vergrößernverkleinern
Perfekter Start: Lukas Podolski trifft schon in der neunten Minute zum 1:0 © getty

Gegen Russland zeigt Deutschland zwei unterschiedliche Hälften. Nach einer starken ersten Halbzeit zittert die Löw-Elf am Ende.

Aus Dortmund berichtet Martin Volkmar

Dortmund - Die deutsche Nationalmannschaft hat dank einer überragenden ersten Halbzeit einen wichtigen Schritt in Richtung WM 2010 gemacht.

Durch einen hart erkämpften 2:1 (2:0)-Sieg über Gruppen-Mitfavorit Russland festigte der EM-Zweite die Tabellenführung in der Qualifikationsgruppe 4.

Mit einem weiteren Erfolg am Mittwoch gegen Wales kann der Vorsprung noch weiter ausgebaut werden.

Allerdings musste die Mannschaft von Bundestrainer Joachim Löw bis zum Schluss zittern, ehe der 13. Sieg im 18. Spiel gegen Russland feststand.

Herausragende erste Halbzeit

Dabei hatte die DFB-Auswahl die temporeiche, hochklassige und am Ende dramatische Partie vor 65.067 Zuschauern in Dortmund in der ersten Hälfte klar bestimmt.

Nach der vielleicht besten Leistungen seit dem 2:0 im WM-Achtelfinale 2006 gegen Schweden führte das Team durch Treffer von Lukas Podolski (9.) und Michael Ballack (29.) hoch verdient mit 2:0.

Bis dahin hatten die Gastgeber das Duell mit aggressivem Forechecking und hervorragendem Kombinationsfußball im Griff gehabt.

Doch nachdem Andrej Arschawin schon nach 52 Minuten der Anschlusstreffer gelang, blieb es bis zum erlösenden Abpfiff spannend.

Erste Chance für Russland

Die Russen hätten allerdings schon nach vier Minuten in Front gehen können, als Arne Friedrich Igor Dennissow laufen ließ und dessen Flanke Pawel Pogrebnijak aus kurzer Distanz freistehend übers Tor schoss.

Dann kam die DFB-Elf: Zunächst scheiterte Ballack nach schöner Vorarbeit von Miroslav Klose an Keeper Igor Akinfejew, der dessen Direktabnahme übers Tor lenkte.

Eine Minute später bebte die Dortmunder WM-Arena dann erstmals in ihren Grundfesten. Erneut war es Klose, der sich behauptete und den Ball schön in die Spitze spielte.

31. Länderspieltor für Podolski

Dort löste sich Podolski von seinem Gegenspieler und traf aus zwölf Metern zur umjubelten Führung. Bereits der 31. Treffer im 58. Länderspiel des Bayern-Stürmers.

Auch danach ging es in hohem Tempo weiter. Die DFB-Elf zeigte sich kombinationssicher und hätte nach herrlicher Vorlage von Philipp Lahm auf 2:0 erhöhen kann, doch Piotr Trochowski schoss von halblinks übers Tor (16.).

Auf der Gegenseite wurde es immer gefährlich, wenn die Mannschaft von Nationalcoach Guus Hiddink durch schnelle Aktionen für Unordnung in der Defensive der Platzherren sorgten.

Umgekehrt zeigte sich aber auch der EM-Halbfinalist anfällig, wenn es schnell ging. Einen der gefährlichen Eckstöße in Folge einer solchen Aktion verpasste der freistehende Heiko Westermann knapp (24.).

Ballack-Abstauber zum 2:0

Doch wenig später war es dann so weit: Bastian Schweinsteiger düpierte von Trochowski auf links freigespielt die russische Defensive und fand mit einem Außenrist-Lupfer Ballack, der aus kurzer Distanz nur noch abstauben musste (29.).

Der 32-Jährige, der nach seiner Verletzungspause erstmals seit der EM wieder dabei war, verkürzte mit Länderspiel-Treffer Nummer 39 den Abstand in der ewigen DFB-Liste auf den siebtplatzierten Ehrenspielführer Uwe Seeler (43 Tore).

In der Folgezeit hatte das Löw-Team die Begegnung gegen die konsternierten Russen weitgehend in der Hand und hätten durch Distanzschüsse von Trochowski (33.) und Podolski (34., 42.) auf 3:0 erhöhen können, doch Akinfejew zeigte sich mehrfach auf dem Posten.

Nach der Pause versuchten die Russen erwartungsgemäß, durch einen schnellen Anschlusstreffer wieder ins Spiel zu kommen. Und das gelang ihnen schon nach sieben Minuten.

Westermann ermöglicht Arschawins Anschlusstor

Alexander Anjukow profitierte von einem Ballverlust von Westermann, seine scharfe Hereingabe rutschte Rene Adler durch die Beine und der bis dahin blasse Arschawin musste nur noch einschieben.

Drei Minuten später fast der Ausgleich, als es nach einer Ecke lichterloh im deutschen Strafraum brannte. Doch mit Glück und Geschick verhinderte Adler gegen den russischen Kapitän Sergej Semak das 2:2.

Plötzlich war die Begegnung wieder offen, die im ersten Abschnitt oft lethargisch wirkenden Osteuropäer bekamen die zweite Luft.

Trochowski trifft nur die Latte

Es dauerte ein wenig, bis sich die Deutschen etwas aus der Umklammerung lösen konnte. Dann nahm das Team wieder Fahrt auf und der stark aufspielende Trochowski hatte Pech mit einem Schrägschuss an die Latte (62.).

Allerdings waren die Russen nun viel besser im Spiel und starteten immer wieder ihre gefährlichen, überfallartigen Angriffe. Die insgesamt gut stehende deutsche Deckung hatte Schwerstarbeit zu verrichten.

Großchancen in der Schlussphase

Die "Sbornaja" dominierte mehr und mehr die Begegnung und Arschawin verpasste nach 80 Minuten den Ausgleich, als er aus kurzer Entfernung nur haarscharf daneben zielte. Und nur eine Minute später scheiterte er aus 18 Metern an Adler.

Kurz vor Schluss stockte den deutschen Fans dann der Atem, als Arschawin den Ball an Adler vorbei schob ? doch der Ball prallte vom linken Pfosten zurück ins Feld (88.).

Danach vergingen weitere bange Minuten, ehe der umjubelte Erfolg schließlich perfekt war.

Zum Forum - jetzt mitdiskutieren!

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel