell. Prunkstück ist natürlich die Offensive. Ob nun mit Roman Pawljutschenko oder Pawel Pogrebnjak. Mit Andrej Arschawin haben sie ohnehin einen überragenden Mann.

Sport1.de: Viele Beobachter schwärmen ja derzeit regelrecht vom russischen Fußball. Wie ist es bei Ihnen?

Röber: Auch ich muss sagen: Da tut sich wirklich was. Man hat das Potenzial ja zuletzt gesehen: Zenit St. Petersburg gewann den UEFA-Cup und die russische Nationalmannschaft erreichte bei der EM das Halbfinale. Hier ist eine echte Aufbruchstimmung. Auch aufgrund der Trainer: Ob es nun Guus Hiddink (Nationaltrainer Russland, Anm. d.R.), Dick Advocaat (St. Petersburg) oder Michael Laudrup (Spartak Moskau) ist. Die Russen sind sich ihrer Stärken bewusst, wissen aber auch, dass sie sich in gewissen Bereichen verändern müssen. So wie wir Deutschen damals neue Wege in der Jugendarbeit beschritten haben. Aber in Russland gibt es natürlich auch die finanziellen Möglichkeiten.

Sport1.de: Beschreiben Sie doch mal...

Röber: Wenn Sie hier bei uns bei Saturn sehen könnten, welche Base wir haben, das ist wohl einzigartig in Europa. Wir haben gleichzeitig noch eine Jugend-Akademie, auf der 135 Kinder rund um die Uhr beschäftigt werden. Von der Schule über die medizinischen Versorgung bis zu allem Möglichen, was eine gute Basis legt.

Sport1.de: Es ist demnach also auch nicht vermessen, wenn der russische Verbandspräsident Medwedew sagt, wir wollen wieder eine der führenden Fußball-Mächte werden?

Röber: Ich denke nicht, dass es das ist. Die Vereine müssen jetzt allerdings Stadien bauen und Infrastruktur schaffen. Dann wird es in Russland auch immer interessanter für die richtig guten ausländischen Spieler. Finanziell sowieso, aber für die ist ja vor allem wichtig, international und in der Champions League führend zu sein. Russland ist wirklich auf einem guten Weg.

Hier geht's zum zweiten Teil des Interviews

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