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Andrej Arschawin nach dem 3:1-Siegtreffer im EM-Viertelfinale gegen die Niederlande © getty

Vor dem Spiel Deutschland gegen Russland spricht Jürgen Röber über die Stärken der "Sbornaja" und den russischen Fußball.

Von Christian Paschwitz

München - Seit August erlebt Jürgen Röber den russischen Fußball so intensiv wie möglich.

Der frühere Bundesliga-Coach (Stuttgart, Hertha, Wolfsburg, Dortmund) trainiert vor den Toren Moskaus den Erstligisten FK Saturn - und meint vor dem WM-Qualifikationsspiel Deutschlands gegen Russland am Samstag (ab 20.15 Uhr LIVE): "Das wird keineswegs einfach" für das Team von Jogi Löw.

Im zweiten Teil des Sport1.de-Interviews schildert Jürgen Röber Situationen, die ihn als Trainer manchmal "auf die Palme bringen" und dem russischen Fußball noch Probleme bereiten.

Sport1.de: Der russische Fußball befindet sich aber noch mitten in dem Umbauprozess auf dem Weg zu einer Fußball-Großmacht?

Röber: Ja, und für diesen Aufbruch braucht es übrigens nicht nur allein Erfolge wie zuletzt bei Zenit oder ein gutes EM-Abschneiden.

Sport1.de: Sondern?

Röber: Es ist auch eine Kopfsache. Ein Beispiel: Ich bin hier rübergekommen, da war meine Mannschaft allenfalls zu 30 Prozent körperlich fit. Da gibt es Spieler, die verdienen sehr, sehr gutes Geld und haben auch eine große spielerische Qualität. Aber trotzdem tun sie dafür nicht gerne allzu viel. So nach dem Motto: Nur nicht quälen.

Sport1.de: Kämpfen Sie mit dieser Einstellung als Trainer manchmal?

Röber: So ist es. Von der Mentalität her akzeptiert man hier manchmal eher ein 1:1 als vielleicht selber noch mal nachzulegen. Das kann einen auf die Palme bringen. Du verlierst ein Spiel, und hinterher wird gesagt: 'Naja, aber wir haben ja ganz gut gespielt.' Dick Advokaat hatte da zu Beginn bei Zenit auch so seine Probleme. Ich habe das hier anfangs gar nicht verstanden, denn die russischen Spieler sehen doch auch deutschen und englischen Fußball.

Sport1.de: So unfit und geistig blockiert wirkt Zenit aber gar nicht.

Röber: Bei Zenit und ein, zwei andere Mannschaften ist das auch nicht der Fall. Schon allein, weil sie durch ihre finanziellen Mögliichkeiten mehr ausländische Spieler haben, sind die vom Kopf her weiter und professioneller. Und deswegen stehen sie auch oben.

Sport1.de: Wie geht die Entwicklung insgesamt weiter in Russland?

Röber: Alle Vereine denken um, weil sie sehen, dass sie dadurch Erfolg haben. Es liegt viel Potenzial brach und es ist noch einiges zu erwarten. Und es wird mehr und besser Jugendarbeit geleistet, weil die Teams in der russischen Liga ab der kommenden Saison nur noch sechs Ausländer einsetzen dürfen, im Jahr drauf dann nur noch fünf. Also musst du zwangsläufig besser selbst ausbilden.

Sport1.de: Gut ausgebildet wirkt die "Sbornaja".

Röber: Das ist sie auch. Allerdings gibt es auch hier noch genug Ansatzpunkte. Es war doch komisch, dass sie bei der EM erst die Niederländer weggefegt haben und dann gegen Spanien derart schlecht spielten. Hierzulande hört man dazu schon mal: 'Vielleicht haben die doch nicht für den maximalen Erfolg gelebt. Vielleicht haben die danach gefeiert und gedacht: Wir haben allen gezeigt, was wir können. So what?!' Aber trotzdem darfst du die Russen nicht unterschätzen. Das sind eingespielte Blöcke, schon allein mit der fast reinen ZSKA-Abwehr um Juri Schirkow, Vasiliy Berezutskiy und Sergei Ignaschewitsch. Das wird für uns nicht einfach werden.

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