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Oliver Bierhoff (l.) und Joachim Löw arbeiten seit 2004 bei der DFB-Auswahl © imago

Nach Joachim Löw weist auch Oliver Bierhoff bei SPORT1 daraufhin, dass die DFB-Auswahl noch viel Arbeit bis zur Endrunde vor sich hat.

Von Martin Volkmar

München - Zwei Monate vor dem WM-Auftakt gegen Australien am 13. Juni werden die Sorgenfalten bei der Führung der Nationalmannschaft größer.

"Natürlich wissen wir, dass die Weltmeisterschaft kein Selbstläufer wird", sagte DFB-Teamanager Oliver Bierhoff im Gespräch mit SPORT1.

"Uns ist klar, dass wir viel Arbeit vor uns haben. Einige Nationalspieler waren verletzt oder haben zuletzt nicht die Leistung gebracht, die man von ihnen gewohnt ist."

Ähnlich äußerte sich Joachim Löw am Rande der dreitägigen WM-Klausur mit seinem Trainerteam im Schwarzwald-Ort Baiersbronn.

"Die Situation ist ernst"

"Ich mache mir keine Sorgen, aber die Situation ist ernst", erklärte der Bundestrainer der "Bild".

Als Hauptproblem sieht er die Formschwäche gleich mehrerer Leistungsträger und vor allem das Fehlen von mehr als der Hälfte des WM-Aufgebots zu Beginn der Vorbereitung am 12. Mai.

Aufgrund des Pokal-Endspiels zwischen dem FC Bayern und Werder Bremen sowie dem FA-Cup-Finale zwischen Chelsea und Portsmouth fehlen rund ein Dutzend Kandidaten inklusive Kapitän Michael Ballack.

Erreicht der Hamburger SV das Europa-League-Finale und Hertha BSC die Relegation, könnte sich die Zahl im Extremfall auf 16 von 23 WM-Fahrern vergrößern.

Großteil verpasst ersten Teil der Vorbereitung

Der Großteil der Spieler würde dann sowohl den ersten Fitnesstest als auch das Länderspiel gegen Malta (13. Mai) und weite Strecken des ersten Trainingslagers auf Sizilien (14. bsi 21. Mai) verpassen.

"Es ist problematisch, wenn acht bis zehn Spieler zu Beginn der WM-Vorbereitung fehlen", sagte Löw.

"Je später ich alle Spieler habe, desto schwieriger wird es, alle auf ein Niveau zu bringen, weil wir sehr individuell trainieren müssten."

Und weiter: "Es muss unser Ziel sein, dass wir in der Vorbereitung alle Spieler mit Problemen in kurzer Zeit in Form bringen. Wir haben bewiesen, dass wir das können."

Allerdings gelang Löw das vor der WM 2006 wesentlich besser als vor der EM 2008, als mehrere vorher abgeschlagene Leistungsträger bis zum Turnier nicht mehr topfit wurden.

Hauptproblem: Verletzte und Bankdrücker

Aktuell bangen die verletzten Simon Rolfes, Marcell Jansen und Sami Khedira um ihre Teilnahme ebenso wie Dauer-Reservist Thomas Hitzlsperger, hinzu kommt die fehlende Spielpraxis weiterer Bankdrücker.

Vor allem die bei den letzten Großereignissen gesetzten Miroslav Klose und Lukas Podolski sind außer Form.

Daher fordern Experten wie Franz Beckenbauer seit Wochen ein Comeback des 18-fachen Torschützen Kevin Kuranyi. (Beckenbauer setzt sich für Kuranyi ein)

"Man sollte den besten Stürmer schon zur WM mitnehmen", bekräftigte der Ex-Teamchef.

"Ich bin mir sicher, dass Jogi Löw eine gute Lösung finden wird, ohne dass es zum Gesichtsverlust kommt. Ich würde Kuranyi auf jeden Fall mitnehmen."

Der Bundestrainer hatte am Wochenende überraschend deutlich gemacht, dass er tatsächlich über eine Begnadigung des Schalkers nachdenkt. Doch auch anderen Nachrückern macht er Hoffnung.

"Auswahlverfahren noch längst nicht abgeschlossen"

"Unser Auswahlverfahren ist längst noch nicht abgeschlossen. Wir werden uns die Spieler genau anschauen", erklärte Löw. Ansonsten setzt er vor allem auf den Zeitfaktor:

"Ein Mesut Özil hat drei Monate unter seinen Möglichkeiten gespielt - und jetzt ist er wieder da mit Frische und Energie. Das kann ganz schnell gehen. Darauf setze ich auch bei anderen Spielern."

Fraglich bleibt angesichts der vielen Baustellen dennoch, ob die DFB-Auswahl ihr hohes Ziel, den vierten WM-Sieg, bei der Endrunde in Südafrika tatsächlich erreichen kann.

Auch wenn zumindest Franz Beckenbauer nach wie vor vom WM-Dritten von 2006 überzeugt ist.

"Spanien und Brasilien sind für mich die Favoriten. Gleich dahinter kommen wir und die Engländer", meinte der "Kaiser".

"An Argentinien, Italien und Frankreich glaube ich nicht."

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