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Guus Hiddink (M.) trainiert die russische Nationalmannschaft seit Sommer 2006 © getty

Russlands Nationaltrainer hat keine guten Erinnerungen an den deutschen Fußball. In Dortmund will er die Negativserie beenden.

Aus Dortmund berichtet Martin Volkmar

Dortmund - Gewohnt souverän trat Guus Hiddink am Freitagabend in Dortmund vor die internationale Presse.

Ein Späßchen über die richtige Aussprache seines Vornamens hier ("das kann man in deutsch nicht aussprechen"), ein kleiner Seitenhieb auf den eifrigen Dolmetscher da.

Doch dazwischen wurde deutlich, dass der russische Nationaltrainer mit voller Konzentration in das WM-Qualifikationsspiel am Samstag (ab 20.15 Uhr LIVE) gegen Deutschland geht.

Denn bislang hat Hiddink keine guten Erinnerungen an den deutschen Fußball.

"Man versucht das zu verdrängen"

"Das stimmt leider, auch wenn man versucht es zu verdrängen", sagte der 61-Jährige auf Nachfrage von Sport1.de.

Das liegt nicht daran, dass der Niederländer trotz seines Geburtsortes in unmittelbarer Nähe der deutschen Grenzstadt Emmerich nie in der Bundesliga gearbeitet hat.

Und wohl auch nicht daran, dass seine Verpflichtung als erster ausländischer Bundestrainer nach dem Rücktritt von Rudi Völler 2004 trotz einiger Gespräche nicht zustande kam.

Ebenso wenig die Tatsache, dass Russland und auch zuvor die Sowjetunion bereits seit 23 Jahren auf einen Sieg gegen die DFB-Auswahl warten.

Zwei schmerzliche Niederlagen

Grund sind vielmehr zwei schmerzliche Niederlagen. Im April 1996 als Bondscoach unterlag Hiddink kurz vor der EM 0:1 durch ein Tor von Jürgen Klinsmann - kein gutes Omen: Die hoch gehandelten Niederländer scheiterten im Viertelfinale, Deutschland wurde Europameister.

Noch härter traf es Hiddink allerdings sechs Jahre später. Bei der WM 2002 betreute er Gastgeber Südkorea, doch deren Höhenflug wurde im Halbfinale durch die 0:1-Niederlage (Torschütze Michael Ballack) beendet.

"Darum muss man versuchen, diese Negativserie zu beenden", erklärte er nun. "Ich hoffe, dass das am Samstag der Fall sein wird."

Großer Respekt im deutschen Lager

Der Respekt vor dem EM-Halbfinalisten ist jedenfalls groß im deutschen Lager. Etwa bei Oliver Bierhoff, obwohl der als Spieler bei beiden Erfolgen gegen Hiddinks Mannschaften dabei war.

Doch der Teammanager will sich nicht auf seine Historie als Glücksbringer verlassen: "Die Erfolge von Zenit St. Petersburg kommen nicht von ungefähr, und auch bei der EM hat das Nationalteam mächtig aufgetrumpft."

Auch Michael Ballack warnt vor dem wohl stärksten Gegner in der WM-Qualifikation. "Die befinden sich auf einem Höhenflug", lobte der DFB-Kapitän.

"Viele Nationen schauen mit Bewunderung auf den Stil der Russen. Das ist eine Spitzenmannschaft in Europa."

Große Ziele mit der "Sbornaja"

Hiddink bedankte sich artig für die "schöne Komplimente", dennoch sieht er die "Sbornaja" nicht in der Favoritenrolle: "Wir gehören noch nicht zu den besten Teams der Welt. Dazu müssen wir die Leistung der EM bestätigen."

Sein Ziel ist es, "dass der russische Fußball wieder Schritt für Schritt anerkannt wird. Das ist jetzt die Herausforderung."

Daher hat Hiddink im Gegensatz zu seinen vorherigen Stationen in Korea und Australien, mit denen er bei der WM 2006 im Achtelfinale ausschied, den Vertrag bis 2010 zu verlängern.

Dauer-Job in Russland möglich

Sollte die erste WM-Teilnahme seit 2002 gelingen, könnte sogar ein Dauer-Job daraus werden.

"Es ist durchaus vorstellbar, dass ich bleibe weil ich mich der Entwicklung des russischen Fußballs verschrieben habe und sehe, welche Erfolge schon erzielt wurden", sagte er. "Ich habe das Gefühl, dass ich hier noch nicht fertig bin."

Versüßt wird Hiddink die durch sein Jahresgehalt von geschätzten zwei Millionen Euro. Zudem weiß er in Landsmann Dick Advocaat einen Mitstreiter an seiner Seite.

Advocaat hält Sieg der Gäste für möglich

Der Erfolgscoach von Zenit St. Petersburg hält einen Sieg der Gäste für möglich: "Wenn Russland so spielt wie beim 3:1 im EM-Viertelfinale gegen die Niederlande, kann es für Deutschland gefährlich werden."

Hiddink zeigte sich zurückhaltender, verwies auf die großen Verletzungssorgen und die Stärke des Gegners ("Die Deutschen geben nie auf und sind bei Turnieren immer erfolgreich gewesen").

"Einen Punkt in Deutschland zu holen, noch dazu in einem Fußball-Theater wie Dortmund, wäre klasse", meinte der Trainer-Fuchs, um dann aber Augen zwinkernd hinzuzufügen: "Vielleicht sind wir auch auf mehr aus."

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