vergrößernverkleinern
Kevin Kuranyi (l., mit Löw) erzielte bislang 19 Treffer für die DFB-Auswahl © getty

Joachim Löw schließt nicht mehr aus, dass der Schalker Torjäger zur WM fährt. Für Franz Beckenbauer ist die Sache bereits klar.

Von Martin Volkmar und Christian Ortlepp

München/Leverkusen - Im Fall Kevin Kuranyi bahnt sich eine spektakuläre Wende an.

Nach seiner überragenden Saison könnte der Schalker Torjäger doch noch in letzter Minute auf den WM-Zug aufspringen.

Bislang hatte Joachim Löw nach Kuranyis Stadion-Flucht im Oktober 2008 eine Rückkehr während seiner Amtszeit kategorisch abgelehnt.

Nun schließt der Bundestrainer eine Teilnahme des Stürmers doch nicht mehr aus.

"Machen uns Gedanken"

"Klar ist, dass wir uns sicherlich darüber noch mal Gedanken machen", sagte Löw SPORT1 am Rande des Bundesliga-Spitzenspiels zwischen Leverkusen und Bayern.

"Das Thema ist präsent in Deutschland, deshalb bin ich gefordert, mich rechtzeitig zu äußern, damit auch klar wird, was wir für die WM planen", erklärte er sein Umdenken.

"Wir werden schon die für uns richtige Entscheidung treffen und sie rechtzeitig vor der Nominierung bekanntgeben."

Für Franz Beckenbauer ist der Fall bereits klar. "Ich gehe davon aus, dass Kevin Kuranyi mitfährt. Das würde auch für niemanden einen Gesichtsverlust bedeuten", meinte der "Kaiser" bei "Sky".

Reaktion auf starke Leistungen

Löw reagierte mit seiner Rolle rückwärts nach eigenen Worten auf die starken Leistungen des 52-fachen Nationalspielers, der mit 18 Toren gemeinsam mit Stefan Kießling und Edin Dzeko an der Spitze der Torschützenliste liegt.

Zudem dürften die Formkrise der eigentlich gesetzten Miroslav Klose und Lukas Podolski (beide 2 Saisontore) sowie die eindeutigen Stellungnahmen fast aller Experten für eine Rückkehr Kuranyis ihre Wirkung erzielt haben. (Beckenbauer setzt sich für Kuranyi ein)

Der 28-Jährige hatte in der Halbzeit des WM-Qualifikationsspiels gegen Russland (2:1) vor 18 Monaten aus Frust über seine Verbannung auf die Tribüne in der Halbzeit das Dortmunder Stadion verlassen und stand seitdem bei Löw auf der schwarzen Liste.

Kuranyi zurückhaltend

Entsprechend vorsichtig bewertete Kuranyi, der schon kurz danach sein Verhalten bereut hatte, die neuen Aussagen. "Ich würde mich über eine zweite Chance sehr freuen", erklärte er am Sonntag.

"Was der Bundestrainer gesagt hat, habe ich auch nur aus den Medien erfahren. Ich hatte noch keinen Kontakt."

Rückendeckung erhielt Kuranyi von seinem Vereinscoach. "Kevin hätte sich eine Nominierung verdient", sagte Felix Magath SPORT1. "Aber letztlich muss das der Bundestrainer entscheiden."

Schweinsteiger in die Mitte

Eine andere Entscheidung ist offenbar schon getroffen: Bastian Schweinsteiger wird "sehr wahrscheinlich" neben Kapitän Michael Ballack wie beim FC Bayern im defensiven Mittelfeld spielen, erklärte Löw:

"Er ist ein sehr guter zentraler Spieler, der sehr viele Ballkontakte hat und sehr ballsicher ist. Er macht in diesem Jahr einen sehr starken Eindruck."

Vorbereitung mit Rumpftruppe droht

Dagegen steht die WM-Vorbereitung offenbar unter keinem guten Stern. Denn in der ersten Phase mit dem Fitnesstest am 12. Mail dem Länderspiel gegen Malta (13. Mai) und dem Trainingslager auf Sizilien (14. bis 21. Mai) droht der Ausfall des halben Aufgebots.

Neben den elf Kandidaten von Bayern und Werder Bremen, die am 15. Mai das Pokalfinale bestreiten, muss auch Ballack wegen des FA-Cup-Endspiels mit dem FC Chelsea am selben Tag später nachreisen.

Fehlen könnten zudem die drei Hamburger WM-Aspiranten bei einer Qualifikation fürs Finale der Europa League (12. Mai) - das wären im Extremfall 15 von 23 Spielern.

Dieses Thema dürfte also ebenso auf der Agenda stehen wie der Fall Kuranyi, wenn sich Löw am Montag mit seinem Trainerteam zu einer mehrtägigen WM-Klausur im Schwarzwald zurückzieht.

Zum Forum - hier mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel